Von Artjom Maksimenko
Dank einer hohen Solareinspeisung drehten in der Handelswoche vom 28. April bis zum 2. Mai die Spotpreise für mindestens vier Stunden täglich ins Minus. Genauer genommen zieht sich dieser Trend seit dem 26. April durch und setzte sich bis zum 3. Mai fort.
Während negative Stundenpreise am Wochenende wegen einer geringeren Nachfrage niemanden überraschen, hat eine ganze Handelswoche mit mindestens vier und maximal sieben Stunden im roten Bereich einen Symbolcharakter für die Zukunft. Richtige Ausschläge sind es nicht unbedingt: Die negativen Stundenpreise an der Epex Spot bewegten sich überwiegend bei minus 10 Euro je Megawattstunde. Eine Ausnahme bildete der 1. Mai, wo der Intraday-Stromhandel einen Preis von minus 129,99 Euro/MWh erreichte. Auch für Samstag (3. Mai) wurden laut Epex Spot mehrere Stunden zu negativen Preisen gehandelt.
Laut einer Analyse des Erneuerbaren-Dienstleisters Naturstrom hat es in den ersten vier Monaten dieses Jahres zu bislang 119 Stunden Preise unter null gegeben. Dies sei eine Steigerung im vergleichbaren Vorjahreszeitraum um 45 Prozent. Preisschwankungen nach oben haben im Kurzfristhandel ebenfalls zugenommen. Strompreise über 200 Euro/MWh zwischen Januar und April gab es 2024 nur in einer Stunde. In diesem Jahr sind es bereits 66.
"In dieser Entwicklung stecken bei allen Herausforderungen auch große Chancen, denn sie reizt Investitionen in Batteriespeicher und andere Flexibilitätsoptionen an. Davon können am Ende auch Prosumer-Haushalte profitieren", ordnet Kirsten Nölke, Vorständin der Naturstrom AG, die Zahlen ein.
Indiz für mangelnde Flexibilität bei Erzeugung und Nachfrage
"Nicht nur die – immer noch relativ seltenen – Stunden mit negativen Preisen, sondern generell kurzfristige starke Ausschläge der Strompreise sind vor allem ein Zeichen fehlender Flexibilität sowohl auf der Erzeugungs- als auch auf der Nachfrageseite", sagte Casimir Lorenz, Managing Director Centrale Europe bei Aurora Energy Research, im Interview mit der ZfK.
Noch gebe es aus seiner Sicht nicht genügend Stromerzeuger- und Verbraucher, die ihr Verhalten an den Preissignalen orientieren würden. Den Grund dafür sieht der Experte unter anderem bei den falschen Anreizen, die sowohl auf Erzeugungs- als auch auf Nachfrageseite Einfluss auf die Akteure nehmen und bewirken, "dass sie sich nicht so verhalten, wie es der Markt eigentlich vorgeben würde".
Umgekehrt bedeute dies aber keineswegs, dass es ein sinnvolles Erneuerbaren-Maximum im Strommarkt gebe: "Schließlich gibt es sehr viele Stunden, in denen der Erneuerbarenstrom noch sehr wertvoll ist und der Strompreis ohne ihn deutlich höher wäre", sagte er zu der ZfK (das Interview lesen Sie in der aktuellen Printausgabe)



