Am Dienstag kam es zu einem technischen Fehler an der Strombörse Epex Spot. Die Folge waren starke Preisverwerfungen im kurzfristigen Stromhandel. In Deutschland kostete eine MWh in der Day-Ahead-Auktion zeitweise über 2300 Euro. Auch in Österreich notierte eine Megawattstunde (MWh) in der Spitze bei fast 2000 Euro.
Wie die Epex Spot mitteilte, fand bei der Day-Ahead-Auktion für Mittwoch ein sogenanntes Decoupling (deutsch: Entkoppelung) statt. Das heißt: Für jedes Land führte die Börse eigene, lokale Auktionen durch, ohne Nachfrage und Angebot auf dem europäischen Markt miteinzubeziehen. Wegen des Merit-Order-Prinzips mussten alle Interessenten in Deutschland daher den Preis des teuersten deutschen Kraftwerks zahlen, das in Betrieb war.
Importe fallen aus
"Das Handelsergebnis war aufgrund der allgemeinen Rahmenbedingungen, wie Prognose- und Fundamentaldaten, in der Spitze überraschend", sagt Patrick Kruppa, Abteilungsleiter für Erzeugung- und Portfoliomanagement und Prokurist bei Südweststrom. Während das Decoupling die Preise in Deutschland hochschießen ließ, entwickelten sie sich in Frankreich eher schwach.
"Normalerweise hätten wir in diesem Zeitraum günstigen Strom aus Frankreich importieren können", so Kruppa weiter. "Dies zeigt ganz plastisch den großen Vorteil von grenzüberschreitendem Handel. Auf der anderen Seite waren offenbar in Deutschland Anlagenbetreiber bereit, nur zu sehr hohen Preisen Strom bereitzustellen beziehungsweise Verbraucher, auf dessen Bezug zu verzichten."
Aufarbeitung läuft
Gegenüber dem Fachportal "Montel News" erklärte eine Sprecherin von Epex Spot, man arbeite "an einer eingehenden Analyse des Marktgeschehens, einschließlich einer Analyse des Orderbuchs" und könne zum jetzigen Zeitpunkt keine weiteren Einblicke geben. Die Börse ließ eine Anfrage der ZfK zu den genauen Ursachen bis Mittwochabend unbeantwortet.
Epex Spot teilte jedoch mit, dass das Problem mittlerweile behoben sei. Die Preise seien im Einklang mit den Marktregelungen zustande bekommen. Man wolle sich dazu mit den nationalen Regulierungsbehörden austauschen. Offen ist bislang, ob die Ausfälle auch ein juristisches Nachspiel haben. Dabei geht es etwa um Kunden, die wegen der unvorgesehenen Schwankungen für sie unvorteilhafte Verträge abschließen mussten.
Warnung bei dynamischen Tarifen
Für Privatkunden haben kurzfristige Schwankungen an der Strombörse normalerweise keine Auswirkungen. Anders sieht es bei Kunden mit dynamischen Tarifen aus. So warnte der Stromanbieter Tibber seine Kunden am Montag bereits, dass es am Dienstag zwischen 4 Uhr und 8 Uhr sowie zwischen 18 und 22 Uhr zu starken Preisschwankungen kommen würde.
Merlin Lauenburg, Deutschlandchef von Tibber, ordnete aber ein, dass Kunden im monatlich-dynamischen Tarif zum durchschnittlichen Börsenstrompreis des Monats abgerechnet würden. Die kurze Preisspitze habe auf den Monat gerechnet daher lediglich eine Erhöhung von weniger als 2 Cent pro kWh zur Folge.
Herausforderung für Geschäftskunden
Auswirkungen dürfte es auch auf Gewerbe- und Industriekunden geben, deren Stromtarife sich an den Börsenstrompreisen ausrichten. Marco Möller, CEO des Softwareanbieters für Ladestationen Pionix, sprach auf der Platfform "LinkedIn" vom bislang "größten technischen Fehler" bei Epex Spot. Geschäftskunden mit dynamischen Tarifen wären in solchen Situationen gut beraten, ihre Produktionsschichten zu verschieben. (jk)



