Die Erneuerbaren Stromproduktion zeigt sich in der ersten Oktoberwoche schwach und mit dem kalten Wetter fallen die durchschnittlichen Tagestemperaturen in vielen Regionen bis zu 4 Grad unter die saisonale Norm.
Die Gasnachfrage der EU-Länder steigt wieder über 9000 GWh/Tag, der höchste Wert seit Ende des letzten Winters. Ebenso fallen die Einspeicherungen auf den tiefsten Stand und die Ausspeicherungen steigen auf den höchsten Stand seit Ende April dieses Jahres.
Für die nächste Woche werden wieder steigende Temperaturen und eine höhere Windstromproduktion erwartet, so dass sich die Situation aus fundamentaler Sicht dann wieder entspannen könnte.
LNG-Importe im September auf 3-Jahres-Tief
Die steigende Gasnachfrage trifft auf ein eingeschränktes Gasangebot. Die norwegischen Gasflüsse sind weiterhin durch geplante und ungeplante Wartungen limitiert. Erst zum 26. Oktober sollen alle Wartungen in Norwegen beendet sein und die Gasflüsse wieder uneingeschränkt fließen.
Die LNG Importe fielen im September auf den tiefsten Stand des Jahres und laut unserer Aufzeichnungen auf den tiefsten Stand seit mindestens Oktober 2021. Insgesamt importierten die EU-Länder im September insgesamt nur 91 LNG-Tankerlieferungen, wohingegen in den nachfragestärksten Ländern Asiens die Importe auf den höchsten Stand seit Januar stiegen.
Jüngst hat sich jedoch der Unterschied der LNG-Preise zwischen Europa und Asien wieder verringert. Der sogenannte JKM/TTF Spread fiel zeitweise unter 1 USD/MMBtu, was dazu führen könnte, dass in den nächsten Wochen wieder mehr Spot LNG-Ladungen nach Europa kommen.
Ölpreise steigen mit Spannungen im Nahen Osten
Die Eskalation im Konflikt zwischen Israel und dem Iran und insbesondere der Hisbollah sorgte zuletzt für einen sprunghaften Anstieg der Ölpreise, auf zuletzt 76 US Dollar pro Barrel. Bisher werden die Befürchtungen hinsichtlich der Ölversorgung durch eine weltweit höhere Produktion und zuletzt nachlassende Nachfrage Chinas kompensiert.
Nach einem Jahr des Konflikts im Nahen Osten waren die Ölpreise von 90 US-Dollar auf zuvor 71 US-Dollar pro Barrel gesunken, da es bisher zu keiner Störung der Versorgung kam. Durch den Raketenbeschuss Israels durch den Iran könnte sich das nun jedoch ändern.
Eine Ausweitung des Konflikts könnte beispielsweise dazu führen, dass Israel iranische Ölexportterminals angreifen könnte oder auch der Iran seinerseits Ölproduktionseinrichtungen in den Vereinigten Arabischen Emiraten oder Saudi-Arabien attackieren könnte, um den Konflikt zu internationalisieren.
Auswirkungen auf den Gasmarkt
Nachhaltig steigende Ölpreise ziehen die Gaspreise in der Regel nach oben, einige langfristige Lieferverträge und auch ältere LNG-Lieferverträge insbesondere asiatischer Importeure weisen Preisindexklauseln zum Ölpreis auf.
Aus fundamentaler Sicht ist der Gasmarkt durch den Konflikt im Nahen Osten bisher nicht unmittelbar betroffen. Da jedoch auf dem europäischen Gasmarkt viele finanzielle Anleger und Akteure tätig sind, führt jede Veränderung der geopolitischen Situation, egal ob mit oder zunächst ohne fundamentaler Auswirkung, zu einer Veränderung der Risikobewertung und damit der Risikoprämien.
Dies könnte sich beispielsweise durch eine Störung des Tanker-Transports in der Straße von Hormus grundlegend ändern. Würde der Iran wegen der kriegerischen Eskalation die für die LNG- wie Öltankschifffahrt wichtige Route schließen, wäre dies bedeutend schlimmer als die Krise am Roten Meer, welche durch die Attacken der mit dem Iran verbündeten Huthi-Rebellen ausgelöst wurde.
Gasmarktexperte Joachim Endress schreibt für die ZfK eine wöchentliche Kolumne.
Der Titel der letzten Kolumne lautete "Volatile Gaspreise in Aussicht".
Täglich aktualisierte Energiemarktdaten und -grafiken finden Sie hier im ZfK-Datenraum, der in Kooperation mit dem Berliner Datenspezialisten Energy Brainpool befüllt wird.



