Bild: © birgitH/Pixelio

Allein aus ausstehenden Bonuszahlungen soll der insolvente Energiediscounter Bayerische Energieversorgung (BEV) Verbindlichkeiten in Höhe von 29,5 Mio. Euro angehäuft haben, hinzukommen nicht ausgezahlte Kunden-Guthaben von etwa 50 Mio. Euro. Die Zahlen stammen aus dem Insolvenzantrag und müssen jetzt noch verifiziert werden, erklärte der vorläufige Insolvenzverwalter Axel Bierbach im Interview mit dem Handelsblatt. Das Unternehmen hatte Ende Januar Insolvenz angemeldet, zuvor hatte es mit massiven Preiserhöhungen bereits einen Proteststurm bei seinen Kunden provoziert.

Die Wahrscheinlichkeit, dass die Kunden ihr Geld wiederbekommen, taxiert Bierbach als gering ein. Die exakte Gläubigerzahl ist noch unklar, im Insolvenzantrag der BEV ist von 250.000 Haushalten die Rede. Neben Bonusleistungen und Abschlagszahlungen geht es bei den Forderungen auch um Vorleistungen aus Daueraufträgen, die in Unkenntnis des laufenden Insolvenzverfahrens auch im Februar ausgeführt worden waren.

200.000 Kündigungen im Dezember

Die BEV hatte im Dezember vergangenen Jahres noch 645.000 Kunden, aufgrund der massiven Preiserhöhungen hatten aber rund 200.000 bereits bis Ende vergangenen Jahres ihren Vertrag gekündigt. Ende Januar verzeichnete das Unternehmen laut dem vorläufigen Insolvenzverwalter somit noch rund 345.000 Kunden. Zu den Gläubigern gehören auch 800 Lokalnetzbetreiber sowie die Übertragungsnetzbetreiber Amprion, Tennet, TransnetBW und 50Hertz. Wie hoch die ausstehenden Zahlungen der BEV an die Netzbetreiber genau sind, ist noch offen. "Auch hier gehen wir aber von mehreren Millionen aus", so Bierbach.

Lichtblick offeriert Wechsel zu Sonderkonditionen

Insgesamt müssen noch 600.000 Kundenabrechnungen bearbeitet werden. Durch die BEV-Pleite sind die Kunden des Energiediscounters in die Ersatzversorgung gerutscht. "Im Interesse einer guten Versorgung der Kunden der BEV" hat der vorläufige Insolvenzverwalter eine Kooperationsvereinbarung mit dem Ökostromanbieter Lichtblick geschlossen. Betroffene, die zu Lichtblick wechseln, zahlen ein halbes Jahr keine Grundgebühr, es handle sich um ein rein freiwilliges Angebot, heißt es. Man habe sich unter mehreren Interessenten für Lichtblick entschieden, weil "das Unternehmen bereits Erfahrung mit der Kundenübernahme in ähnlichen Fällen" habe. (hoe)

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