Sebastian Mahlow ist Geschäftsführer der Lichtblick-Tochter ison.

Sebastian Mahlow ist Geschäftsführer der Lichtblick-Tochter ison.

Bild: © ison/LichtBlick

Herr Mahlow, ison hat eine White-Label-Lösung für Prosumer entwickelt (die ZfK berichtete). Was ist daran so besonders?

Wir setzen zum einen schon bei der Installation an. Viele Hersteller von PV-Anlagen, Speichern oder Wärmepumpen bieten eine Installations-App an. Hierfür setzen wir das Backend auf, sodass wir im nächsten Schritt die Geräte aggregieren können. Dabei arbeiten wir unter anderem mit weit verbreiteten HEMS-Lösungen, aber auch über eine direkte Kommunikation zwischen Gerät und ison-Cloud. Wir können aber auch Cloud zu Cloud kommunizieren, denn viele etablierte Hersteller verfügen bereits über ausgefeilte Clouds. Unsere Lösung besteht darin, dass wir einen Adapter bereitstellen, der alle drei Kommunikationskanäle vereint und daraus den optimierten Betrieb der Geräte innerhalb eines Haushaltes baut.

Welche Vorteile hat das?

In einem zweiten Schritt können wir die verschiedenen Haushalte dann zu einer Flotte zusammenführen. Für diese Flotte erstellen wir eine Prognose für Verbräuche und Stromproduktion. Anschließend können wir diese mit Blick auf die Energiemarktpreise optimieren. Unser System ermöglicht eine intelligente Lastverschiebung. Dadurch entsteht auch der Wert bei den Kunden. Hersteller können ihren Kunden dadurch zusichern, dass sich die Amortisation der Anlagen verkürzt. Wir sprechen hier von bis zu vier Jahren.

Wie hoch ist das Einsparpotenzial genau?

Durch die Volatilität auf den Strommärkten in den letzten eineinhalb Jahren konnte ein Prosumer mit Wärmepumpe, Elektrofahrzeug und PV-Batterie über 1000 Euro pro Jahr gegenüber der Einspeisevergütung einsparen, wenn er in die Direktvermarktung ging. Derzeit sind es immer noch knapp 800 Euro pro Kunde.

Sie schlüsseln die Verbräuche in einem Viertelstunden-Takt auf. Das können andere Anbieter auch. Was ist bei Ihnen das Besondere?

Wir stellen unseren Partnern eine sogenannte Billing-Funktion zur Verfügung. Kunden, die diese Hardware gekauft haben, sehen dann ganz genau, welche Lasten verschoben wurden und zu welchem Marktpreis dies erfolgte. Das ist der Unterschied zu allen Lösungen, die der Markt gerade bietet. Wenn ein Hersteller eine ähnliche Lösung möchte, bräuchte er mindestens drei bis vier verschiedene Partner, um das Vorhaben umzusetzen. Wir kooperieren mit allen Installateuren. Außerdem sind wir auf der Handelsseite offen. Derzeit handeln wir über unseren Mutterkonzern Lichtblick. Wir könnten aber auch über andere Unternehmen traden, große Handelshäuser, die über eine Marktanbindung verfügen. Auch bei der Abrechnungsseite sind wir offen. Derzeit haben wir die Lösungen auf Basis des weitverbreiteten powercloud ERP entwickelt. Wenn wir zum Beispiel mit Stadtwerken zusammenarbeiten, können wir auch mit deren Abrechnungssoftwares arbeiten.

An welche Zielgruppe richtet sich die White-Label-Lösung?

Alle Marktakteure – vom Hersteller, Installateur bis hin zum Energieversorger. Voraussetzung ist, dass die Akteure Hardware in einer gewissen Größenordnung verkaufen. Wir sprechen hier von mindestens 1000 bis 2000 Installationen im Monat. Wenn wir mit den Herstellern bessere Standards schaffen, können wir uns perspektivisch auch vorstellen, in das kleinteiligere Segment einzusteigen.

Wie entwickelt sich der Prosumer-Markt aktuell?

Auf der Hardware-Seite läuft es inzwischen ausgezeichnet. In den vergangenen eineinhalb Jahren haben wir einen extremen Engpass erlebt, was die Verfügbarkeit von Komponenten angeht. Vor allem Batteriespeicher und Wechselrichter haben gefehlt. Dieser Engpass hat sich mittlerweile aufgelöst. Die Hardware ist erheblich günstiger geworden und die Intensität des Wettbewerbs hat zugenommen. Auf der anderen Seite ist noch genügend Potenzial vorhanden. ison hat Lichtblick beim zweiten Prosumer-Report unterstützt, wo wir das gesamte Marktpotenzial auf 11 Millionen Dächer beziffern. Davon waren 2022 nur 2 Millionen mit einer PV-Anlage abgedeckt. Der Markt ist aus unserer Sicht wahnsinnig vielversprechend: Denn auch wenn die Strompreise aktuell wieder sinken, haben die vergangenen eineinhalb Jahre doch nochmal gezeigt, dass sich Flexibilitätslösungen rentieren und über einen Zeitraum von fünfzehn bis zwanzig Jahren auch Geld verdienen.

Wo liegen noch Hürden für den Hochlauf?

Wir brauchen mehr Standards in der Steuerung. Die unterschiedlichen HEMS-Anbieter verfahren teilweise nach sehr unterschiedlichen, eigenen Logiken. Auf der Seite der Regulatorik brauchen wir Standards bei Smart-Metern: Verlässliche Installationszeiten und verlässliche Marktprozesse, auf die wir aufsetzen können. Die Installationen mit dynamischen Tarifen werden rasant zunehmen und müssen dann auf Marktseite prozessual abgebildet werden. Auf dieses Marktwachstum sind die wenigsten Netze gerade vorbreitet. Der Prozess für die Direktvermarktung ist aktuell nicht für den Massenmarkt ausgelegt, sondern für große Anlagen und Geschäftskunden. Hier brauchen wir eine entsprechende Regulatorik, welche die Prozesse deutlich vereinfacht und beschleunigt.

Die Fragen stellte Julian Korb.

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