Die Bundesnetzagentur erhöht den Druck auf säumige Verteilnetzbetreiber (VNB). Am Donnerstag kündigte die Behörde an, zwei Netzbetreibern Zwangsgelder anzudrohen, weil diese die Pflicht zur Einführung zeitvariabler Netzentgelte nach §14a des Energiewirtschaftsgesetzes (EnWG) bislang nicht erfüllen. Weitere Verfahren sollen folgen.
Wir stellen fest, dass Unternehmen insbesondere das zeitvariable Netzentgelt nicht oder nur unzureichend umsetzen. Dies ist nicht mehr akzeptabel.
Klaus Müller, Präsident der Bundesnetzagentur.
Die betroffenen Netzbetreiber erhalten bis zum 30. September 2026 Zeit, die Defizite zu beheben.
Elektroautos und Wärmepumpen profitieren
Auf Anfrage der ZFK ergänzte die Behörde, sie trete in Fällen eindeutiger Nicht-Umsetzung direkt mit den betroffenen VNB in Kontakt. Sofern sich in der Sachverhaltsaufklärung herausstelle, dass die Gründe allein beim Netzbetreiber lägen, werde ein Aufsichtsverfahren eingeleitet.
Betroffen sind im ersten Schritt konkret zwei Netzbetreiber: die Netztochter der Süwag Energie, Syna, sowie die Netzgesellschaft der Teag, Thüringer Energienetze. Die Teag ist ein mehrheitlich kommunales Unternehmen, die Süwag dagegen gehört mehrheitlich zum Eon-Konzern. Beide zählen zu den eher großen Verteilnetzbetreibern und versorgen jeweils mehr als eine Million Kunden.
Seit April 2025 verpflichtet §14a EnWG Netzbetreiber dazu, ihren Kunden den Wechsel in zeitvariable Netzentgelte zu ermöglichen – also Tarife, bei denen die Netzkosten je nach Tageszeit variieren. Davon könnten vor allem Haushalte mit Elektroauto oder Wärmepumpe profitieren, da sie ihren Stromverbrauch flexibel anpassen können.
Verbände sehen Hürden
Die Branchenverbände verweisen auf strukturelle Herausforderungen bei der Umsetzung. Der Verband kommunaler Unternehmen (VKU) nennt vor allem die IT als zentrales Problem: Die sogenannte Modul-3-Logik lasse sich "nicht ohne Weiteres in den bestehenden technischen Systemlandschaften abbilden". Ursache sei "vor allem ein rechtlicher Rahmen, der nicht zur praktischen Realität der Systeme und Prozesse vor Ort passt".
Der Bundesverband der Energie- und Wasserwirtschaft (BDEW) betont, die eigentliche Herausforderung liege nicht in der Umsetzung einzelner Anforderungen, sondern in der schieren Aufgabenfülle: Netzbetreiber müssten derzeit "eine Vielzahl von Themen parallel in Systeme, Prozesse und Abläufe integrieren". Beide Verbände fordern klarere Priorisierungen und praxistauglichere Vorgaben.
Umsetzungsstau in der Branche
Wie groß der Rückstand bei der Umsetzung tatsächlich ist, zeigt eine aktuelle Auswertung des Berliner 1000-GW-Instituts, über die die ZFK hier ausführlich berichtet.



