Je näher der Winter rückt, desto geringer dürfte das monatliche Defizit wieder ausfallen.

Je näher der Winter rückt, desto geringer dürfte das monatliche Defizit wieder ausfallen.

Bild: © Peter Byrne/PA/Wyre/dpa

Das EEG-Guthaben schmilzt weiter deutlich. Im August überstiegen die Ausgaben der vier deutschen Übertragungsnetzbetreiber die Einnahmen um 1,85 Milliarden Euro. Damit wurde fast der Rekordwert aus dem Juli erreicht. Damals betrug das Defizit rund 1,90 Milliarden Euro. Die Zahlen sind auf der Betreiberplattform Netztransparenz einsehbar.

Insgesamt lagen Ende August rund 6,5 Milliarden Euro auf dem Konto. Das sind fast zwei Drittel weniger als im Sommer des Vorjahres, als die Vermarktungseinnahmen infolge einer historischen Strompreisrallye noch sprudelten. In der Spitze lagen Ende Juli 17,4 Milliarden Euro auf dem Konto.

Amprion nennt zwei Gründe

Im Sommer dieses Jahres schrumpfte das EEG-Guthaben dagegen deutlich. Hatte das Minus im Januar und Februar zusammen rund 0,1 Milliarden Euro betragen, stieg das monatliche Defizit danach rapide. Im April waren es 0,9 Milliarden Euro, im Juni dann schon 1,6 Milliarden. Insgesamt betrugen die Mehrausgaben in den Sommermonaten Juni, Juli und August rund 5,3 Milliarden Euro.

Der Übertragungsnetzbetreiber Amprion verwies auf ZfK-Anfrage auf zwei Faktoren. Erstens bestehe eine Differenz zwischen den tatsächlichen Day-Ahead-Preisen und den im Sommer 2022 zugrundegelegten Planpreisen, als allgemein noch ein höheres Preisniveau vermutet wurde. Das führe mit jedem weiteren Monat zu weiteren Mindereinnahmen aus der Vermarktung des EEG-Stroms sowie zu Mehrausgaben für Marktprämienzahlungen an Anlagenbetreiber.

Sonderfall Solaranlagen

Zweitens nehme die Einspeisung aus Solaranlagen im zweiten und dritten Quartal gegenüber dem ersten Quartal deutlich zu. "Da diese Anlagen im Vergleich zu den anderen Energieträgern überdurchschnittlich hohe anzulegende Werte aufweisen, führt das zu überdurchschnittlich hohen Vergütungs- und Marktprämienzahlungen an Anlagenbetreiber in den entsprechenden Quartalen", erläuterte ein Amprion-Sprecher.

Tatsächlich stellten Solaranlagen diesen Juni in Deutschland nach Angaben der Fraunhofer-Plattform Energy-Charts einen neuen Monatsrekord auf. Auch im Juli und August fielen die Solareinspeiseraten trotz durchwachsenen Wetters überdurchschnittlich hoch aus.

Guthaben dürfte für 2023 reichen

Preisdämpfend wirkte zudem, dass der Stromverbrauch in Deutschland im Vergleich zum Vorjahr spürbar zurückgegangen ist. Experten führen dies auf die noch immer hohen Energiekosten und die schwächelnde Konjunktur zurück.

Je näher der Winter rückt, desto kleiner dürfte nun der Solaranteil am deutschen Strommix wieder werden. Und desto geringer könnten die EEG-Ausgaben ausfallen. "Nach aktueller Einschätzung der Übertragungsnetzbetreiber dürfte das derzeit vorhandene Guthaben auf dem EEG-Konto für das Jahr 2023 ausreichen", schrieb der Amprion-Sprecher.

Zuschüsse aus Bund

Nach aktuellem Stand gilt als wahrscheinlich, dass die Übertragungsnetzbetreiber für das Folgejahr dann wieder Zuschüsse vom Bund erhalten werden, um das EEG-Konto nicht überziehen zu müssen. (aba)

Mehr zum Thema EEG-Guthaben sowie zu anderen Marktthemen finden Sie in der neuen ZfK-Printausgabe, die am Montag, 11. September, erschienen ist, auf Seite 26.

Info: Täglich aktualisierte Energiemarktdaten und -grafiken finden Sie hier im ZfK-Datenraum, der in Kooperation mit dem Berliner Datenspezialisten Energy Brainpool befüllt wird.

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