Frankreich setzt im Vergleich zu Deutschland -–auf dem Bild das AKW Philippsburg – weiterhin stark auf Atomkraft. Gerade deshalb ist die Verzögerung des Neubaus Flamanville ein Rückschlag.

Frankreich setzt im Vergleich zu Deutschland -–auf dem Bild das AKW Philippsburg – weiterhin stark auf Atomkraft. Gerade deshalb ist die Verzögerung des Neubaus Flamanville ein Rückschlag.

Bild: © Daniel Meier-Gerber/EnBW

In Baden-Württemberg ist das vorletzte im Südwesten noch laufende Atomkraftwerk vom Netz gegangen. Wie die Betreiberin EnBW mitteilte, wurde Block 2 des Kernkraftwerks Philippsburg bei Karlsruhe am Dienstagabend wie geplant gegen 18.55 Uhr abgeschaltet. Im Rahmen des Atomausstiegs war festgeschrieben worden, dass der Meiler spätestens bis Jahresende stillgelegt sein muss. Damit läuft im Südwesten nur noch Neckarwestheim 2 im Kreis Heilbronn. Dieser Meiler darf noch bis Ende 2022 Strom produzieren. 

Philippsburg 2 sei ohne Zwischenfälle heruntergefahren worden, teilte die EnBW mit. "Der Abschaltvorgang lief technisch wie geplant und ohne Besonderheiten." Der Prozess der Abschaltung an sich ist laut EnBW ein Standardverfahren und läuft genauso ab, wie bei den Abschaltungen, die in der Vergangenheit für die jährlichen Revisionen nötig waren. Diesmal aber ist es für immer. Der Meiler hatte ein Sechstel des Strombedarfs in Baden-Württemberg abgedeckt und etwa zwei Drittel des Strombedarfs der privaten Haushalte.

Rückbau soll zügig beginnen

Nach EnBW-Angaben soll 2020 bereits mit dem Rückbau begonnen werden. Die bereits stillgelegten Reaktoren - Obrigheim, Philippsburg 1 und Neckarwestheim 1 - werden schon seit Jahren zurückgebaut. Das Kernkraftwerk Philippsburg (KKP) liegt rund 30 Kilometer nördlich von Karlsruhe auf einer Insel. Bereits 2011 war der erste der beiden Kraftwerksblöcke abgeschaltet worden. 

Für den BUND geht mit dem Meiler in Philippsburg eines der störanfälligsten Atomkraftwerke in Deutschland vom Netz. "Das Ende des AKW Philippsburg ist ein guter Grund zum Feiern", sagte Olaf Bandt, der Vorsitzender des Bunds für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND). 

Noch sechs Atommeiler am Netz

Zwei Tage vor dem Aus für den Block hatten Atomkraft-Gegner das baldige Ende des Kraftwerks gefeiert. Zugleich hatten Befürworter des Werkes gegen den Atomausstieg demonstriert. Die Polizei sprach am Sonntag von insgesamt rund 180 Teilnehmern.

Insgesamt sind in Deutschland noch sechs Atommeiler am Netz. Als 2011 der Atomausstieg beschlossen wurde, waren es bundesweit noch 17. Endgültig müssen alle bis spätestens 2022 stillgelegt werden. Im einzelnen: Brokdorf (Schleswig-Holstein) und Grohnde (Niedersachsen) sowie Block C im bayrischen Grundremmingen dürfen noch bis Ende 2021 Strom produzieren. Spätestens zum 31. Dezember 2022 müssen Isar 2 in der Nähe von Landshut (Bayern), der Meiler Emsland (Niedersachsen) sowie Neckarwestheim 2 (Baden-Württemberg) vom Netz. 

Zunahme der Stromimporte erwartet

Nach Angaben des Verbandes Kerntechnik Deutschland kommen fast zwölf Prozent des Stroms in Deutschland aus Atomstrom. Der muss spätestens bis zur Abschaltung aller Meiler ersetzt werden: durch Ökostrom, aber auch Kohle oder Stromzukäufe. 

Mit Blick auf Baden-Württemberg sieht sich die EnBW gut vorbereitet. Der Energieversorger habe jahrelang Zeit gehabt, sich auf das Szenario vorzubereiten, und sein Portfolio längst entsprechend umgestellt, sagt ein Sprecher. "Der Import von Strom wird steigen", heißt es im Stuttgarter Umweltministerium - sei es aus anderen Bundesländern, aus Frankreich oder Österreich. (dpa/hil)

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