Graforce-Chef Jens Hanke betankt ein Erdgasauto mit dem Gasmix.

Graforce-Chef Jens Hanke betankt ein Erdgasauto mit dem Gasmix.

Bild: © Garforce

Im Technologiepark Berlin-Adlershof soll eine Anlage stehen, die aus Schei*** Gold bzw. Gas macht –  was spektakulär klingt, sieht auf den ersten Blick auf dem Gelände der 2010 gegründeten Technologiefirma Graforce ziemlich unscheinbar aus. Im Inneren des weißen Containers entladen sich allerdings alle paar Millisekunden mehrere 10 000 Volt. Diese geballte Power gibt der Anlage ihren Namen – der Plasmalyzer.

Bevor am Ende Wasserstoff und sauberes Wasser herauskommen, muss erst einmal Abwasser in die silbern glänzende Anlage eingeleitet werden. Anschließend wird mittels Strom aus der hauseigenen PV-Anlage jede Menge Spannung und dadurch ein elektrisches Feld erzeugt – das sogenannte Plasma. Durch die millionenfachen, blitzartigen Entladungen pro Sekunde werden sämtliche chemische Verbindungen, die das Schmutzwasser enthält, aufgespalten.

Auf die Bindungsenergie kommt es an

Ziel der Spaltung von diversen Reststoffverbindungen wie Nitrate, Harn- oder Stickstoffe ist es, die jeweils enthaltenen Wasserstoffatome freizusetzen. Bei der Plasmalyse geht es also im Gegensatz zur Elektrolyse nicht vorrangig um die Dissoziation von Wassermolekülen, sondern um die Zersetzung von Schadstoffen. Das macht die H2-Gewinnung effizienter, denn Ammoniak zerfällt beispielsweise bei deutlich geringerer Energiezufuhr als Wasser. Der Wirkungsgrad der Prototyp-Anlage in Aldershof liegt damit über dem verwandten Elektrolyseverfahren.

Positiver Nebeneffekt: Das Abwasser wird durch die Aufspaltung der Stickstoffverbindungen von Schadstoffen gereinigt, die verlassen über eine Gasmembran den Plasmalyzer, während das gereinigte Wasser zurück in den natürlichen Wasserkreislauf geleitet werden kann.

Weniger Emissionen als Erdgas

Was das Verfahren von Graforce so einzigartig macht, ist der Einsatz von Schmutzwasser, egal ob aus Kläranlagen, Industriebetrieben oder Biogasanlagen, der Plasmalyzer gewinnt anspruchslos aus sämtlichen Reststoffen Wasserstoff – für eine Brennstoffzelle undenkbar. Die Genügsamkeit hat auch für die Berliner Wasserbetriebe Vorteile: Für den Prototypen liefern sie bereits das benötigte Abwasser. Kommt die Anlage im großen Stil zum Einsatz, müssten weniger Schadstoffe, wie Stickoxide oder Phosphat aus dem Wasser gefiltert werden, was die Kosten für ein erweitertes Reinigungsverfahren eindämmen würde.

Nach der Plasmalyse wird der Wasserstoff mit Biomethan vermischt und kann dann als Kraftstoff für alle herkömmlichen Erdgasautos oder auch für umgerüstete Diesel und Benziner dienen (ausgestattet mit einem CNG-Kit). Vor allem für Transporter und Busse könnte sich der Umstieg auf das Gasgemisch lohnen, denn dort sind bislang elektrische Alternativen kaum verfügbar. Der Mix aus Biogas und H2 spart gegenüber Erdgas im Schnitt 13 Prozent CO2 und 31 Prozent Stickoxide. Eine Win-Win-Situation für die Kreislaufwirtschaft und die Umwelt.  (ls)

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