Die Gasspeicher der EU-Länder sind mit 69 Prozent im Vergleich zum Fünfjahresdurchschnitt um mehr als 15 Prozentpunkte mehr gefüllt. Dennoch zeigen sich die Einspeicherungen seit Beginn der Sommersaison schwächer als im Fünfjahresvergleich. Derzeit befinden sich 775 TWh Erdgas in den Gasspeichern aber nur 175 TWh davon wurden seit Beginn der Einspeicherungssaison eingespeichert (16 Prozent weniger als im Fünfjahresmittel).
Auch wenn die Gasspeicherziele der EU bis zum 01. November alle erfüllt werden, bleiben die Versorgungsrisiken im nächsten Winter weiterhin bestehen. Drei der letzten vier Winter waren verhältnismäßig mild, damit ist zumindest die Wahrscheinlichkeit, dass es mal wieder kälter wird, gestiegen.
Zunehmende Bedeutung von Gasspeicherkapazitäten
Die LNG-Importe in den europäischen Ländern, die das weggefallene russische Gas ersetzen, werden zu einen großen Anteil auf Basis von Spotlieferungen bezogen. Dies macht Europa anfälliger und abhängiger von Ausfällen der LNG-Versorgung und dem Preiswettbewerb mit Asien.
Deutschland verfügt mit einer Speicherkapazität von insgesamt 250 TWh über die größten Gasspeicherkapazitäten in der EU. Alle EU-Länder zusammen können insgesamt 1130 TWh Erdgas einspeichern.
Würde rein theoretisch in Deutschland an jedem Wintertag 6900 GWh (maximale Ausspeicherungskapazität) netto ausgespeichert, so wären die deutschen Speicher innerhalb von rund 30-35 Tagen vollständig entleert. Andere EU-Länder verfügen zum Teil über deutlich geringere Ausspeicherungs- bzw. Gesamtspeicherkapazitäten, was die Risiken im Falle eines Lieferengpasses deutlich erhöht.
Überkapazitäten minimieren das Risiko von Preisspitzen
Zusätzliche Gasspeicherkapazitäten würden der EU also mittelfristig helfen, mögliche Engpässe durch Angebotsausfälle oder Nachfragespitzen zu vermeiden und das Risiko von Preisspitzen so zu minimieren.
Bis zum Überfall Russlands hatte sich die Ukraine auf den Weg gemacht, eine Art von europäischem Gasspeicherzentrum zu werden. Bis zum Krieg hatte dies mehr als 100 ausländische Firmen in die Ukraine angezogen, um Gas dort einzuspeichern.
Die Ukraine verfügt mit knapp 33 Mrd. Kubikmetern Arbeitsgas über die größten Speicherkapazitäten in Europa. In der Region Lwiw befindet sich mit dem Bilche-Volytsko-Uherske einer der größten Untergrundspeicher der West-Ukraine mit einer Kapazität von 17 Mrd. Kubikmeter.
10 Milliarden Kubikmeter freie Gasspeicherkapazität
Die ukrainischen Gasspeicher sind derzeit nur zu 17 Prozent gefüllt. Das ukrainische Ministerkabinett plant, bis zum Beginn der Heizperiode 2023-24 mehr als 14 Mrd. Kubikmeter Gas zu speichern, die Speicher wären damit dann zu rund 50 Prozent gefüllt.
Die Ukraine verfügt über mehr als 10 Milliarden Kubikmeter freie Gasspeicherkapazität, die europäische Unternehmen nutzen könnten, um Erdgas dort einzuspeichern. Zur Einordnung: Dies entspricht fast der gesamten Speicherkapazität Frankreichs und mehr als 10 Prozent der gesamten EU-Speicherkapazität.
Der stellvertretende CEO des Speicherbetreibers Ukrtransgaz (UTG), Sergii Pereloma, sagte im Mai in einem Gespräch mit ICIS, dass ausländische Gasunternehmen nun in die Ukraine zurückkehren, um trotz des hohen Risikos im Zusammenhang mit der militärischen Invasion Russlands in das Land, Gas in die Speicher einzuspeichern.
Ausländische Unternehmen kehren in Ukraine zurück
Daher unterstützt die Ukraine die Entscheidung der EU zur Einführung einer Speicherquote, welche verfügt, dass die in der EU ansässigen Speicher bis zum bis zum 1. November 2022 zu mindestens 80 % und in den nächsten zwei Jahren zu 90 % gefüllt sein müssen.
Das Interesse der Ukraine ist dementsprechend groß, dass ihre eigenen Untergrundspeicher genutzt werden, um einen strategischen EU-Vorrat anzulegen, der die Länder der Region versorgt.
Laut Angaben der UTG sind mit Ausnahme kleinerer Anlagen im Norden und Osten des Landes, die restlichen 80 Prozent der ukrainischen unterirdischen Speicherkapazitäten im Westen des Landes unter ukrainischer Kontrolle und gut geschützt.



