Herber Rückschlag auf dem Weg in die Wasserstoff-Wirtschaft: Das bundesweit beachtete Wasserstoff-Projekt „Westküste 100“ steht offenbar vor dem Aus. Wie der NDR berichtet, werden die Projektpartner Raffinerie Heide, Ørsted Deutschland und Hynamics Deutschland nun doch nicht in die Herstellung von grünem Wasserstoff einsteigen. Grund sind die hohen Baukosten für den Elektrolyseur.
Die drei Unternehmen wollten ursprünglich in Hemmingstedt im Kreis Dithmarschen eine 30-Megawatt-Anlage errichten. Das Bundeswirtschaftsministerium – damals noch unter Führung von Peter Altmaier – hatte „Westküste 100“ mit 36 Mio. Euro gefördert. Auch in der Landesregierung von Schleswig-Holstein galt das Vorhaben als Vorzeigeprojekt, das man gerne unterstützte. Trotz der üppigen Fördermittel sind die wirtschaftlichen Risiken aus Sicht der Projektpartner aber zu hoch. Die Wasserstoff-Herstellung am Standort sei schlicht nicht wirtschaftlich.
"Wichtige Erkenntnisse gewonnen"
Der Geschäftsführer der Raffinerie Heide, Roland Kühl, bemüht sich im NDR um Schadensbegrenzung. Man habe im Rahmen des Projekts wichtige Erkenntnisse gewonnen, die man weiter nutzen wolle, lässt er sich dort zitieren.
Von dem plötzlichen Projekt-Aus betroffen sind auch die Stadtwerke Heide. Das kommunale Unternehmen wollte einen Teil des in Westküste 100 produzierten Wasserstoffs nutzen, um ihn dem Erdgas beizumischen. So sollte ein Wohngebiet in Heide mit dem Erdgas-Wasserstoff-Gemisch beheizt werden.
Auch Thüga war mit an Bord
Am Teilprojekt "Grüner Heizen" war auch die Thüga beteiligt. Gemeinsam mit dem Stadtwerken Heide wollte die Thüga nachweisen, dass die Komponenten eines modernen Bestandsgasnetzes inklusive der Installationen in den Haushalten in der Praxis alle Anforderungen für die Einspeisung von Wasserstoff erfüllen.
"Um die Klimaziele in Deutschland langfristig zu erreichen, müssen wir die bestehende Infrastruktur nutzen: Gasnetze sind verfügbar und für die Nutzung von grünen Gasen geeignet." Klimaneutrale Gase ließen sich über die Gasnetze kostengünstig zu den Kunden transportieren und "glätten außerdem saisonale Schwankungen zwischen Energiebereitstellung und -nachfrage", hatte Thüga-Chef Michael Riechel seinerzeit erläutert. Die Beimischung von Wasserstoff sei ein erster, schnell realisierbarer Schritt auf dem Weg zu einer klimaneutralen Wärmeversorgung. (amo)



