Herr Unger, Sie warnen in einem Interview, dass sich die Bevölkerung besser auf Blackouts einstellen muss. Gibt es konkrete Hinweise, dass die Gefahr hier größer geworden ist?
Die Stromversorgung in Deutschland ist sehr sicher. So lag die durchschnittliche Versorgungsunterbrechung je angeschlossenem Letztverbraucher 2018 bei etwa 15 Minuten. Dennoch sind großräumige und langandauernde Stromausfälle möglich und müssen aufgrund der weitreichenden und katastrophalen Folgen in Rahmen der Notfallplanung als plausibles Szenario berücksichtigt werden. Der Bericht des Ausschusses für Bildung, Forschung und Technikfolgenabschätzung beim Deutschen Bundestag aus 2011 hat die Folgen eines großräumigen und langandauernden Stromausfalls untersuchen lassen und im Bericht „Gefährdung und Verletzlichkeit moderner Gesellschaften – am Beispiel eines großräumigen und langandauernden Ausfalls der Stromversorgung“ veröffentlicht. In unserem „Ratgeber für Notfallvorsorge und richtiges Handeln in Notsituationen“ geben wir unter anderem Empfehlungen für die Bevölkerung zum richtigen Verhalten bei einem Ausfall der Energieversorgung.
Inwiefern ist der Klimawandel eine Bedrohung für die Versorgungssicherheit mit Strom?
Es ist davon auszugehen, dass der Klimawandel das Auftreten extremer Wetterereignisse beeinflusst. Dass er sich in einer Zunahme von heißen Tagen bemerkbar macht, weiß man zum Beispiel bereits mit ziemlicher Sicherheit. Es obliegt den Betreibern Kritischer Infrastrukturen, die Gefahren durch extreme Wetterereignisse im Rahmen ihrer Risikoanalysen zu berücksichtigen und Vorkehrungen für den sicheren Betrieb ihrer Infrastrukturen zu treffen. Die Auswirkungen des Klimawandels auf unterschiedliche Gesellschaftsbereiche werden im Rahmen der Umsetzung der Deutschen Anpassungsstrategie an den Klimawandel laufend untersucht. Das BBK hat beispielsweise zur weiteren Sensibilisierung von Wasserversorgungsunternehmen und Behörden für die Versorgungssicherheit eine Handlungsempfehlung zur Sicherheit der Trinkwasserversorgung – Teil I: Risikoanalyse – veröffentlicht. Teil II zum Thema Notfallvorsorgeplanung befindet sich derzeit im Druck.
Welche Maßnahmen wären hier notwendig, um Blackout-Situationen zu verhindern?
Mit dem Monitoring-Bericht, herausgegeben von der Bundesnetzagentur und dem Bundeskartellamt, und dem Netzentwicklungsplan, erstellt von den Übertragungsnetzbetreibern, stehen belastbare Grundlagen zur Verfügung, aus denen die erforderlichen Maßnahmen für eine auch zukünftig sichere Energieversorgung abgeleitet werden. Vorbereitet zu sein auf eine Störung in der Energieversorgung, ist ein zentrales Element der Notfallvorsorge von privaten Haushalten wie auch von Versorgungsunternehmen. Das BBK unterstützt die Akteure mit Fachinformationen, Ausbildung und Ausstattung und aktiver Teilnahme in Fachgruppen wie beispielsweise dem UP KRITIS zum Schutz Kritischer Infrastrukturen.
Die Fragen stellte Stephanie Gust



