ZfK Wärmewende

Jena lässt Wärmeplan von neutralem Dritten erstellen

Wenn Kommunen einen Wärmeplan erstellen, können sie das selbst tun, die eigenen Stadtwerke beauftragen – oder eben einen unabhängigen Dritten. Das macht zum Beispiel die thüringische Wissenschaftsstadt Jena.
07.10.2025

Die Stadt Jena hat die kommunale Wärmeplanung an ein neutrales Planungsbüro vergeben.

Von Frank Urbansky

Die Stadt Jena gehört zu den ersten Kommunen Thüringens, die einen kommunalen Wärmeplan vorgelegt haben. Ziel ist es, die Wärmeversorgung bis 2035 klimaneutral zu gestalten. Lesen Sie im sechsten Teil der Serie über die Herausforderungen der kommunalen Wärmeplanung, wie Jena das Vorhaben umgesetzt hat.

Da die Stadtverwaltung Jena für die komplexe Analyse von Gebäudebestand, Wärmebedarf und Versorgungsinfrastruktur keine ausreichenden eigenen Kapazitäten hat, wurde der kommunale Wärmeplan von einem externen Dienstleister, dem Hamburg Institut Consulting (HIC), erstellt. Dieses Vorgehen erlaubt es der Kommune, schnell und fachlich fundiert ein umfassendes Konzept vorzulegen und gleichzeitig den gesetzlichen Anforderungen des Wärmeplanungsgesetzes gerecht zu werden, das große Städte bis 2026 verpflichtet, entsprechende Pläne vorzulegen

41 Wärmeversorgungsgebiete

Jena wurde dabei in 41 Wärmeversorgungsgebiete unterteilt, die jeweils ähnliche Rahmenbedingungen aufweisen. Für jedes Gebiet wurden aktueller und künftiger Wärmebedarf, Gebäudestruktur, bestehende Energieversorgung sowie lokale Potenziale für erneuerbare Wärme erfasst.

Auf dieser Basis hat der externe Planer insgesamt 26 konkrete Maßnahmen entwickelt, die von der Erweiterung und Verdichtung bestehender Fernwärmenetze über den Aufbau neuer Wärmestrukturen bis hin zu Beratungsangeboten für Eigentümer reichen. Bei der Bewertung der Varianten kommt ein Vollkostenansatz in Fünf-Jahres-Schritten bis 2035 zum Einsatz, um jeweils die wirtschaftlich beste Lösung zu identifizieren. Ergänzend wurde ein Controllingmechanismus integriert, der eine Überprüfung alle drei Jahre vorsieht; die erste Evaluation ist für 2028 geplant.

Die Entscheidung, die Wärmeplanung extern zu vergeben, bringt für Jena Vorteile. So profitiert die Stadt von der Fachkompetenz der externen Berater, die sowohl technisches als auch wirtschaftliches Know-how in die Analyse einbringen. Durch die neutrale Sicht von außen werden die Ergebnisse als objektiver wahrgenommen. Das wiederum kann die politische und öffentliche Akzeptanz erhöhen. Außerdem spart die Stadt Zeit, da die externe Planung innerhalb von etwa anderthalb Jahren zu einem vorzeigbaren Entwurf führte, inklusive interaktiver Karten und Maßnahmenkatalog.

Allerdings: Die externe Erstellung verursacht hohe Kosten, die nicht jede Kommune problemlos stemmen kann. Zudem besteht die Gefahr, dass die lokale Verankerung leidet. Denn externe Planer müssen erst Verständnis für die lokalen Strukturen, Akteure und Bedarfe entwickeln. Ohne intensive Beteiligung von Stadtwerken, Eigentümern und Bürgern drohen Akzeptanzprobleme und Verzögerungen in der Umsetzung.

Gefahr von Abhängigkeiten

Ein weiterer Nachteil besteht in der Abhängigkeit von dem beauftragten Dienstleister, da die Stadtverwaltung die komplexe Weiterentwicklung oder Fortschreibung des Plans nicht ohne weiteres selbst leisten kann. Jede künftige Aktualisierung muss daher erneut extern beauftragt oder durch begleitende interne Kompetenzen abgesichert werden.

Dennoch: Das Jenaer Modell zeigt, dass eine Kommune durch externe Expertise in kurzer Zeit zu einem qualitativ hochwertigen Wärmeplan gelangen kann, der klare Ziele formuliert, technische und wirtschaftliche Optionen abwägt und ein transparentes Monitoring vorsieht.

Lokale Akteure einbinden

Für Kommunen, die selbst nicht über ausreichende Fachkapazitäten verfügen, bietet dieser Ansatz eine Möglichkeit, die gesetzlichen Anforderungen zu erfüllen und gleichzeitig konkrete Schritte in Richtung klimaneutrale Wärmeversorgung einzuleiten. Voraussetzungen sind jedoch ein ausreichendes Budget, die Einbindung lokaler Akteure und ein Konzept für die kontinuierliche Fortschreibung, damit der Plan nicht nur auf dem Papier überzeugt, sondern zum Motor der kommunalen Wärmewende wird. Im nächsten Teil der Serie zeigen wir, wie Wärmepläne als Tandemlösungen für mehrere, meist ländliche Kommunen erstellt werden.