Strom- und Gaskunden müssen im kommenden Jahr mit deutlichen Kostensteigerungen rechnen.

Strom- und Gaskunden müssen im kommenden Jahr mit deutlichen Kostensteigerungen rechnen.

Bild: © dermauber/AdoeStock

In den kommenden Jahren müssen immer mehr Windkraft- und Photovoltaik-Anlagen, sowie Wärmepumpen, Ladesäulen, Speicher und Rechenzentren in die Verteilnetze integriert werden. Die Verteilnetzbetreiber haben nun erstmals Schätzungen veröffentlicht, die sich mit der künftigen Stromerzeugung, dem Stromverbrauch und den zu erwartenden Netzanschlüssen befassen.

Um den Netzausbau effizient zu gestalten, haben die Verteilnetzbetreiber sechs Planungsregionen festgelegt, in denen sie ihre Aktivitäten koordinieren. Zunächst wurden Regionalszenarien entwickelt, die auf den Planungen der Übertragungsnetzbetreiber basieren. In diesen Szenarien beschreiben die Verteilnetzbetreiber die voraussichtliche Entwicklung von Stromerzeugung und -verbrauch in ihren jeweiligen Regionen.

Installierte Leistung von PV-Anlagen soll sich bis 2028 verdreifachen

Die Szenarien beschreiben die Entwicklung von Erzeugung und Verbrauch sowie Flexibilitäten – vor allem Speicher – für die Jahre 2028, 2033 und 2045. 2045 ist das Zieljahr, in dem Deutschland klimaneutral sein will. Diese Szenarien werden alle zwei Jahre aktualisiert und bilden die Grundlage für die Netzausbaupläne der einzelnen Verteilnetzbetreiber. Diese Pläne werden bis zum 30. April 2024 veröffentlicht und danach alle zwei Jahre aktualisiert. Die Regionalszenarien sind auf dem gemeinsamen Netzportal der Verteilnetzbetreiber zu finden: VNBdigital.

Legt man die Regionalszenarien nebeneinander und addiert die Zahlen, so verdreifacht sich allein bis 2028 die bundesweit installierte Leistung beispielsweise von Photovoltaik-Anlagen von derzeit 55 Gigawatt (GW) auf über 164 GW. Bis 2033 steigt die Leistung auf knapp 276 GW und erreicht fast 453 GW im Jahr 2045 (siehe Grafik). Damit liegen die Prognosen auf dem Zielpfad der Erneuerbaren-Ausbauziele nach dem EEG.

Beispiel Planungsregion West

Während konventionelle Kraftwerke aus dem Markt gehen, steigen in der Planungsregion West bis zum Jahr 2045 die Erzeugung durch Windenergie fast um das Dreifache und aus Photovoltaik fast um das Achtfache. Auch im Verbrauch zeichnen sich deutliche Veränderungen ab: Haushalte in dieser Planungsregion werden in Summe durch effizientere Geräte gut ein Sechstel weniger Strom verbrauchen – aber der Verbrauch für den Betrieb von Wärmepumpen steigt um den Faktor acht bis 2045.

Westnetz-Geschäftsführer Patrick Wittenberg kommentierte dazu: „Das macht deutlich, welche Herausforderungen auf die Verteilnetze zukommen: für die Integration der erneuerbaren Energien und der Deckung eines Verbrauchs, der unter anderem durch die Elektrifizierung stark steigt.“

Verteilnetze werden oft in der öffentlichen Diskussion übersehen

Auf dem Weg zur Klimaneutralität im Jahr 2045 zeigen die Szenarien ihm zufolge signifikante Veränderungen in der Erzeugungslandschaft, aber auch deutliche Verschiebungen im Verbrauch. "Die Zahlen zeigen einmal mehr, wie wichtig vor allem der Ausbau der Verteilnetze ist. Die Basis für eine erfolgreiche Energiewende ist und bleibt das Verteilnetz. Das wird in der öffentlichen Diskussion oft vergessen.”

Die Szenariorahmen würden eine gemeinsame und einheitliche Basis für die Netzplanung bieten.

Digitalisierung und Ausbau der Verteilnetze erforderlich

Kerstin Andreae, Vorsitzende der BDEW-Hauptgeschäftsführung spricht von einer Mammutaufgabe für Verteilnetzbetreiber angesichts der Zahlen: „Die Erneuerbaren Energien werden weiter massiv ausgebaut und sollen ihren Anteil an der Stromversorgung in den nächsten sieben Jahren von rund 50 auf 80 Prozent steigern, bis 2030 sollen 15 Millionen Elektroautos auf den deutschen Straßen fahren und in den Häusern werden immer mehr Wärmepumpen installiert."

Die Integration der neuen Erzeuger, Verbraucher und Speicher gelinge nur mit Ausbau und Digitalisierung der Verteilnetze. "Die Regionalszenarien machen die Größe der Herausforderung deutlich. Der Aus- und Umbau der Netze erfordert Investitionen in Milliardenhöhe", so Andreae.

Dafür sei ein angemessener regulatorischen Rahmen nötig, ebenso wie ausreichend qualifizierte Fachkräfte, sichere Lieferketten und eine spürbare Verschlankung und Digitalisierung der bürokratischen Prozesse. (sg)

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