Der promovierte Physiker Gerald Linke ist Vorstandsvorsitzender des Deutschen Vereins des Gas- und Wasserfaches (DVGW).

Der promovierte Physiker Gerald Linke ist Vorstandsvorsitzender des Deutschen Vereins des Gas- und Wasserfaches (DVGW).

Bild: © Tatiana Back Kurda

Die letzten Monate hätten der breiten Öffentlichkeit deutlich aufgezeigt, wie elementar Erdgas für die Energieversorgung in Deutschland sei, sagte Gerald Linke, Vorstandsvorsitzender des Deutschen Vereins des Gas- und Wasserfaches (DVGW) am Vortag des Kongresses gat | wat 2022. "LNG von unseren europäischen Partnern und mit aktuell über 90 Prozent gut gefüllte Gasspeicher helfen den Menschen jetzt und sorgen zusammen mit individuellen Einsparungsanstrengungen dafür, die Wintermonate bewältigen zu können."

Klar müsse aber auch sein, dass es insbesondere in Krisenzeiten keine Denkverbote und ideologischen Vorbehalte bei der Wahl zusätzlicher Energiequellen geben dürfe, so Linke weiter. "Technologieoffenheit ist jetzt so notwendig, wie niemals zuvor."

20 Prozent Wasserstoff ist möglich

Linke sprach sich erneut dafür aus, bei der Dekarbonisierung des Wärmesektors alle Technologieoptionen zuzulassen, etwa Hybridheizungen (Strom und Gas) oder Biogasheizungen sowie bilanzielle Regelungen. Auch ein verbindlicherer Gebietsnetztransformationsplan für den netzseitigen Wasserstoffhochlauf stelle demnach eine Erfüllungsoption dar.

"Das Grüngasziel muss jetzt von der Ampelregierung klar definiert und gesetzlich geregelt werden. Die jahrelange politische Vernachlässigung von Molekülen, also Gasen, gegenüber Elektronen, also Strom, muss ein Ende haben", so der DVGW-Chef weiter. Schon heute sei es möglich, bis zu 20 Prozent Wasserstoff in die vorhandene und bilanziell abgeschriebene Gasinfrastruktur einzuspeisen.

"Systemisch falsch"

"Wasserstoff ist auch ein Energieträger für den Wärmemarkt", unterstrich Linke. Nur die Elektrowärmepumpe sei keine gute Idee, denn sie passe nicht zu jedem Immobilienobjekt. Auch seien regelmäßig hohe Betriebskosten zu erwarten.

"Nur auf eine Technologie zu achten, ist auch systemisch falsch", so der Verbandschef. Damit riskiere die Bundesregierung eine lokale Unterversorgung, unter anderem weil ausreichend Stromtrassen von Norden nach Süden fehlten.

Anschläge: keine hundertprozentige Sicherheit

Zur Sicherheit der Gasinfrastruktur sagte Linke, dass die Anlagen im Rahmen des Objektschutzes überwacht würden. Pipelines selbst könnten nicht an Ort und Stelle gesichert - aber innerhalb von Tagen repariert werden.

"Die Energiewirtschaft kann nicht jeden Meter überwachen", betonte der DVGW-Vorstandsvorsitzende. "Die Nachrichtendienste müssen Anschläge verhindern." Klar sei jedoch auch, dass es für die Infrastruktur keine komplette Sicherheit vor terroristischen Attacken gebe. (jk)

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