Ohne Wasserstoff wird die Energiewende scheitern, ist Westenergie-Chefin Katherina Reiche überzeugt. Beim nunmehr 3. Wasserstofftag ihres Unternehmens führte Reiche, die auch Chefin des Nationalen Wasserstoffrats ist, aus, dass Deutschland viel „mutiger, schneller und pragmatischer“ vorgehen müsse.
Deutschland habe ohne Zweifel bereits viel erreicht. Eine wichtige Weichenstellung nach Überzeugung von Reiche: die Fortschreibung der Nationalen Wasserstoffstrategie. Ein wichtiges Signal sei auch die Unbundling-Regelung der EU gewesen. „Es ist gut, dass es keine horizontale Entflechtung gibt. Das Gegenteil hätte Investitionen verhindert.“ Als wichtigen Schulterschluss bezeichnete die Energiemanagerin die Einrichtung einer Leitstelle H2.NRW. „Wir brauchen diese Art von Zusammenarbeit.“
Reiche warnt vor Stromlücke
Sorgen bereitet Reiche die Kraftwerksstrategie der Bundesregierung. „Wenn sie nicht bald greift, laufen wir zum ersten mal in der Geschichte der Bundesrepublik sehenden Auges in eine Stromlücke.“ Ihre Kritik: Die konkreten Umsetzungszeiträume seien unklar. Ein Dorn im Auge sind ihr auch die deutlich reduzierten Wasserstoffmengen für H2-ready gebaute Gaskraftwerke. Auch müsse die Bundesregierung endlich eine Importstrategie für Wasserstoff vorlegen. Weltweit gebe es 1400 angekündigte Wasserstoffprojekte. „Aber nur bei 7 Prozent haben wir eine endgültige Investitionsentscheidung“, führte Reiche aus.
Was es nun brauche, sei eine zügige Einigung auf geeignete Importstrukturen, aber auch ein besserer regulatorischer Rahmen. Es dauere zu lange, ehe investitionsbereite Unternehmen den Startschuss für die Förderung bekommen. „Es mangelt nicht an Ideen, aber diese müssen eben auch regulatorisch in den aktuellen Rahmen passen.“ Man müsse sich angesichts der Zahlen schon die Frage stellen, warum nur so wenige angedachte Projekte dann auch tatsächlich umgesetzt werden.
Alle Farben in den Blick nehmen
Erleichtert zeigte sich Reiche darüber, dass die Ampel die Farbenlehre des Wasserstoffs inzwischen hinter sich gelassen habe. Auch Wirtschaftsminister Habeck schließe in der Hochlaufphase andere Farben als den grünen Wasserstoff mittlerweile nicht mehr aus.
Nichtsdestotrotz fehle es Unternehmen an der Sicherheit, dass ihre Investitionen auch an der richtigen Stelle platziert werden. Dabei seien Investitionen in Wasserstoff eine „industriepolitische Notwendigkeit“. Hier werde sich entscheiden, ob Wertschöpfung und Wohlstand in Deutschland bleiben, ist die Westenergie-Chefin überzeugt. (amo)



