Die EEG-Umlage könnte aufgrund der Corona-Pandemie im kommenden Jahr um ein Viertel auf 8,44 Cent pro Kilowattstunde (kWh) auch dann steigen, wenn die Bundesregierung die im Klimaschutzpaket vorgesehenen Maßnahmen zu ihrer Begrenzung durchsetzt. Zu diesem Ergebnis kommt das Energiewirtschaftliche Institut an der Universität zu Köln (EWI) in einer Analyse im Auftrag des Energiekonzerns Eon.
Für das Jahr 2022 berechnen die Experten eine EEG-Umlage von 6,99 Cent je kWh. Damit läge die EEG-Umlage im kommenden Jahr 28 Prozent und in 2022 elf Prozent oberhalb der prognostizierten Zahlen ohne Corona.
Gaspreise erheblich unter Druck geraten
Basierend auf Prognosen des Stromverbrauchs und der erwarteten Entwicklung des Kraftwerksparks geht das EWI von einem erheblichen Druck auf die Börsenstrompreise aus. So werde der Großhandelsstrompreis über 2022 hinaus nachhaltig um mehr als 8 Euro pro Megawattstunde (MWh) sinken. Neben der fallenden Nachfrage spiele auch der Rückgang der Brennstoffpreise - insbesondere Gas - und der Emissionszertifikate eine wichtige Rolle.
Für den Anstieg der EEG-Umlage seien im Corona-Szenario sowohl der Rückgang der Stromnachfrage als auch der Großhandelsstrompreise verantwortlich. Die EWI-Experten unterstellen in ihrer Prognose, dass neben der bereits im Klimaschutzpaket beschlossenen Senkung der EEG-Umlage zusätzliche Entlastungen aus dem geplanten nationalen Emissionshandelssystem umgesetzt werden.
Ohne Entlastung klettert EEG-Umlage auf knapp 10 Cent
Angenommen wird, dass alle Zusatzeinnahmen durch die beschlossene Anhebung des Startpreises (ab 2021 25 Euro statt wie zuvor geplant 10 Euro pro Tonne CO₂) zur Kompensation der EEG-Umlage genutzt werden. Ohne diese beiden Entlastungsmaßnahmen würde die EEG-Umlage auf 9,99 Cent pro Kilowattstunde in 2021 und 8,36 Cent pro Kilowattstunde in 2022 ansteigen, rechnen die Experten vor.
Zudem weist das Kölner Institut auf die Auswirkungen von niedrigerem Großhandelspreis und höherer EEG-Umlage auf die Endverbraucherpreise für Strom hin. Selbst wenn die geringeren Börsenstrompreise durch die Versorger vollständig an die Kunden weitergereicht würden sei ein Anstieg für private Haushaltskunden zu erwarten. Im Jahr 2022 sinke der Endverbraucherpreis aufgrund des Rückgangs der EEG-Umlage wieder.
Die Kosten für die Deckelung der EEG-Umlage
Eine Deckelung der EEG-Umlage beispielsweise auf 4 ct/kWh würde zu einer deutlichen Entlastung der Endkunden führen, heißt es weiter. Konkret würde das im Corona-Szenario einen Rückgang des Endverbraucherpreises gegenüber 2019 von 11,1 Prozent in 2021 und 9,5 Prozent in 2022 bedeuten.
Billig wird das für den Steuerzahler jedoch nicht. Die skizzierte Entlastung der Haushaltskunden verursacht laut EWI Zusatzkosten von etwa 15 Mrd. Euro in 2021 und 10 Mrd. Euro in 2022. Die Gesamtbelastung des Haushalts inklusive der Kompensationszahlungen aus dem Brennstoffemissionshandelsgesetz (BEHG) betrage damit etwa 20 Mrd. Euro im kommenden Jahr und 15 Mrd. Euro in 2022. (hil)



