Im vergangenen Herbst haben die Stadtwerke Düren mit dem Vertrieb eines eigenen, digitalen Prepaid-Strom-Produkts begonnen. Die Lösung wird von einer hundertprozentigen Tochter, dem Start-up "EnergieRevolte" angeboten. Aktuell hat das Unternehmen einige hundert Kunden unter Vertrag. Bis zum Herbst sollen auch andere Stadtwerke das Angebot als White-Label-Lösung nutzen können, hierzu ist in den nächsten Monaten ein Pilotprojekt geplant, sagt EnergieRevolte-Geschäftsführer André Jumpertz auf ZfK-Anfrage.
Bisher war die Hauptzielgruppe Menschen mit Zahlungsschwierigkeiten, das Produkt adressierte also vor allem das Thema Energiearmut. Ziel sei es, das Produkt jetzt in einem nächsten Schritt auch auf neue Zielgruppen, beispielsweise Studenten, weiterzuentwickeln, so Jumpertz. Und so funktioniert es: Über eine App kann der Kunde sein Stromguthaben im Voraus kaufen. Dieses wird an den eigens dafür entwickelten digitalen Zähler weitergeleitet. Über die App kann der Kunde sich zudem jederzeit über seinen Verbrauch, die Kosten und das Restguthaben informieren.
"Oft springen Dritte für die Betroffenen ein"
"Wir erhalten sehr viel Zuspruch von den Sozialverbänden, Prepaidstrom bietet eine Hilfe beim Umgang mit Stromkosten an«, erklärt Jumpertz. Die Wahrscheinlichkeit, dass der Kunde nicht zahlen könne und keinen Strom mehr bekomme sei sehr gering. »Sehr oft springen auch Dritte für die Betroffenen ein und zahlen das Guthaben, respektive nutzen die Möglichkeit auch dafür, kleine Beträge ab fünf Euro nachzukaufen."
Vielen Kunden stünden allerdings nicht mehr alle Zahlungswege offen. "Eine sehr gute Lösung wäre für uns deshalb das Barzahlen", bekräftigt der EnergieRevolte-Chef. Derzeit stünden Paypal, Lastschrift, Kredikarte oder Überweisung als Zahlungsoptionen zur Verfügung. Angeboten werden aktuell Zweijahresverträge auf der Basis des Grundversorgertarifs. Der Startpreis liegt etwas darüber, je nach der Höhe der aufgeladenen Summe sind aber deutliche Preisnachlässe möglich.
Herausfordernde Integration der Prozesse
Die "EnergieRevolte" sei mit einer frühen Lösung in den Markt gestartet, so Jumpertz. Mittlerweile habe man sehr viel Erfahrung gesammelt und beherrsche die neuen Prozesse. Das Start-up sei bei der Lösung sowohl Lieferant als auch Messstellenbetreiber. Die Herausforderung bei der Entwicklung und Optimierung des Angebots sei nur zu 40 Prozent technischer Natur. Deutlich schwieriger sei die Integration der sehr unterschiedlichen Prozesse von der Zählerbereitstellung über die Abrechnung bis hin zum Kundenservice gewesen. (hoe)
---------------
Mehr über die Prepaid-Lösung und andere neue Geschäftsmodelle im Vertrieb lesen in der Aprilausgabe der ZfK, die am Montag erscheint.



