Der Übertragungsnetzbetreiber 50Hertz will bis 2025 fast doppelt so viel in die Netzinfrastruktur investieren wie in den vergangenen fünf Jahren. Allein in diesem Jahr sind 860 Mio. Euro Investitionen eingeplant. Das sind 160 Mio. Euro mehr als im Vorjahr, wie das Unternehmen in seiner Bilanzpressekonferenz bekanntgab.
Ziel sei es, Übertragungsleitungen und Umspannwerke fit zu machen, um mehr Strom aus erneuerbaren Energien in das System zu integrieren. 2020 stieg der Anteil der Erneuerbaren am gesamten Stromverbrauch im Netzgebiet von 50Hertz auf 62 Prozent.
Kosten für Engpassmanagment gesunken
Zugleich mussten immer weniger Windkraftanlagen abgeregelt werden. Die Kosten für das gesamte sogenannte Engpassmanagement fielen auf 33 Mio. Euro. Die installierte Leistung Erneuerbarer Energien stieg von rund 34 GW im Jahr 2019 auf circa 36 GW im Jahr 2020 an.
Beim sogenannten Engpassmanagement konnte 50Hertz die Mengen von rund 2,5 Mrd. kWH in 2019 auf nur noch 1,5 Mrd. kWh (2020) senken. Die Kosten für diese Maßnahmen fielen von 84 Mio. Euro (2019) auf 33 Mio. Euro (2020). Im Jahr 2015 hatten diese Kosten noch über 350 Mio. Euro betragen.
Ausbau von Onshore-Wind
Beim Ausbau der Erneuerbaren, so Geschäftsführer Stefan Kapferer, gebe es aktuell Licht und Schatten. Der Zubau an Windkraftanlagen im Netzgebiet von 50Hertz stieg 2020 gegenüber dem Vorjahr zwar leicht auf 427 MW. Allerdings konnten die Zahlen, die für das Erreichen der Klimaschutzziele erforderlich wären, noch nicht wieder erreicht werden.
"Der jährliche Zubau an Onshore-Windkraftanlagen in unserem Netzgebiet müsste sich verdoppeln, damit wir unser 100-Prozent-Ziel bis 2032 auch erreichen", machte Kapferer deutlich. Knapp 430 MW sind demnach im ostdeutschen Übertragungsgebiet im Jahr 2020 hinzugekommen. Man brauche jedoch etwa 700 MW jährlichen Zubau.
Zuwachsraten in der Photovoltaik erfreulich
Einen positiven Trend gab es dagegen bei Photovoltaik-Anlagen auf Dächern und Freiflächen: Hier wuchs die installierte Leistung um rund 45 Prozent. Das heißt, von 761 MW (2019) auf 1348 MW (2020). Um Energiewende- und Klimaschutzziele zu erreichen, muss nach Auffassung von 50Hertz jetzt vor allem der Ausbau der Offshore-Windenergie vorangetrieben werden.
In der deutschen Ostsee sieht man ein Potenzial insgesamt 3,1 GW, die derzeit nicht im Flächenentwicklungsplan berücksichtigt sind. "Falls sich daran nichts ändert", so Kapferer, "dann kommt der Ausbau der Offshore-Windenergie in der deutschen Ostsee nach 2026 zum Erliegen."
Nettoergebnis von 193 Mio. Euro
Wirtschaftlich sieht sich 50Hertz gut gerüstet, um die anstehenden Aufgaben bewältigen zu können. Mit einem Ergebnis nach Steuern in Höhe von 193 Mio. Euro bei einem Umsatz aus dem Netzgeschäft von rund 1,45 Mrd. Euro war das Jahr 2020 ein wirtschaftlich gutes Jahr für 50Hertz (Ergebnis 2019: 178 Mio. Euro), heißt es.
50Hertz plant im Zeitraum von 2021 bis 2025 Investitionen von insgesamt 4,7 Mrd. Euro in die Netzinfrastruktur. 2016 bis 2020 waren es noch 2,9 Mrd. Euro. Diese Mittel fließen vor allem in den Ausbau neuer und in die Verstärkung bestehender Leitungen sowie in den Neubau beziehungsweise in die Ertüchtigung von Umspannwerken. (jk)



