Auf dem Weg zur Klimaneutralität bis zum Jahr 2050 sind massive Investitionen in grüne Energien und ein erheblicher Ausbau des europäischen Stromnetzes unerlässlich. Insgesamt werden in Europa vier Billionen Euro notwendig sein, um mehr als 90 Prozent der Stromerzeugung über erneuerbare Energien abdecken zu können, heißt es in einer aktuellen Studie der Unternehmensberatung Deloitte.
Die größten Investitionen würden dabei voraussichtlich im Bereich Windkraft und Solarenergie getätigt. Deloitte geht davon aus, dass allein bis 2030 jährlich über 45 Milliarden Euro für Onshore- und vor allem Offshore-Projekte ausgegeben werden müssen. Bis 2050 werden es jährlich 70 Milliarden Euro sein, heißt es weiter. Während für Offshore-Projekte ein jährliches Investitionswachstum von 19 Prozent erwartet werde, liege es bei Onshore-Projekten immerhin bei 12 Prozent.
320.000 Onshore- und Offshore-Turbinen
Ein geringes Investitionswachstum von 10 Prozent erwarten die Deloitte-Experten für Solarenergie. Das entspreche aber immerhin 40 Milliarden Euro jährlich. Da die Installation von Photovoltaikanlagen vergleichsweise günstig sei, könne durch diese Finanzspritze ein größerer Kapazitätszuwachs ermöglicht werden. Konkret bedeutet das: Die Kapazität könnte zwischen 2025 und 2050 sogar verdreifacht werden, sodass künftig der Großteil des Stroms durch Solarenergie erzeugt wird.
Um die Energiewende zu stemmen, brauche es nicht nur finanzielle Ressourcen, sondern auch diverse Rohstoffe, viel Platz und Arbeitskraft sowie die Zustimmung der Bevölkerung, heißt es weiter. So müssten bis 2050 allein für Solarenergie europaweit rund 8000 Quadratkilometer Fläche für neue Anlagen zur Verfügung stehen. Das entspreche der doppelten Fläche der Insel Mallorca. Zusätzlich müssten insgesamt 320.000 Onshore- und Offshore-Turbinen in 8000 Windparks in Europa in Betrieb gesetzt werden.
Perspektive für Erdgas-Technologie mit CCS
Ein europaweiter Wettbewerb begünstige die Entwicklung alternativer Lösungen. Schließlich seien von Biokraftstoffen bis hin zu Wasserstoff verschiedene Komponenten im Strom-Mix möglich, betonen die Experten. Der Erdgas-Technologie mit CCS – die auf der Abspaltung und Einlagerung von CO2 beruht – könne „in einem sehr diversen Strom-Mix eine tragende Rolle“ zukommen.
Für Politik und Energieversorger stelle die Energiewende ein Mammutprojekt dar, das von großer Unsicherheit geprägt sei. „Die europäischen Energieanbieter stehen vor einem Dilemma: Sie müssen langfristige Strategien entwickeln, um die Energiewende effizient und erfolgreich zu meistern. Ob und wie das gelingt, ist aber maßgeblich durch häufig unsichere politische, wirtschaftliche, technologische und soziale Trends bestimmt“, so Thomas Schlaak, Partner im Bereich Power, Utilities & Renewables bei Deloitte. (hil)



