Wohin wird Wasserstoff in Deutschland künftig verteilt? Fest steht: Das Kernnetz spielt dabei eine zentrale Rolle. (Symbolbild)

Wohin wird Wasserstoff in Deutschland künftig verteilt? Fest steht: Das Kernnetz spielt dabei eine zentrale Rolle. (Symbolbild)

Bild: © Viks_jin/AdobeStock

Das geplante Wasserstoff-Kernnetz gewinnt an Kontur: Am Mittwoch legten die deutschen Fernleitungsnetzbetreiber ein erstes Modellierungsergebnis vor. Demnach soll das Netz Leitungen mit einer Gesamtlänge von 11.200 Kilometern umfassen. Die Kosten dafür schätzen die Unternehmen auf einen niedrigen zweistelligen Milliardenbetrag.

Für einen Großteil der Leitungen ist eine Umrüstung der bereits bestehenden Gasinfrastruktur vorgesehen. Neubauten sind vor allem in der Küstennähe geplant, wo Wasserstoff über Importterminals ins Netz eingespeist werden soll.

Screenshot: © FNB Gas

Kernnetz soll bis 2032 in Betrieb gehen

Zunächst soll das Wasserstoff-Kernnetz in einer ersten Stufe wichtige Wasserstoffinfrastrukturen umfassen, die bis 2032 in Betrieb gehen sollen. Die Bundesnetzagentur muss die Ausgestaltung des Netzes genehmigen.

In einer zweiten Stufe soll bis Ende dieses Jahres eine umfassende Wasserstoff-Netzentwicklungsplanung im Energiewirtschaftsgesetz verankert werden. Frühestens dann dürfte auch mehr Klarheit darüber herrschen, was die Netzpläne für Privathaushalte bedeuten. Zunächst geht es nur darum, große Mengen an Wasserstoff überhaupt im Land verteilen zu können.

Verteilnetzbetreiber am Zug

Nun aber sind erst einmal die Verteilnetzbetreiber am Zug. Sie haben bis zum 28. Juli die Gelegenheit, zu weiteren Wasserstoffinfrastrukturen für das Wasserstoff-Kernnetz Stellung zu nehmen.

Im Anschluss wollen die Fernleitungsnetzbetreiber die gemeldeten Leitungsinfrastrukturen prüfen und gegebenenfalls im Rahmen der finalen Modellierung berücksichtigen.

Ostdeutsche Bedenken

Im Vorfeld hatten insbesondere ostdeutsche Bundesländer Sorge gehabt, beim Aufbau einer Wasserstoffinfrastruktur zu wenig berücksichtigt zu werden. Nun versicherte Barbara Fischer, Geschäftsführerin der FNB Gas, aber, dass beispielsweise Kapazitäten für das Kraftwerk Jänschwalde in Brandenburg im Kernnetzvorschlag berücksichtigt seien.

Dieses sehe jedoch grundsätzlich keine direkten Anschlussleitungen vor. "Bezüglich der Realisierung der Anschlüsse stehen die jeweiligen Fernleitungsnetzbetreiber in Kontakt mit den Anschlussinteressenten."

Stimmen aus Sachsen und Schleswig-Holstein

Sachsens Wirtschaftsminister Martin Dulig lobte, dass die aktuellen Planungen zwei Leitungen auf dem Gebiet seines Bundeslandes vorsähen. Damit würde die Versorgung wichtiger Industriestandorte im Freistaat berücksichtigt, teilte er mit.

Zufrieden zeigte ich zudem Schleswig-Holsteins Energiewendeminister Tobias Goldschmidt (Grüne). "Ich bin froh, dass der heutige Vorschlag die Möglichkeiten unseres Bundeslands erkennt und mit Hyperlink III eine große Wasserstoffautobahn durch unser Land plant", sagte er. "Sie wird das Rückgrat des klimaneutralen Industrielands Schleswig-Holstein sein."

Rolle des Bundestags

Die Bundesregierung hatte im Mai eine Neufassung des Energiewirtschaftsgesetzes auf den Weg gebracht, die die regulatorischen, kartellrechtlichen und netzplanerischen Grundlagen für die Entwicklung eines ausbaufähigen Wasserstoff-Kernnetzes legt.

Der Entwurf befindet sich derzeit im parlamentarischen Verfahren. Er soll bis zum Herbst abgeschlossen sein. (aba/dpa)

Hinweis für unsere Leser: Die Wasserstoff-Kernnetz-Karte, ein Formular für eine Stellungnahme sowie weitere Informationen finden Sie hier auf der Internetseite von FNB Gas. Sie können sich unter info@fnb-gas zurückmelden. Stellungnahmen können bei folgender E-Mail-Adresse des Bundeswirtschaftsministeriums eingereicht werden: WASSERSTOFFKERNNETZ@bmwk.bund.de.

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