Die Stadtwerke Fröndenberg lehnen derzeit Anträge auf die Einrichtung von Solaranlagen ab. Der Grund: Das Netz ist überlastet. Doch Stadtwerke-Geschäftsführer Bernd Heitmann beruhigt im Hellweger Anzeiger die Gemüter: „Dass nun alle Anträge abgelehnt werden, kann man so pauschal nicht sagen. Wir schließen immer noch Anlagen an.“ Doch jeder Antrag müsse einzeln durchgerechnet werden. Das bedeutet: Es ist nicht gesichert, dass das Fröndenberger Netz den zusätzlich produzierten Strom noch aufnehmen kann.
In Fröndenberg gibt es tatsächlich zu viele Quellen für regenerative Energie für das Netz. 588 Photovoltaik-Anlagen betreiben die 22.000 Einwohner von Fröndenberg. Die Produktion beträgt im Jahresmittel 12.000 kW. Dazu kommen neun Windkraftanlagen, sieben Wasserkraftanlagen und eine Deponiegasanlage – 27,8 MW installierte EEG-Leistung. Die Spitzenlast in Fröndenberg wurde bislang aber nur mit maximal bei 26,4 MW gemessen.
Grundsätzlicher Umbau des Stromnetzes erforderlich
Es gibt damit in der sauerländischen Stadt mehr Einspeisung aus regenerativen Quellen als es selbst die Spitzenlast erfordert, und zudem sind die Verläufe asymmetrisch. Um die regenerativen Energien weiterhin in vollem Umfang nutzen zu können, plant Heitmann nun eine Ertüchtigung des Fröndenberger Stromnetzes, denn als vor rund 100 Jahren die ersten Leitungen verlegt oder gespannt wurden, dachte niemand an ein intelligentes Netz, mit dem nicht nur Verbräuche, sondern auch dezentrale Produktion bewerkstelligt werden müssen. Erstes Projekt ist eine 16 Kilometer lange Mittelspannungsstrecke, die jüngst fertiggestellt wurde, sie enthält ein 30 kV- und ein 10 kV-Kabel.
Mit der neuen Mittelspannungsstrecke kann Strom aus dem Windpark Ostbüren direkt zum Umspannwerk am Wasserkraftwerk Schwitten geleitet werden – das Netz wird nicht durch die bei der Windkraft üblichen Schwankungen berührt. Doch das genügt noch nicht. „Gerade die Netzsituation in den Dörfern muss verbessert werden“, gelobt Heitmann. Denn derzeit hängt es in Fröndenberg und den angeschlossenen ländlichen Gebieten tatsächlich von der Wohnlage ab, ob eine PV-Anlage, mit der Strom ins Netz gespeist werden kann, überhaupt anschlussfähig ist. (sig)



