Preem, Schwedens größter Hersteller von Kraftstoffen, spielt eine herausragende Rolle bei der Umstellung auf Wasserstoff.

Preem, Schwedens größter Hersteller von Kraftstoffen, spielt eine herausragende Rolle bei der Umstellung auf Wasserstoff.

Bild: © Adobe Stock/Thomas

Die Nachfrage nach dem Energieträger Wasserstoff könnte bis zum Jahr 2050 weltweit von derzeit 76 auf bis zu 600 Megatonnen jährlich ansteigen – vorausgesetzt, dass geeignete Infrastrukturen entstehen. Das ist eines der Kernergebnisse des Reports „Hydrogen on the Horizon: Ready, almost set, go?“, den die Wirtschaftsprüfungs- und Beratungsgesellschaft PwC Deutschland in Zusammenarbeit mit dem World Energy Council (WEC) und dem Electric Power Research Institute (EPRI) erstellt hat.

 

Der Bericht beleuchtet die Marktentwicklung von Wasserstoff bis zum Jahr 2050. Er beruht auf dem Review verschiedener Energieszenarien, PwC Analysen und einer umfassenden Recherche des WEC zu nationalen Strategieentwicklungen. Befragt wurden dazu 38 Experten aus 23 Ländern, auf die 61 Prozent der globalen Gesamtprimärenergieversorgung und rund 70 Prozent des globalen Bruttoinlandsprodukts entfallen, darunter die USA, Japan, Südkorea, Deutschland und Frankreich.

Starker Nachfrageanstieg ab 2030

Insgesamt schwanken die Prognosen für den Wasserstoffanteil am weltweiten Endenergieverbrauch bis zum Jahr 2050 zwischen 6 und 25 Prozent – abhängig von den Herstellungskosten für Wasserstoff, der benötigten Infrastruktur sowie dem technologischen Reifegrad. Die Entwicklung der Nachfrage hängt laut der Analyse außerdem davon ab, welches Temperaturziel im Jahr 2050 erzielt werden soll; um etwa zu erreichen, dass die globale Temperatur nur um 1,8 Grad Celsius ansteigt, ist deutlich mehr Wasserstoff erforderlich, als wenn die Temperatur bis 2050 um 2,3 Grad Celsius und mehr ansteigt. 

Ein weiteres wichtiges Ergebnis des Reports: Die Wasserstoffnachfrage wird in den 2030er Jahren stark anwachsen. Das laufende Jahrzehnt muss nach Überzeugung der Autoren daher dafür genutzt werden, die notwendigen Infrastrukturen für Produktion, Transport, Import, Vertrieb und Nutzung von Wasserstoff zu schaffen. „Wir müssen jetzt handeln, in Deutschland, der EU und weltweit, um effektive Strukturen für Wasserstoff zu schaffen. Nur dann kann es gelingen, den stark wachsenden Bedarf mit einem entsprechenden Angebot zu erfüllen und unsere Klimaziele zu erreichen“, mahnt Folker Trepte, Leiter Energiewirtschaft bei PwC Deutschland, in einer Pressemitteilung.

Plädoyer für Technologieoffenheit

Die Studienautoren warnen davor, die Debatte über die verschiedenen „Farben“ des Wasserstoffs zu übertreiben, weil sie wichtige Innovationen und damit praktikable und kosteneffiziente Technologien hemmen könnte. Für die noch junge Wasserstoffwirtschaft gelte das Henne-Ei-Problem zwischen Angebot und Nachfrage. Auf beiden Seiten fehlten verlässliche Mengen, um eine wirtschaftlich tragfähige Wertschöpfungskette zu etablieren. Der Fokus müsse daher noch viel stärker auf der Projektimplementierung liegen, um den Markthochlauf in der Praxis zu sehen“, lässt sich PwC-Experte Jürgen Peterseim zitieren.

International variieren die Wasserstoffstrategien der einzelnen Länder laut der Analyse zum Teil erheblich. Länder in südlichen Regionen, die erneuerbaren Strom und damit „grünen“ Wasserstoff potenziell günstig erzeugen können, wollen künftig größere Mengen in Staaten mit hohem Bedarf, aber geringerem Erzeugungspotenzial exportieren. Asien und Europa scheinen den Fokus derzeit mehr auf die Nachfrage zu legen, um zum Beispiel CO2-intensive Sektoren wie Industrie und Verkehr zu dekarbonisieren. Demgegenüber konzentrieren sich Ländern im Nahen Osten und Nordafrika stärker auf das Angebot.

Energiepartnerschaften vorantreiben

Dies belegen auch die von PwC prognostizierten Preisentwicklungen: In Australien, Chile und manchen afrikanischen Staaten etwa werden die Herstellungskosten deutlich niedriger sein als in den dicht besiedelten Gebieten Europas oder Asiens. Immer wichtiger werden nach Einschätzung der Studienautoren deshalb Wasserstoff-Energiepartnerschaften, wie sie Deutschland in der jüngeren Vergangenheit zum Beispiel mit Marokko und Australien geschlossen hat. (amo)

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