Die Kühltürme des stillgelegten Atomkraftwerks Philippsburg fallen nach der Sprengung zusammen. Der letzte Block des Kraftwerks wurde am 31. Dezember 2019 abgeschaltet. Nun wird es zurückgebaut.

Die Kühltürme des stillgelegten Atomkraftwerks Philippsburg fallen nach der Sprengung zusammen. Der letzte Block des Kraftwerks wurde am 31. Dezember 2019 abgeschaltet. Nun wird es zurückgebaut.

Bild: © Daniel Maurer/EnBW/dpa

Die Sprengung der Kühltürme am Kraftwerk Philippsburg, radioaktiver Müll per Schiff auf dem Weg von Obrigheim nach Neckarwestheim, demontierte Sicherheitsbehälter: Das sind die Bilder zum Atomausstieg im Südwesten. Zehn Jahre nach der Nuklearkatastrophe von Fukushima, die in Deutschland den Anfang vom Ende der Kernenergie bedeutete, baut die EnBW vier abgeschaltete Meiler im Südwesten zurück. Bis maximal Ende kommenden Jahres liefert Block II in Neckarwestheim noch Strom. Dann endet eine Ära.

Noch 2011 wurden acht Atomkraftwerke in Deutschland außer Betrieb genommen, darunter Philippsburg I und Neckarwestheim I. Da war Obrigheim längst abgeschaltet. Die Laufzeit neun weiterer Anlagen wurde begrenzt, Philippsburg II steht seit Ende 2019 still. Das neue Thema lautet: Rückbau. Ein "hochspannendes Multiprojekt", so Jörg Michels, Geschäftsführer der EnBW Kernkraft GmbH. "So ein Rückbau ist im Grunde ein kompletter Neubau – nur rückwärts."

7,5 Mrd. Euro für den Abbau – nur bei EnBW

EnBW hat sich zum Ziel gesetzt, jeden Block innerhalb von 10 bis 15 Jahren so abzubauen, dass die Anlagen nicht mehr unter das Atomgesetz fallen. Nebengebäude etwa könnten auch später abgerissen werden. Die Gesamtkosten beziffert EnBW mit rund 7,5 Mrd. Euro. Der Lerneffekt war deutlich: Während der Rückbau von Obrigheim in vier Schritten genehmigt wurde, gaben Behörden bei Philippsburg II in einem Rutsch grünes Licht. Das war das erste Mal in der Geschichte der Bundesrepublik – und die Genehmigung lag sogar schon vor, bevor der Meiler überhaupt abgeschaltet war. Zur Einordnung: Die Unterlagen für ein solches Verfahren füllen rund 50 Aktenordner.

Alle Genehmigungen für den weiteren Abbau seien erteilt. Wichtig sei nun, dass der Abtransport von Abfällen, die zur konventionellen Deponierung freigegeben werden, nicht ins Stocken gerate. Sollten größere Mengen am Kraftwerksstandort gelagert werden müssen, könnte das zu Engpässen führen. Da ein großer Teil der nicht kontaminierten Baumaterialien per Gesetz recycelt werden muss, baut EnBW an den Kraftwerken Reststoffbearbeitungszentren.

Radioaktiver Abfall: Rund 1 Mio. Tonnen suchen eine Lösung

Schwach- bis mittelradioaktiver Abfall soll nach der Zwischenlagerung in das noch nicht in Betrieb genommene Endlager Schacht Konrad gebracht werden. In diese Kategorie fällt den Angaben nach gerade einmal etwa ein Prozent der Gesamtmasse. Und die beträgt rund 275.000 Tonnen bei Obrigheim und 783.000 Tonnen bei Philippsburg II. (dpa/gun)

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