© Birgit H/pixelio.de

Die Unternehmensberatung Enervis Energy Advisors rechnet mit etwas über 60 Euro pro MWh Grundlastpreis für Strom im Jahr 2025 und bis zu fünf Euro mehr 15 Jahre später. Das Strompreisniveau auf Großhandelsebene werde "in den nächsten Jahren mit hoher Wahrscheinlichkeit steigen", schrieb Energieökonom Mirko Schlossarczyk von Enervis in einer Pressemitteilung vom Mittwoch.

Zur Methodik ergänzte Enervis, man habe das "Neue-Politiken-Szenario" des druckfrischen "World Energy Outlook" (WEO) durch das hauseigene europäische Strommarktmodell laufen lassen und mit aktuellen Annahmen ergänzt. Die Internationale Energieagentur hatten den jährlichen WEO Anfang dieser Woche vorgelegt. Darin prognostiziert sie in verschiedenen Szenarien globale und regionale Primärenergie- und CO2-Preise, jedoch keine Strompreise und schon gar nicht länderspezifisch. Dies erledigte jetzt das Berliner Consultingunternehmen für Deutschland. Das Szenario, das sie heranzog, unterstellt, dass alle angekündigten energiepolitischen Ziele und Maßnahmen auch wirklich umgesetzt werden.

Kohleausstieg bis Mitte der 30er "absehbar"

Schlossarczyk argumentiert "insbesondere" mit Fundamentaldaten vor allem auf der nationalen Angebots-, also Erzeugungsseite. Er erwähnt einen "absehbaren" Kohleausstieg bis Mitte der 2030er-Jahre und den längst beschlossenen und teilweise umgesetzten Atomausstieg bis Ende 2022. Diese Kombination "zementiere" den "Trend zu steigenden Strompreisen".

Aber was wäre an "etwas über 60 Euro" pro MWh für Strom-Grundlast 2025 und 60 bis 65 Euro 2040 wirklich eine reale Erhöhung der Großhandelspreise? Schlossarczyk stellte am Donnerstag gegenüber der ZfK klar, dass Jahresdurchschnitte von Stundenpreisen im Day-ahead-Markt gemeint waren. Und dass es sich bei den Prognosewerten um Realpreise von diesem Jahr handelt. Mit ihnen rechnet auch der WEO.

Inflationsbereinigt oder nicht?

Im Day-ahead-Markt liegt der 200-Tage-Durchschnitt seit anderthalb Monaten jedoch bei grob 53 Euro pro MWh, so eine Grafik der Börse Epex Spot. Rechnet man konservativ mit einer Jahresinflation von 2,0 Prozent, wäre er in sieben Jahren 60,88 Euro pro MWh wert. Das wären diese "etwas über 60 Euro" – ohne weitere Fundamentalfaktoren. 2040 wären es sogar fast 82 Euro pro MWh. Oder?

Doch Schlossarczyk meinte Realpreise von 2018. Die prognostizierten 61 bis 65 Euro 2025 als Realpreise von 2018 wären in sieben Jahren nominell gut 70 bis fast 75 Euro. Im Jahr 2040 würden sie nominell bei fast 95 bis gut 100 Euro landen.

Eines ist für Enervis auch klar: Der weiter steigende Anteil der Erneuerbaren im deutschen Strommix werde die Stundenpreise nach dem Atomausstieg stärker schwanken lassen. (geo)

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