Andreas Thorsheim ist CEO und Gründer des norwegischen Solar-Start-ups Otovo.

Andreas Thorsheim ist CEO und Gründer des norwegischen Solar-Start-ups Otovo.

Bild: © Otovo

Herr Thorsheim, Sie prognostizieren, dass die Energiepreise 2024 um etwa 25 Prozent ansteigen werden. Wie kommen Sie zu dieser Einschätzung?

Auch wenn die Gaspreise im Sommer 2023 kurzzeitig auf dem niedrigsten Stand seit zwei Jahren waren und viele Verbraucher:innen glaubten, aufatmen zu können, war dies nur eine kurze Atempause. Störungen bei LNG-Importen, Gaspipelines und zunehmende Konflikte scheinen den Trend umgekehrt zu haben. Die jüngsten tragischen Entwicklungen im Nahen Osten werden die Versorgung mit fossilen Brennstoffen noch unberechenbarer machen. Nach der Reform des Strommarktes durch die Europäische Kommission dürfte die Variabilität für Verbraucher:innen geringer sein, was jedoch nicht bedeutet, dass die Preise im Durchschnitt sinken werden. Da die Inputpreise steigen und die Netzkosten zunehmen, werden die Strompreise für die Verbraucher im Jahr 2024 wahrscheinlich in allen europäischen Märkten nach oben tendieren. Im Vergleich zum Jahresdurchschnitt 2023 werden die Strompreise für Privathaushalte in Deutschland voraussichtlich um circa 25 Prozent steigen.

Zudem haben politische Entscheidungen und die Regulierung im Energiebereich einen erheblichen Einfluss auf die Strompreise. In Deutschland ist die Aussicht auf Subventionen für Strompreise aktuell nicht besonders gut. Zudem haben wir bereits bei der Strompreisbremse gesehen, dass die Energiezulieferer diese vor allem zu ihren eigenen Gunsten genutzt haben.

Beim Ausbau von Solaranlagen gehen Sie von weiterhin sinkenden Preisen aus. Was sind hierfür die Gründe?

Die Kombination aus steigenden Energiepreisen und rapide sinkenden Kosten für den Bau von Solaranlagen macht den Kauf von PV-Anlagen für die Verbraucher:innen attraktiver denn je. Seit Februar 2023 haben wir eine überraschend starke Rückentwicklung der Arbeitskosten auf das Vorkrisenniveau beobachtet, und wir gehen davon aus, dass diese Entwicklung auch im Jahr 2024 anhalten wird. Außerdem werden die Preise für Solarmodule einen historischen Tiefstand erreichen.

Ende 2023 lagen in Europa laut Untersuchungen der norwegischen Unternehmensberatung Rystand Energy rund 80 GW an Modulen in den Lagern, was dem Wert der Installationen der letzten zwei Jahre auf dem gesamten Kontinent entspricht. Die Preise haben dieses Ungleichgewicht berücksichtigt, und es wird erwartet, dass die Preise für Panele Anfang 2024 einen historischen Tiefstand erreichen werden, bevor sie sich im Laufe des Jahres wieder erholen, wenn Angebot und Nachfrage sich ausgleichen. Wir erwarten, dass die Kosten für den Bau von Solarmodulen vom ersten Quartal 2023 bis zum ersten Quartal 2024 um mindestens 50 Prozent sinken werden und danach um etwa 1 Prozent pro Monat zurückgehen. Es gab noch nie einen besseren Zeitpunkt für Haushalte, in Solaranlagen zu investieren.

Auch, was die Ausbauzahlen von Wärmepumpen angeht, sind Sie optimistisch. Zuletzt brach der Absatz in Deutschland stark ein, vermutlich auch aufgrund der Diskussion um den "Heizhammer" der Bundesregierung. Glauben Sie, dass die Absatzzahlen in Deutschland wieder stark ansteigen?

2024 wird das Jahr sein, in dem sich die "grünen" Technologien einander annähern. Das bedeutet eine große Veränderung der derzeitigen Situation, in der die Regierungen bisher hauptsächlich eine "Lieblingstechnologie" subventioniert haben. In Norwegen beispielsweise sind 70 Prozent der Haushalte mit Wärmepumpen ausgestattet, und die fossilen Brennstoffe sind fast vollständig verschwunden – aber die PV-Durchdringung liegt bei nur 1 Prozent.

In den Niederlanden hat hingegen bereits jeder vierte Haushalt eine Solaranlage, aber kaum jemand hat ein Batteriespeichersystem. Im Jahr 2024 wird das Bewusstsein der Verbraucher:innen für den großen Mehrwert der Kombination grüner Technologien in ihren Haushalten zunehmen. Wir gehen davon aus, dass es im Jahr 2024 europaweit insgesamt 6 Mio. Green-Tech-Installationen – 2 Mio. Solaranlagen, 1 Mio. Wärmepumpen, 0,5 Mio. Batterien und 2,5 Mio. Elektroautos – geben wird, die dank intelligenter Energiemanagementsysteme zusammenarbeiten werden. Wenn die Regierungen jetzt entsprechend reagieren, können die Privathaushalte die Arbeit erledigen, um die grünen Ziele Europas zu erreichen.

Inwiefern unterscheidet sich der Markt für Wärmepumpen in Deutschland von dem in anderen europäischen Ländern?

Nur 4 Prozent aller Haushalte in Deutschland verfügen über eine Wärmepumpe. In Norwegen ist die Wärmepumpe bereits deutlich etablierter. Hier nutzen 70 Prozent der Haushalte Wärmepumpen als Hauptquelle für Heizung. Diese hohe Verbreitung resultiert aus der frühzeitigen Einführung dieser Technologie, staatlicher Förderung und den hohen Kosten für fossile Brennstoffe. In Schweden, wo bereits seit den 1970er Jahren 50 Prozent der Haushalte Wärmepumpen verwenden, ist dies auf eine zuverlässige Stromversorgung und die Implementierung von Kohlenstoffsteuern zurückzuführen. In Frankreich, wo 12 Prozent der Haushalte Wärmepumpen nutzen, werden finanzielle Anreize wie eine reduzierte Mehrwertsteuer und zinslose Darlehen für Wärmepumpenanlagen angeboten. Diese Maßnahmen sollen die Nutzung umweltfreundlicher Heizsysteme fördern und einen Beitrag zur Reduzierung der CO2-Emissionen leisten.

Die Fragen stellte Julian Korb.

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