Alexander Schießl ist Mitgründer, Geschäftsführer und Mitgesellschafter des Onlinemarktplatz-Betreibers Eless GmbH aus Augsburg.

Alexander Schießl ist Mitgründer, Geschäftsführer und Mitgesellschafter des Onlinemarktplatz-Betreibers Eless GmbH aus Augsburg.

Bild: © Eless

Der Einkäufer des leistungsgemessenen (rLM-)Gewerbebetriebs mit bis zu 10, 15 GWh Strombedarf pro Jahr macht auf Eless den entscheidenden Klick. Ein paar Sekunden später, künftig binnen Sekundenbruchteilen, hat er genau zehn konkurrierende Angebote für den ausgerollten Lastgang. Sofern er vorher zehn konkrete Anbieter ausgewählt hat. Die kann er sich nämlich aussuchen, unter bisher 25 kleinen und großen Namen, darunter:

  • EnBW und separat ihre Tochter Energiedienst
  • Engie
  • Enercity aus Hannover
  • Mainova aus Frankfurt am Main
  • die Rhenag aus Köln und Siegburg
  • die Stadtwerke Amberg, Düsseldorf, Jena-Pößneck und Tübingen
  • Kommunalversorger aus Dessau, Gera (EGG), Ratzeburg (VS) und Kitzingen (LKW)
  • Erdgas Schwaben
  • Enovos und separat ihre Beteiligung Energie Saarlorlux
  • Nexus Energie
  • Westfalengas.

Der Angebotspreis wird automatisch berechnet

Der Gewerbekunde entscheidet sich dann für eines der Angebote, der Stromversorger bekommt eine digitale Nachricht, er möge sich aus diesem Grund in sein Backend einbuchen, und hat dann 48 Stunden Zeit, den Abschluss abzulehnen. "Das ist aber noch nicht vorgekommen", sagt Mitgründer und geschäftsführender Gesellschafter Alexander Schießl.

Warum sollte der Versorger auch? Er hat längst vorher seinen Margen-Algorithmus und seine Price-Forward-Curve im Verhältnis zum Day-ahead-Settlementpreis aus einer Auswahl kalibriert. Will er an dem Abschlusspreis noch händisch etwas nach unten retuschieren, geht das auch noch.

Abschluss nach wenigen bis maximal 48 Stunden

Der Gewerbekunde hat in der Regel nach wenigen Stunden, maximal nach zwei Tagen durch wenige Klicks seine Stromversorgung tagscharf gesichert, mit einem ausgerollten Lastgang, mit oder ohne Toleranzband und bei Versorgern, denen er vertraut.

Der volldigitale Geschäftsprozess ersetzt ein halbdigitales Mailing an ein Dutzend Key-Accounter verschiedener Versorger, die dann alle händisch aus ihren eigenen Kalkulationssystemen bis zu einem Dutzend Angebote zurückmailten, wo doch nur einer den Zuschlag bekommen konnte. Das ist angesichts gesunkener Vertriebsmargen kaum mehr bezahlbar.

100 Prozent eigenfinanziert

Das Start-up Eless gibt es erst seit gut anderthalb Jahren. Drei Gesellschafter haben 400 000 Euro Eigenkapital hineingesteckt. Unter diesen ist auch Alleingeschäftsführer Alexander Schießl (24). Dazu kamen noch 300 000 Euro aus einer Crowdfunding-Kampagne. Schießl will mit seinem Team eigenfinanziert wachsen. Er kommt aus der Branche, er war Vertriebler bei der Firma "Richtigstrom", die jetzt ebenfalls auf seiner Plattform ist.

Pilotkunde stellt komplett auf Eless um

Die volldigitale Plattform Eless ersetzt auch ein eigenes Customer-Relationship-Management(CRM)-System  und soll künftig an gängige Enterprise-Resource-Management(ERP)-Systeme angebunden werden. Sie ist erst seit Januar scharfgeschaltet, hat aber bisher 25 Stromversorger bewogen, sich einzutragen.

Darunter auch die EnBW, die 2016 ihren Geschäftskundenvertrieb aufgegeben hatte. Über die Hintergründe weiß Schießl nichts. Aber offenbar testen die Badener eine Rückkehr zu niedrigeren Fixkosten als im klassischen Key-Account-Management aus. Ein ungenannter Pilotkunde von Eless aus NRW stellt zudem sein Großkundengeschäft samt Kalkulationstool komplett auf Eless um, im September kommen weitere hinzu, kündigt Schießl an. Er vertreibt Eless auch als White Label an Energieversorger.

Jetzt auch SLP-Gewerbekunden

Am Dienstag kamen nun Gewerbekunden ohne Leistungsmessung dazu. Wegen eines Stromverbrauchs unter 100 000 kWh pro Jahr werden sie mit Standardlastprofilen (SLP) bilanziert. Gas soll auch noch ergänzt werden. Ins Kommunalgeschäft will Eless dereinst auch einsteigen. (geo)

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