Nach einem Winter mit viel Eis, Schnee und Minustemperaturen sind die deutschen Gasspeicher so leer wie seit drei Jahren nicht mehr. Zu Beginn der Einspeisesaison beträgt der aggregierte Füllstand nach Angaben des Branchendienstes AGSI+ um die 60 Terawattstunden (TWh). Das entspricht etwa einem Viertel der Gesamtkapazität.
Sorgen, dass das Gas nicht reichen könnte, hatte Sebastian Bleschke, Geschäftsführer der Initiative Erdgasspeicher (Ines), allerdings nicht, wie er im Interview mit der ZfK erzählt. "Im Winter 2017/18 sind die Füllstände noch deutlicher gesunken – auf weniger als 15 Prozent. Versorgungsprobleme gab es trotzdem nicht."
Gaspreise zogen im Winter an
Wenn der April von extremen Wetterkapriolen verschont bleibt, dürfte die Versorgungssicherheit auch diese Saison nie infrage gestanden haben. Bleschke ist überzeugt, dass die Gasspeicher dazu wesentlich beigetragen hätten. "An manchen Tagen wurden bis zu 3,2 Terawattstunden ausgespeichert", sagt er. "Damit wurde auch diesmal wieder ein beträchtlicher Teil der deutschen Gasversorgung aus Speichern abgedeckt."
Wie lukrativ der Winter für die Speicherbetreiber selbst war, wird sich dagegen wohl erst noch zeigen. Mit Beginn der Corona-Krise purzelten im Frühjahr 2020 die Gaspreise in den Keller. Im Winter zogen sie dagegen wieder kräftig an, auf teils mehr als 20 Euro pro Megawatt.
Platz für mehr als 160 TWh Gas
Eine positive Entwicklung vor allem für die Speichernutzer, die Gas in den Speichern gelagert haben. Speicherbetreiber verdienen allerdings an der Vermarktung der Speicherkapazitäten an die Gashändler. Inwieweit das lukrative Geschäft der Gashändler sich auch auf ihre Vermarktungssituation auswirkt, lässt sich nur schwer prognostizieren. In diesem Zusammenhang spielt auch das Speicher-Paradoxon eine besondere Rolle.
Heißt: Um die Speicher erneut zu befüllen und neue Vorräte anzulegen, werden die Händler wieder Gas in großen Mengen im Sommer einkaufen müssen. Für mehr als 160 Terawattstunden ist rechnerisch Platz. Das treibt den Preis.
Speicher-Paradoxon
Wohl auch deshalb legten die Frontkontrakte für die Sommermonate in den vergangenen Wochen merklich zu. Steigen allerdings die Sommerpreise, dann schmilzt der Sommer-Winter-Spread, sprich der Preisunterschied zwischen den Sommer- und Winter-Gaspreisen.
Gerade dieser Spread gilt aber oftmals als wichtiger Indikator zur Bewertung von Speicherkapazitäten. Obwohl also die Speicher einen großen Beitrag zur Versorgung geleistet haben, könnte die daraus folgende Bewertung paradoxerweise gegenläufige Signale liefern.
Künftige Rolle von Gasspeichern
"Allerdings ist das nicht der einzige Faktor für den Wert eines Speichers", sagt Bleschke. "Gasspeicher dienen auch dazu, bei unerwarteten Versorgungslücken als Reserve die Versorgung abzusichern. Zudem sind sie für die Stabilisierung der Gasnetze wichtig."
Für Bleschke steht fest: Gasspeicher spielen auch künftig eine zentrale Rolle. Selbst dann, wenn Deutschland auf eine treibhausgasneutrale Energieversorgung umgestellt hat.
Gasspeicher für Wasserstoff
Der Branchenvertreter verweist auf die sogenannte Power-to-Gas-Technologie, bei der grüner Strom in erneuerbare Gase wie Wasserstoff umgewandelt und dann über längere Zeiträume in heutigen Gasspeichern eingespeichert werden kann.
"Prinzipiell können sowohl Kavernen- als auch teilweise Porenspeicher Wasserstoff lagern", sagt Bleschke. "Die Frage ist eher, ab wann solche Investitionen sinnvoll sind."
Alternative Biomethan
Bis dahin könnten Speicher Erdgas etwa für die Produktion von blauem oder türkisem Wasserstoff vorhalten, führt er aus. "Und für Porenspeicher, die für Wasserstoff nicht geeignet sind, käme zudem Biomethan infrage. Diese bislang nur wenig diskutierte Option ist durchaus wertvoll. Denn der Brennwert von Wasserstoff ist um zwei Drittel niedriger als der von Erdgas. Heißt: Mit Biomethan auf Erdgasqualität lässt sich bei demselben Volumen viel mehr Energie speichern als mit Wasserstoff." (ab)



