Eine unerwartete Nachricht des französischen Energiekonzerns EDF hat den europäischen Strommarkt weiter verunsichert.

Eine unerwartete Nachricht des französischen Energiekonzerns EDF hat den europäischen Strommarkt weiter verunsichert.

Bild: © Dorian Hurst/Unsplash

Eine Hiobsbotschaft des französischen Energiekonzerns EDF hat die Strompreise in Frankreich steil nach oben geschickt. Auch am deutschen Strommarkt setzte sich der bullishe Trend fort.

Während Wartungsarbeiten seien an den beiden Reaktoren des Atomkraftwerks Civaux (1,45 GW Leistung) im Westen Frankreichs Materialmängel entdeckt worden, teilte die EDF am Donnerstagvormittag mit. In der Folge würden beide Reaktoren weiter stillstehen.

Verlust von 1 TWh bis Jahresende

Weil die zwei Reaktoren des Atomkraftwerks Chooz nahe der belgischen Grenze (ebenfalls 1,45 GW Leistung) auf derselben Technologie basierten wie die von Civaux, seien auch diese vom Netz genommen worden, heißt es weiter. Der erste Chooz-Reaktor wurde demnach am 16. Dezember abgeschaltet, der zweite soll am Samstag folgen.

Zur Dauer der Reparaturen wurden keine Angaben gemacht. Die EDF schätzt, dass die Abschaltung einen Verlust von etwa 1 TWh bis Jahresende bedeute.

Auswirkungen auf deutschen Markt

Am französischen Strommarkt schossen die Preise in der Folge auf neue Rekordwerte. Inmitten neuer Sorgen über Stromengpässe raste der Kontrakt für den Liefermonat Januar nach Angaben der Energiebörse EEX innerhalb weniger Stunden von 444 auf 600 Euro pro MWh. Am Spotmarkt Epex Spot überschritten die Preise kurzzeitig die 400-Euro-Marke.

Auch am deutschen Markt waren die Auswirkungen spürbar. Ausgehend von bereits enorm hohen 330 Euro pro MWh für den Liefermonat Januar kletterten die Preise bis zum Nachmittag auf 365 Euro pro MWh (14.30 Uhr).

Deutschland importiert Strom aus Frankreich

In Frankreich sind Atomkraftwerke die mit Abstand wichtigsten Stromerzeuger. Nach Angaben der Fraunhofer-Plattform Energy-Charts steuerten sie in diesem Jahr bislang 71 Prozent zum nationalen Strommix bei.

Deutschland wiederum ist eines der wichtigsten Abnehmerländer für in Frankreich produzierten Strom. Laut Energy-Charts importierte die Bundesrepublik allein in diesem Jahr bislang netto 5,9 TWh.

Frankreich immer wichtiger

Diese Menge könnte im nächsten Jahr weiter wachsen, wenn mit Brokdorf, Grohnde und Gundremmingen drei Atomkraftwerke sowie weitere, vor allem in Westdeutschland gelegene Kohlekraftwerke vom Netz gehen. (aba)

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