Eine möglichst flächenschonende und flächeneffiziente Nutzung wird auch beim geplanten massiven Ausbau der Photovoltaik und anderer erneuerbarer Energien immer wichtiger. So stoßen auch Solarparks teils auf Widerstand, vor allem wenn es um die Inanspruchnahme landwirtschaftlicher Flächen geht.
Die Agri-Photovoltaik (Agri-PV) mit ihrer gleichzeitigen Nutzung von Flächen für die landwirtschaftliche Produktion sowie die Solarstromerzeugung bietet sich hier als Alternative an.
Auch Schutz vor Dürreschäden - parteiübergreifende Unterstützung
Zudem kann sie gerade in Zeiten des Klimawandels einen wichtigen Zusatznutzen für die Landwirtschaft bringen, beispielsweise durch einen verbesserten Schutz vor Dürreschäden aufgrund der Teilverschattung durch die Module. Jedenfalls brechen mittlerweile parteiübergreifend Politiker wie der baden-württembergische Landwirtschaftsminister Peter Hauk (CDU) oder Umweltminister Franz Untersteller (Grüne) eine Lanze für die Agri-PV.
Anfang Dezember verabschiedete der Landwirtschaftsausschuss des baden-württembergischen Landtags mehrheitlich einen Entschließungsantrag, der die Landesregierung verpflichtet, die Agri-PV auf Landesebene, im Bund und in der EU voranzubringen.
Agri-PV deutlich teurer als Solarparks
Denn trotz ihres hohen Potentials hat die innovative Technik mit etlichen Hürden zu kämpfen. So haben Agri-PV-Anlagen aufgrund ihrer speziellen Anforderungen, insbesondere bei der Aufständerung der Module, höhere Investitionskosten gegenüber herkömmlichen Freiflächen-PV-Anlagen.
Laut Angaben des Fraunhofer-Instituts für Solare Energiesysteme ISE liegen die Stromgestehungskosten der Agri-PV mit derzeit durchschnittlich 9 Cent pro Kilowattstunde (kWh) noch deutlich über denen größerer Solarparks mit durchschnittlichen Stromgestehungskosten von 4-6 Cent/kWh.
Bisher keine Förderung über EEG und keine Agrarzahlungen
Zudem stellt sich das Problem, dass Agri-PV Anlagen zumindest nach dem bisherigen Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) meist keine Förderung erhielten. Denn meist sind sie zu klein, um an Ausschreibungen für Solarparks teilzunehmen und zudem befinden sie sich oft nicht in landwirtschaftlich benachteiligten Gebieten oder auf Konversionsstreifen, was eine weitere Voraussetzung hierfür ist.
Auch bekommen Landwirte, die auf Agri-PV setzen wie die Demeter-Hofgemeinschaft Heggelbach (Landkreis Sigmaringen) für diese Flächen keine Agrarsubventionen mehr. Dazu kommt eine aufwendige baurechtliche Zulassung, weil Agri-PV-Anlagen nicht explizit als privilegierte Vorhaben im Außenbereich gelten und zudem häufig als Eingriff in den Naturhaushalt bewertet werden.
Baurechtliche Privilegierung und Anpassung Flächenkulisse
"Eine baurechtliche Privilegierung von Agri-Photovoltaikanlagen würde eine planungsrechtliche Hürde herabsetzen und daher förderlich für deren Ausbau sein" sagt Matthias Schmid, Sprecher des baden-württembergischen Umweltministeriums.
Zudem sei eine Anpassung der EEG-Flächenkulisse für die Agri-PV unabdingbar sowie separate Ausschreibungen, damit Agri-PV-Anlagen zumindest nicht am Anfang mit der Freiflächen-Photovoltaik konkurrieren müssen, argumentiert auch Andreas Bett, Leiter des Fraunhofer-ISE.
Innovationsausschreibungen im neuen EEG verankert
Doch nun kommt Licht am Ende des Tunnels. Denn im Rahmen des novellierten EEG 2021 sind Innovationsausschreibungen für die "besonderen Solaranlagen" wie Agri-, schwimmende Solaranlagen und Parkplatz-PV vorgesehen, für welche zugleich die Flächenkulisse geöffnet werden soll (§ 37 EEG).
"Das ist wenigstens ein Anfang, um beispielsweise mit Agri-PV die Erzeugung von Sonnenstrom sowie Obst und Gemüse auf der gleichen Fläche verlässlich und in größerem Maßstab zu ermöglichen", so Umweltminister Untersteller. Auch laut Einschätzung des Fraunhofer ISE sind die Innovationsausschreibungen ein wichtiger Schritt, um die Agri-PV nach vorne zu bringen. Allerdings sei eine nötige Ausweitung der Flächenkulisse auf landwirtschaftlichen Flächen.
Hohes Potenzial beim Anbau von Sonderkulturen
Die größten Potenziale für die Agri-PV in Baden-Württemberg sehen Fraunhofer ISE und das Umweltministerium "aufgrund von Synergieeffekten" beim Anbau von Sonderkulturen wie Obst, Wein oder Gemüse.
Denn sie können durch die Solarmodule gleichzeitig vor Witterungseinflüssen geschützt werden und beispielsweise teure Hagelschutznetze oder Folientunnel ersetzen. Hier setzt auch ein neues Forschungsvorhaben der Stuttgarter Landesregierung an.
Neues Forschungsvorhaben zur Agri-PV
Aktuell wird vom Fraunhofer ISE eine Durchführungsstudie zur Agri-PV erstellt. Hierbei sollen gemeinsam mit fünf landwirtschaftlichen Landesanstalten in Baden-Württemberg und der Universität Hohenheim geeignete Standorte mit dem Schwerpunkt auf Sonderkulturen für pilothafte Agrar-PV-Anlagen identifiziert werden.
Ziel ist es, Anwendungsgebiete und die zugehörigen Forschungsfragen für ein abgestimmtes Forschungskonzept in Baden-Württemberg auszuarbeiten. Die Studie soll bis zum 30. April 2021 abgeschlossen. (hcn)



