Katherina Reiche, Lars Baumgürtel, Jörg Bergmann und Geert Muylle (v.l.) fordern beim Wasserstoff-Hochlauf mehr Tempo.

Katherina Reiche, Lars Baumgürtel, Jörg Bergmann und Geert Muylle (v.l.) fordern beim Wasserstoff-Hochlauf mehr Tempo.

Bild: © Handelsblatt Energie-Gipfel

Warum kommt Deutschland beim Thema Wasserstoff nicht voran? Was muss passieren, damit Deutschland den Anschluss nicht verliert? Und was kann die Bundespolitik von anderen Ländern lernen? Um diese und um andere Fragen ging es beim Panel „Road to H2: wie kriegen wir den Wasserstoff zum Kunden?“, das im Rahmen des Handelsblatt-Energiegipfels stattfand.

Für Westenergie-Chefin Katherina Reiche, die auch Chefin des Nationalen Wasserstoffrats ist, steht fest: „Wir brauchen mehr Entschlossenheit und Mehrgleisigkeit.“ Es sei heute völlig unklar, welche Technologien sich in Zukunft durchsetzen bzw. welche neuen Technologien es geben könnte. Daher sei es falsch, den Blick zu verengen.

Reiche: Weg mit den "Lebenslügen"

Deutschland sollte generell viel realistischer an das Thema herangehen und sich von „Lebenslügen“ verabschieden. Konkret nannte Reiche das „Narrativ der Wasserstoffknappheit“. Es sei keineswegs ausgemacht, dass es in Zukunft zu wenig Wasserstoff geben werde, der noch dazu unbezahlbar sei. „Ich glaube, dass wir das Gegenteil erleben werden.“

Jörg Bergmann, Sprecher der Geschäftsführung von Open Grid Europe (OGE), fühlte sich an die Welt des Sports erinnert. „Bei der Fußballweltmeisterschaft hat Deutschland die Vorrunde nicht überstanden. Beim Wasserstoff sind wir noch in der Vorrunde, müssen aber nun schnell Fahrt aufnehmen, wenn wir Weltmeister werden wollen.“

Bergmann fühlt sich ausgebremst

Die Branche stehe bereit, Pipelines zu bauen, werde aber von der Politik ausgebremst. „Das Know-how ist da, das Geld ist da und wir haben auch die Leitungen, die wir umrüsten können – aber es fehlt der regulatorische Rahmen.“

Eine „Lücke zwischen Anspruch und Wirklichkeit“ beklagt auch Lars Baumgürtel, der Chef der ZINQ-Gruppe. Er wünscht sich von der Politik mehr Begeisterung für das Thema Wasserstoff. „Drei Dinge sind jetzt wichtig: Infrastruktur, Infrastruktur, Infrastruktur.“ Die Industrie brauche – Stichwort Prozesswärme – schnell gigantische Menschen Wasserstoff, um sich zu „vergrünen“. Es fehle insgesamt an Investitionssicherheit, beklagte er.

Belgien mit mehr Pragmatismus

Im Gespräch mit Geert Muylle, dem Botschafter des Königreichs Belgien, zeigte sich, dass andere Länder offenbar pragmatischer vorgehen, wenn es um den Ausbau der Infrastruktur für den Transport von Wasserstoff geht. Belgien will bereits 2026 sein Wasserstoffnetz fertigstellen. 2028 soll es dann an ein deutsches Wasserstoffnetz angeschlossen werden. Zusammenarbeit über Staatsgrenzen hinweg sei auch angesichts der Größe der Herausforderungen wichtig, betonte der Botschafter.

Reiche kritisierte, dass der Aufbau eines Wasserstoffnetzes durch die „Unbundling“-Debatte behindert werde. Und auch die vom Bundeswirtschaftsministerium losgetretene Diskussion über eine mögliche (Teil-)Verstaatlichung der Gasnetze müsse „schleunigst beendet werden“, so die Konzernchefin.

Deutschland kann auch schnell sein

Diesen Ansatz hält auch Jörg Bergmann für verfehlt. Statt den Staat zu bemühen, sollte man auf die Unternehmen zurückgreifen, die das nötige Fachwissen haben. „Beim Aufbau der LNG-Terminals hat das doch auch geklappt.“

Dass Wasserstoff dabei helfen könne, den Wärmemarkt zu dekarbonisieren, ist ein Ansatz, der nach Überzeugung von Reiche in der politischen Debatte zu kurz kommt. Es fehle der differenzierte Blick. Raumwärme sei nicht Prozesswärme. Zudem habe jede Region in Deutschland andere Voraussetzungen und Bedürfnisse. Entsprechend brauche es auch differenzierte Lösungen.

Die fordert auch Lars Baumgürtel. Seine Vision aus Sicht der Privatwirtschaft: „Die Politik muss dafür sorgen, dass die nötige Infrastruktur schnell bereitgestellt wird. Der individuelle Transformationspfad ist dann Sache der einzelnen Unternehmen.“ (amo)

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