Der Probebetrieb der Stromleitung Nordlink zwischen Deutschland und Norwegen steht kurz vor dem Ende. "Wir haben keine größeren Probleme festgestellt", sagte der Geschäftsführer des deutschen Netzbetreibers Tennet, Tim Meyerjürgens, am Montag. "Wir mussten lediglich ein paar Einstellungen justieren."
Die 623 Kilometer lange Stromautobahn verbindet seit drei Monaten die Strommärkte Norwegens und Deutschlands. Im regulären Betrieb profitieren Kunden in Norwegen und Deutschland von der neuen Leitung, so Tennet. Sind die Strompreise in Deutschland hoch, könne über Nordlink Energie aus norwegischer Wasserkraft importiert werden.
Über 500 Kilometer Seekabel
Dies gelte besonders für Zeiten, in denen der Zustrom in die Wasserreservoirs hoch sei. In Trockenzeiten wiederum könne Norwegen Strom aus deutschen Wind- und Solarenergieüberschüssen importieren. Die Trasse verläuft über 516 Kilometer als Seekabel durchs Wattenmeer und am Grund der Nordsee.
Sie gilt weltweit als eine der längsten Verbindungen dieser Art. Auf deutscher Seite erreicht das Seekabel das Festland nördlich von Büsum. Von dort geht es als 54 Kilometer langes Erdkabel weiter. In Nortorf bei Wilster im Kreis Steinburg befindet sich eine der beiden sogenannten Konverterstationen.
Kapazität von 1400 MW
Die andere Station liegt im norwegischen Tonstad. Sie ist über eine 53 Kilometer lange Hochspannungsfreileitung mit dem Seekabel verbunden. An den Konverterstationen wird der Strom von Gleich- in Wechselstrom umgewandelt beziehungsweise von Wechsel- in Gleichstrom - je nach Marktlage.
"Im Probebetrieb haben wir die Anlage auf Herz und Nieren geprüft und bis an die Grenzen der Leistungsfähigkeit Strom übertragen in beide Richtungen", sagte Meyerjürgens. Das Kabel mit einer Kapazität von 1400 MW kann den Angaben zufolge rechnerisch rund 3,6 Mio. Haushalte mit klimaneutraler Energie versorgen.
Milliardenschweres Projekt
Das entspricht einem großen Teil der Privathaushalte von Hamburg und Schleswig-Holstein. Die offizielle Inbetriebnahme ist für den 27. Mai geplant. Die Kosten der Nordlink-Leitung werden auf knapp zwei Mrd. Euro beziffert. (dpa/jk)



