Drei Szenarien blicken auf das Jahr 2035 und ein Szenario bildet die Entwicklung bis in das Jahr 2040 ab. Alle Szenarien gehen von dem Ziel aus, dass die Stromerzeugung in Deutschland im Jahr 2050 nahezu klimaneutral ist.

Drei Szenarien blicken auf das Jahr 2035 und ein Szenario bildet die Entwicklung bis in das Jahr 2040 ab. Alle Szenarien gehen von dem Ziel aus, dass die Stromerzeugung in Deutschland im Jahr 2050 nahezu klimaneutral ist.

Bild: © Patrick Daxenbichler/AdobeStock

Die Übertragungsnetzbetreiber 50Hertz, Amprion, Tennet und TransnetBW haben den ersten Entwurf des Netzentwicklungsplans (NEP) 2035 in der Version 2021 veröffentlicht. Wie auch in den vorherigen NEP zeigt sich, dass die fortschreitende Energiewende einen höheren innerdeutschen Stromtransportbedarf zur Folge hat.

Der steigende Anteil erneuerbarer Energien an der Stromerzeugung ist somit der zentrale Treiber der Netzentwicklung. Dabei berücksichtigt der Entwurf ein Energiesystem ohne Kernkraft und weitgehend ohne Kohleverstromung und bewegt sich somit innerhalb der deutschen und europäischen energie- und klimapolitischen Vorgaben.
 
 

Windenergie als zentraler Energieträger

Der NEP 2035 (2021) blickt in drei Szenarien erstmalig auf das Jahr 2035 und im Ausblick auf 2040 und zeigt den Netzentwicklungsbedarf. Bezogen auf den Bruttostromverbrauch beträgt der Anteil der erneuerbaren Energien zwischen 70 und 74 Prozent für 2035 und 76 Prozent 2040. Diese Annahmen gehen von einer installierten Leistung erneuerbarer Energien zwischen 230 und 260 GW im Jahr 2035 und 268 GW im Jahr 2040 aus.
 
Der NEP 2035 (2021) dokumentiert, dass die Windenergie der zentrale erneuerbare Energieträger der Energiewende ist, insbesondere die Stromerzeugung in Nord- und Ostsee gewinnt erheblich an Bedeutung. In allen Szenarien dieses NEP nimmt die Windenergie den größten Anteil am Energiemix ein. Jedoch sei bei der Photovoltaik mit einem starken Anstieg der installierten Leistung und damit der Erzeugung zu rechnen.

Die Szenarien

Drei Szenarien blicken auf das Jahr 2035 und ein Szenario bildet die Entwicklung bis in das Jahr 2040 ab. Alle Szenarien gehen von dem Ziel aus, dass die Stromerzeugung in Deutschland im Jahr 2050 nahezu klimaneutral ist. In allen Szenarien wird ein steigender Stromverbrauch angenommen. Dieser ergibt sich unter anderem aus der zunehmenden Elektrifizierung im Wärme- und Verkehrssektor sowie aus der zunehmenden Nutzung von Power-to-X-Technologien. Auch strombasierte Dekarbonisierungen im Industriesektor und der durch die Digitalisierung bedingte Mehrbedarf an IT-Rechenleistung tragen dazu bei.

 
 
Investitionsvolumen NEP 2035 (2021)

Das geschätzte Investitionsvolumen für die vorgeschlagenen Maßnahmen an Land liegt zwischen 72 und 76,5 Mrd. Euro. In dieser Summe sind bereits die Investitionen für das sogenannte „Startnetz“ enthalten. Darunter fallen Maßnahmen, für die bereits ein Planfeststellungsverfahren eröffnet wurde oder in Kürze eröffnet wird, die bereits planfestgestellt oder im Bau sind. Die Investitionen fallen über die Jahre verteilt an.

Ausbaubedarf des Höchstspannungsnetzes

Um die energie- und klimapolitischen Vorgaben zu erreichen, sind insbesondere Netzverstärkungs-, aber auch -ausbaumaßnahmen erforderlich, heißt es weiter. Ein Großteil der Vorhaben ist bereits im Bundesbedarfsplan 2021 enthalten. Das Startnetz enthält 3600 km AC-Leitungsmaßnahmen und 2.600 km DC-Leitungsmaßnahmen.

Im Zubaunetz umfassen die Maßnahmen zwischen 3.560 und 3.685 km AC-Leitungen, überwiegend als Netzverstärkungen, und zwischen 1.855 und 2.385 Kilometer DC-Leitungen im Jahr 2035, davon ein Großteil Offshore-Netzanbindungen. In den Szenarien A und B 2035 sind über den BBP 2021 hinaus rund 800 km AC- und DC-Maßnahmen erforderlich, im Szenario C 2035 sind es rund 1.500 Kilometer.

Ausbaubedarf zur Anbindung der Offshore-Windenergie

Auf Grundlage des von der BNetzA genehmigten Szenariorahmens und den im Flächenentwicklungsplan 2020 ausgewiesenen Flächen ergeben sich für das Offshore-Netz des NEP 2035 (2021) zur Integration von 28 bis 32 GW Offshore-Windenergie Investitionen zwischen 33 bis 38,5 Mrd. Euro. Der Zubaunetzanteil des Offshore-Netzes liegt im Jahr 2035 zwischen 3.200 und 3.900 km.

Werkzeuge für weniger Onshore-Netzausbau

Eine bedarfsgerechte und auf das erforderliche Maß reduzierte Netzdimensionierung soll die Kombination verschiedener Maßnahmen sicherstellen. Dazu gehören Annahmen zu durchschnittlichen Witterungsverhältnissen, die Spitzenkappung bei der Stromerzeugung von Onshore-Windkraft- und PV-Anlagen sowie eine Glättung der Stromnachfrage durch flexible Stromanwendungen wie Elektromobilität und Wärmepumpen.
 
Bei der Ermittlung des Netzoptimierungs-, Netzverstärkungs- und Netzausbaubedarfs habe man explizit Technologien wie witterungsabhängiger Freileitungsbetrieb, der Einsatz von Hochtemperaturleiterseilen und Elemente zur aktiven Steuerung des Leistungsflusses berücksichtigt. Auch die Potenziale zukünftiger innovativer Technologien wie moderne Systemführungskonzepte und Netzbooster seien eingeflossen, heißt es bei der Bundesnetzagentur.

Die Bonner Behörde bietet bis zum 28. Februar die Möglichkeit, online, per E-Mail oder schriftlich an der öffentlichen Konsultation teilnzunehmen. Die Stellungnahmen fließen in den zweiten Entwurf des NEP ein, der anschließend der Bundesnetzagentur (BNetzA) zur Prüfung übergeben wird.

Debatte über Investitionsrahmen für gesicherte Kapazitäten nötig

„Die Übertragungsnetzbetreiber (ÜNB) haben den Netzentwicklungsplan anhand aufwendiger Analysen und Simulationen erstellt. Die dort erarbeiteten Erkenntnisse sind daher auch für energiepolitische Fragen, die über den Übertragungsnetzausbau hinausgehen, äußerst wichtig. So zeigt sich erneut, dass der Strombedarf etwa durch Sektorenkopplung und Elektromobilität in Zukunft erheblich steigen wird", erklärte VKU-Hauptgeschäftsführer Ingbert Liebing. Die Berechnungen der ÜNB biete  eine gute Basis, an der sich die Bundesregierung bei der Erhöhung der Ausbaupfade für erneuerbare Energien orientieren sollte. Nur so könne sie die Forderung des Bundestags nach einer Neuberechnung seriös erfüllen.  
 
Und Liebing weiter: "Der Netzentwicklungsplan sieht darüber hinaus in allen Szenarien einen signifikanten Neubau von Gaskraftwerken vor. Die Frage, auf welcher Basis diese für unsere Versorgungssicherheit notwendigen Kraftwerke errichtet werden, wird hier natürlich nicht beantwortet. Dazu ist der NEP auch nicht da. Allerdings wird deutlich, wie dringend nötig die Debatte über einen vernünftigen Investitionsrahmen für gesicherte Kapazitäten – etwa in Form von genügend Anreizen im KWKG und eines funktionierenden Marktdesigns jenseits des energy-only-Marktes – ist." 

Spitzenglättung bersücksichtigen

Last but not least: "Der Ausbaubedarf im NEP ist unter der Annahme erstellt worden, dass bei flexiblen Verbrauchern wie Wärmepumpen und Elektroautos Lastspitzen eingesenkt werden. Dahinter verbirgt sich nichts anderes als die vorgesehene Spitzenglättung. Das zeigt: Ohne das Instrument der Spitzenglättung wäre der Ausbaubedarf bei den Netzen noch größer als ohnehin. Um volkswirtschaftliche Kosten zu vermeiden und die Planbarkeit des Netzausbaus zu gewährleisten, sollte das Bundeswirtschaftsministerium den vor kurzem kassierten Entwurf des Steuerbare-Verbrauchseinrichtungen-Gesetzes auf den Weg bringen“, unterstreicht Liebing. (sg)

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