Das Bayernwerk hatte am Donnerstag zur Jahrespressekonferenz per Live-Stream geladen. Großes Thema hierbei war die Umrüstung des Energiesystems auf 100 Prozent regenerativ und klimaneutral. „Die Menschen wünschen sich für morgen und für kommende Generationen eine möglichst CO2-neutrale Zukunft und sie nehmen uns in die Pflicht“ betonte Reimund Gotzel, Bayernwerk-Vorstandsvorsitzender. Und weiter: „Entsprechend machen wir die Gestaltung eines CO2-neutralen Energiesystems zum Fixpunkt unserer künftigen unternehmerischen Ausrichtung. Das ist unser Antrieb für neue Entwicklungen und unternehmerisches Wachstum.“
So will der Verteilnetzbetreiber bis spätestens 2030 klimaneutral sein. Ein Anfang hierfür ist die Elektrifizierung der 1500 Fuhrparkfahrzeuge. Im Netz der Regensburger sieht es unterdessen bereits ziemlich „grün“ aus. 70 Prozent Erneuerbare fließen durch die Leitungen des Energieunternehmens. Die 300 000 PV-Anlage wird demnächst ans Netz gehen. Da die voranschreitende Energiewende allerdings auch mit einer wachsenden Dezentralität der Energieerzeugung einhergeht, müssen Erzeugungsanlagen und Verbraucher, sowie Prosumer noch stärker miteinander vernetzt werden.
60 Prozent der Bayern könnten in Regionen mit Erzeugungsüberschuss leben
Für das Bayernwerk ist das auch eine Frage der Zusammenarbeit zwischen Stadt und Land, denn die Verbraucher leben geballt im urbanen Raum, während die Erzeugung von Wind- und Solarstrom aufgrund des Platzes überwiegend im ländlichen Raum stattfindet. Wenn regenerative Erzeugung die Basis unseres Energiesystems sein soll, dann müssen wir die regenerativen Energiequellen auf dem Land bündeln und mit nahegelegenen städtischen Räumen optimal vernetzen“, erläuterte Egon Westphal, technischer Vorstand des Bayernwerks.
Laut einer Studie des Bayernwerks leben im Jahr 2030 bilanziell über 60 Prozent der Bayern in Gebieten mit einem Erzeugungsüberschuss. Im Lastzentrum – also in städtischen Regionen - wohnt und arbeitet vermehrt der Kunde, der nicht nur Strom bezieht, sondern diesen auch selbst erzeugt und mit seinen Ladestationen, Speichern und Wärmepumpen flexibel bereitstellen kann.
Verteilnetz muss zur digitalen Vernetzungsplattform werden
„Bayern wird in Zukunft zu einer energetischen Blumenwiese, in der sich Kunden je nach individuellen Bedürfnissen mit ihrer heimischen Energie versorgen können. Jede Stadt wird von den umliegenden Gebieten abhängig sein, wie ein Blütenkelch von seinen Blütenblättern. Aus dem Bild heraus haben wir dieses Konzept auch „Flower-Power“ getauft“, so Westphal. Die Vorteile des Konzepts seien gravierend. Die Erhöhung des lokalen Nutzungsgrades Erneuerbarer Energie und kürzere Verteilstrecken führen zu einer Verbesserung der CO2-Bilanz. Zudem erhöhe die Schaffung lokaler Energiesysteme die Wertschöpfung vor Ort.
Das Verteilnetz wird laut Egon Westphal mit „Flower-Power“ zur digitalisierten Vernetzungs-Plattform der Energiewende. „Bereits heute finden sich mehr als 160.000 Wärmepumpen, Direkt- und Speicherheizungen, 30.000 Kleinspeicher und 1.600 Ladepunkte im Bayernwerk-Netz. In 2030 erwarten wir in Bayern rund zwei Millionen elektrische PKW, 660.000 Wärmepumpen und etwa 380.000 Kleinspeicher“, betonte der Technikvorstand.
Emobilität im Fokus
Um die Vernetzung zwischen Mobilität und Stromnetz auf den Weg zu bringen, arbeite das Bayernwerk aktuell in unterschiedlichen Forschungsprojekten unter anderem intensiv mit der bayerischen Automobilindustrie zusammen.
Egon Westphal: „Die Perspektiven und Anwendungsmöglichkeiten sind spannend. Schon heute weisen Elektroautos Batteriekapazitäten von rund 40 kWh in der Kompaktklasse und bis zu 100 kWh bei Premiumfahrzeugen auf. Ein 4-Personen-Haushalt ohne besondere elektrische Anwendungen hat einen mittleren elektrischen Energiebedarf von rund zehn kWh pro Tag. Ein Elektroauto wäre also in der Lage, einen 4-Personen-Haushalt mehrere Tage mit elektrischer Energie zu versorgen. Zudem kann die Energie an jedem Ort bereitgestellt werden, den das Fahrzeug erreichen kann.“ (lm)



