Joachim Endress ist Geschäftsführer des Beratungsunternehmens Ganexo, das sich auf Fragen des Gasmarkts spezialisiert hat.

Joachim Endress ist Geschäftsführer des Beratungsunternehmens Ganexo, das sich auf Fragen des Gasmarkts spezialisiert hat.

Grafik/Bild: © ZfK/Ganexo

Ab 2025 wird sich das LNG-Angebot auf dem globalen Gasmarkt signifikant erhöhen. Dies ist einer der Gründe für die Backwardation der Gasterminkurve.

Im Wesentlichen gibt es drei wesentliche Faktoren, die die Höhe und Volatilität der Gasterminpreise beeinflussen. Ein Überblick.

Kohle- Gas-Switching am Strommarkt

Bis zur geplanten Stilllegung aller Kohlekraftwerke in 2030 wird das Kohle-Gas-Switching (Brennstoffwechsel) für die Preisgestaltung am Gas- und Strommarkt eine wichtige Rolle spielen. Die Preisspanne, innerhalb der das Switching erfolgt, hängt von den jeweiligen Kohle- und Kohlenstoffpreisen ab und markiert für den Gasmarkt eine Art Ober- und Untergrenze innerhalb der Kraftwerksgas nachgefragt wird.

Die durchschnittliche tägliche Netzleistung der europäischen Stein- und Braunkohlekraftwerke zur Stromerzeugung  liegt im laufenden Jahr zwischen 20 bis 60 GW und damit in etwa gleichauf mit der Netzleistung der Gaskraftwerke. Im Vormonat Oktober waren die Gaskraftwerke mit einer Leistung von durchschnittlich 38 GW am Netz, die Kohlekraftwerke leisteten durchschnittlich 35 GW.

Der Switching-Bereich verläuft aktuell zwischen 25 und 50 EUR/MWh. Das bedeutet, würde der Gaspreis auf 25 EUR/MWh sinken, wären alle Gaskraftwerke mit einem Wirkungsgrad von mindestens 40 Prozent im Geld. Würde der Gaspreis auf 50 EUR/MWh steigen, so wären nur noch die hocheffizienten Gaskraftwerke mit einem Wirkungsgrad von mindestens 60 Prozent im Geld.

Asiatische LNG Preise

Der asiatische Jahresbedarf für preisabhängiges LNG liegt bei mehr als 50 Mio. Tonnen. Im laufenden Jahr importierten die fünf größten Abnehmerländer (Japan, China, Südkorea, Taiwan, Indien) knapp 2800 LNG-Schiffsladungen. Zum Vergleich, in Europa wurden knapp 1500 Ladungen importiert.
Die Flexibilität der asiatischen Nachfrage ergibt sich einerseits auch durch den Brennstoffwechsel (Öl/ Kohle zur LNG) im Energie- und Industriesektor. Andererseits durch industrielle Preisreaktionen und der Umstellung von Pipelinegas auf LNG.

Die Nachfragereaktion in Asien verlief in der Vergangenheit weniger preissensitiv als in Europa, bzw. oftmals auch zeitlich verzögert. Nach dem Ende der Kohlekraft in Europa könnte in den 2030er Jahren die asiatische Preisreaktion eine wichtigere oder vielleicht auch entscheidende Rolle bei der Festlegung der globalen LNG-Preise spielen.

Nordamerikanische LNG-Exporte

Die USA und Australien sind derzeit die weltweit größten LNG-Produzenten. Die USA haben im laufenden Jahr knapp 900 Schiffsladungen nach Europa und die fünf größten asiatischen Abnehmerländer verschifft (Australien: 922). Damit rangieren die USA beispielsweise weit vor Katar, was an diese Abnehmerländer im laufenden Jahr bisher rund 620 LNG-Ladungen verschifft hat.

Nach Europa exportierten die USA über 630 LNG-Schiffsladungen. Das nordamerikanische Land hat damit einen Marktanteil von 45 Prozent auf dem europäischen LNG-Markt. Die Preiskalkulation der nordamerikanischen LNG-Produzenten ist daher für den europäischen Gasmarkt von zentraler Bedeutung.

Fallen diese sogenannten Netbacks unter die kurzfristigen Grenzkosten der LNG-Produktion, könnten die Terminals in den USA abgeschaltet werden. Die LNG-Produktion benötigt Feedgas, daher sind die Haupttreiber dieser Grenzkosten, die Preise an den amerikanischen Gas-Hubs, von denen der Henry Hub der liquideste ist.

Demnach müssten die europäischen Gaspreise über dem jeweiligen Preis am Henry Hub zzgl. der Transportkosten liegen, um Stornierungen der nordamerikanischen LNG-Frachten zu vermeiden. Für die Jahre 2025 bis 2027 lag die Terminpreise am Henry Hub bei zuletzt umgerechnet rund 13 EUR/MWh. Geht man von Transportkosten in Höhe von rund 4-6 EUR/MWh aus, dürfte dies die europäischen Gaspreise mittelfristig bei ungefähr 20 EUR/MWh nach unten abstützen.

Gasmarktexperte Joachim Endress schreibt für die ZfK eine wöchentliche Kolumne. Thema des vorangegangenen Artikels: Warum es nur noch wenig Potenzial für fallende Gaspreise im November gibt

Info: Täglich aktualisierte Energiemarktdaten und -grafiken finden Sie hier im ZfK-Datenraum, der in Kooperation mit dem Berliner Datenspezialisten Energy Brainpool befüllt wird.

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