Kommunaler Wärmeplan im Tandem

Die kommunale Wärmeplanung dient dazu, Anstrengungen der Kommune im Bereich der Wärmewende systematisch "einzunorden".
Bild: @ Syna
Von Frank Urbansky
Viele Kommunen müssen für die kommunale Wärmeplanung detaillierte Bestandsanalysen, Potenzialstudien und Transformationspfade entwickeln. Gerade kleinere Gemeinden sind damit schnell überfordert, weil Ressourcen, Fachwissen und Finanzmittel fehlen. Lesen Sie im siebten Teil der Serie über die Herausforderungen der kommunalen Wärmeplanung, wie Tandem- oder Konvoilösungen hier Abhilfe schaffen könnten.
Ein solches Modell wird gerade im Rhein-Neckar-Raum erprobt – mit sechs Gemeinden, die sich zu einem Planungskonvoi zusammengeschlossen haben: Bammental, Gaiberg, Eschelbronn, Lobbach, Meckesheim und Spechbach. Begleitet wird der Prozess von Beratern von Syna, Netztochter der Süwag Energie AG, und der Horizonte-Group-GmbH.
Anstatt einer eigenen Wärmeplanung durch jede einzelne Kommune werden Daten, Methoden und Prozesse gebündelt. Damit lassen sich Kosten senken, Synergien nutzen und einheitliche Standards in der Planung etablieren. Für die Kommunen bedeutet das nicht weniger Eigenverantwortung, sondern vielmehr die Möglichkeit, auf einer soliden gemeinsamen Basis ihre spezifischen Entscheidungen zu treffen.
Unterschiedliche Voraussetzungen
Doch wie wirkt solch ein Ansatz konkret? Im gesamten Konvoi wurde ein jährlicher Wärmebedarf von rund 214,6 Gigawattstunden ermittelt – verbunden mit knapp 87.900 Tonnen CO₂-Emissionen. Die Gebäude in den Gemeinden sind größtenteils teilsaniert, rund ein Viertel unsaniert. Für die Praxis bedeutet das enorme Einsparpotenziale durch Sanierungen, die gleichzeitig als Hebel für die spätere Umstellung der Wärmeerzeugung dienen.
Allerdings: In den Potenzialanalysen treten die Unterschiede zwischen den Gemeinden deutlich hervor. In Meckesheim könnte Abwärme der Kläranlage mit einer Quellleistung von über 5 MW und einer theoretisch möglichen Wärmepumpenleistung von bis zu 6,5 Megawatt rechnerisch etwa ein Viertel des Wärmebedarfs decken. In den anderen Gemeinden konnten solche Abwärmepotenziale im Rahmen der Analyse nicht identifiziert werden.
Wärmepumpen geeignete Lösung
Die Herausforderung liegt also weniger in der technischen Machbarkeit, sondern in der Wirtschaftlichkeit der Wärmeleitung bis ins Zentrum der Gemeinde. In Eschelbronn und Bammental hingegen sind Flusswasserpotenziale aus Schwarzbach und Elsenz zwar vorhanden, ihr theoretischer Beitrag bleibt aber mit maximal zwei Prozent des Bedarfs vergleichsweise gering.
Deutlich aussichtsreicher erscheinen Lösungen mit Wärmepumpen. In allen Konvoi-Gemeinden wurde die Nutzung von Umgebungsluft als praktisch unbegrenzt verfügbar bewertet. Auch oberflächennahe Geothermie erweist sich in Teilgebieten als interessant, etwa in Lobbach und Spechbach, wo die geologischen Voraussetzungen für effiziente Erdwärmesonden besonders günstig sind. Solche dezentralen Systeme lassen sich flexibel an Einzelgebäude oder Quartiere anpassen.
"Zentrale Wärmenetze werden künftig dort sinnvoll sein,
wo sich mehrere Potenziale bündeln lassen."
Darüber hinaus zeigt die Analyse, dass zentrale Wärmenetze künftig dort sinnvoll sind, wo sich mehrere Potenziale bündeln lassen. In Bammental etwa wird geprüft, ob erneuerbare Quellen mit einem Wärmenetz verknüpft werden können, während in dünner besiedelten Ortsteilen dezentrale Lösungen wie Luft-Wasser-Wärmepumpen dominieren werden.
Genau hier liegt der Wert des Konvoi-Ansatzes: Die Gemeinden können voneinander lernen, welche Technologien in welchen Strukturen am besten greifen, und Szenarien für zentrale wie dezentrale Versorgung vergleichen. Das Tandem-Prinzip verstärkt diesen Ansatz. Es bedeutet, dass Kommune und Netzbetreiber gemeinsam agieren – die Gemeinde mit ihrem Wissen über Bebauung und Eigentümerstrukturen, der Netzbetreiber mit technischer Kompetenz, Datenintegration und Transformationsplanung. So entsteht ein Planungsprozess, der sowohl rechtlich belastbar ist, als auch praxistauglich bleibt.
Potenziale der einzelnen Kommunen im EWE-Konvoi Rhein-Neckar
Meckesheim: Abwasserwärme als verborgenes Potenzial
In Meckesheim wurde die Kläranlage als mögliche Quelle für Abwasserwärme untersucht. Die Herausforderung liegt hier in den hohen Kosten für die Wärmeleitung: Schon wenige hundert Meter Trassenbau schlagen schnell mit Millionenbeträgen zu Buche. Hier zeigt sich, wie wichtig die gemeinsame Planung ist – während Meckesheim alleine vor der Frage der Wirtschaftlichkeit stehen würde, lassen sich im Konvoi mögliche Abnehmer und übergreifende Netze besser denken.
Eschelbronn und Bammental: Flusswasser mit begrenztem Beitrag
Die Gemeinden Eschelbronn und Bammental haben mit Schwarzbach und Elsenz zwar zwei Flüsse im Gemeindegebiet, doch die Potenziale für die Wärmeversorgung bleiben überschaubar: Bei optimaler Nutzung könnten sie lediglich ein bis zwei Prozent des Bedarfs decken – das ist wirtschaftlich nur in sehr spezifischen Szenarien sinnvoll. Gerade hier zeigt der Konvoi-Ansatz seinen Wert: Die Gemeinden sehen im Vergleich, dass Flusswasserwärme zwar Teil des Energiemixes sein kann, aber keinesfalls eine tragende Rolle spielt.
Lobbach: Oberflächennahe Geothermie mit guten Voraussetzungen
In Lobbach sind die hydrogeologischen Bedingungen für den Einsatz oberflächennaher Geothermie günstig. Erdsonden können hier hohe Entzugsleistungen erreichen, sodass sich Wärmepumpen wirtschaftlich betreiben lassen. Das eröffnet Perspektiven für Quartierslösungen oder kombinierte Konzepte mit Solarthermie. Der Konvoi bietet den Vorteil, dass solche lokalen Stärken sichtbar werden und in übergreifende Strategien integriert werden können.
Spechbach: Kleine Gemeinde mit großer geothermischer Effizienz
Auch Spechbach weist eine hohe Entzugsleistung bei oberflächennaher Geothermie auf. In Kombination mit moderner Wärmepumpentechnologie könnten hier sehr effiziente dezentrale Lösungen umgesetzt werden. Für eine kleine Gemeinde mit nur rund 1700 Einwohnern wäre eine Wärmeplanung im Alleingang kaum möglich – durch den Konvoi wird sie jedoch Teil einer gemeinsamen Strategie, die lokale Potenziale voll berücksichtigt.
Gaiberg: Datenlücken als Planungshemmnis
In Gaiberg liegen für Geothermie und andere Quellen bislang nur wenige spezifische Daten vor. Hier würde eine einzelne Kommune schnell an ihre Grenzen stoßen. Im Konvoi können solche Lücken geschlossen werden, weil auf gemeinsame Datenpools, externe Expertise und Vergleichsanalysen zurückgegriffen wird.
Diese Beispiele verdeutlichen, wie unterschiedlich die Ausgangslagen der einzelnen Kommunen sind – und wie sehr sie von der Konvoilösung profitieren. Kommunale Wärmeplanung ist also kein "One-size-fits-all"-Ansatz. Jede Gemeinde hat ihre eigenen Potenziale und Restriktionen. Erst die Bündelung im Konvoi macht es möglich, diese Unterschiede systematisch herauszuarbeiten, zu vergleichen und in eine abgestimmte Gesamtstrategie zu überführen.
Die Erfahrungen aus dem Konvoi zeigten, so Syna, welchen Gewinn die enge Zusammenarbeit von Kommunen und Netzbetreibern für die kommunale Wärmeplanung bedeutet. Auch die Einbindung von Bürgern sei ein wichtiger Baustein. Sie wird im Dezember im Rahmen einer weiteren Beteiligungsveranstaltung fortgesetzt. In Zusammenarbeit mit den kommunalen Partnern könnten so individuelle Stärken identifiziert, gemeinsame Potenziale genutzt und wirtschaftlich tragfähige Lösungen entwickelt werden.
Zusammenarbeit ist mehr als Kostenteilung
Für die sechs Kommunen im Rhein-Neckar-Raum bedeutet die Zusammenarbeit im Konvoi mehr als nur eine Kostenteilung. Sie gewinnen Planungssicherheit, können Bürgerinnen und Bürger zielgerichteter beraten und schaffen Transparenz für Investoren, Wohnungswirtschaft und Handwerk. Und nicht zuletzt liefert das Projekt ein Modell, das auf viele andere Regionen übertragbar ist: Wärmeplanung im Verbund, gestützt durch die Kooperation von Kommunen und Netzbetreibern, kann eine Blaupause sein, wie die Wärmewende auch in kleineren Gemeinden gelingen kann.

