Die meisten Direktvermarkter verzeichneten in den ersten sechs Monaten wachsende Portfolios.

Die meisten Direktvermarkter verzeichneten in den ersten sechs Monaten wachsende Portfolios.

Bild: © Fotowunsch/AdobeStock

Im ersten Quartal des laufenden Jahres wurden neue Windkraftanlagen mit einer Gesamtleistung von 2628 Megawatt (MW) genehmigt. Das waren 40 Prozent mehr als im Quartal zuvor, wie aus Zahlen der Fachagentur für Windenergie an Land hervorgeht. Damit war es das beste Quartal seit Aufzeichnung – mit Ausnahme des 4. Quartals 2016, wo es große Nachholeffekte gab.

Allerdings dauert es derzeit im Schnitt zwei Jahre, bis eine genehmigte Anlage auch in Betrieb genommen wird. Zudem haben einige Projekte noch nicht an Ausschreibungen teilgenommen. "Wir schieben eine ziemliche Bugwelle von genehmigten, aber nicht bezuschlagten Anlagen vor uns her", sagte Jürgen Quentin, Referent bei der Fachagentur, in einem Pressegespräch.

Über 15 GW in Pipeline

Insgesamt befinden sich demnach Onshore-Windanlagen mit einer Leistung von 15,5 GW in der Pipeline. Rund drei Viertel davon haben einen Zuschlag in einer Ausschreibung erhalten. "In den nächsten 24 Monaten dürfen wir mit einem Bruttozubau in dieser Größenordnung rechnen – wenn es nicht zu zahlreichen Klagen kommt", so Quentin weiter.

Genehmigungsdauer rückläufig

Mit großem Abstand und einer Menge von über 800 MW führt Nordrhein-Westfalen (NRW) das Ranking der Genehmigungen an. Brandenburg, Niedersachsen, NRW und Schleswig-Holstein ziehen den Karren mit rund 68 Prozent der Genehmigungen. Nur 7 Prozent entfallen auf die Südregion (Baden-Württemberg, Saarland, Bayern und Rheinland-Pfalz).

Allerdings weist Bayern mit gut neun Monaten mittlerweile die kürzeste Verfahrensdauer auf. Mit knapp 39 Monaten dauern Verfahren in Mecklenburg-Vorpommern am längsten. Insgesamt war die Genehmigungsdauer erstmals wieder rückläufig: 18,2 Monate im Schnitt. Im Vorjar waren es noch 22,4 Monate gewesen.

"Es gibt Anlass zur Hoffnung, dass wir den Turnaround in diesem Jahr schaffen." ‒ Jürgen Quentin, Referent, Fachagentur Windenergie an Land

Höhere Stilllegungszahlen

Im ersten Quartal 2024 sind zudem Windanlagen mit 717 MW zugebaut worden. Das ist mehr als in jedem der sechs davorliegenden Quartale. Doch auch die Stilllegungszahlen steigen wieder an. 142 MW gingen im ersten Quartal 2024 vom Netz. Der Trend steigt durch ausgeförderte Anlagen seit 2022 an. Die meisten Anlagen werden aber deshalb stillgelegt, weil sie durch neue Anlagen am selben Standort oder in der Nähe ersetzt werden können (Repowering).

"Im Ergebnis ist ein Netto-Zubau von 2,5 bis 3,5 Gigawatt bis Ende des Jahres aus meiner Sicht möglich", sagte Quentin.

Derzeit sind rund 61,5 GW Windkraftleistung am Netz. Das Ziel von 69 GW laut EEG ist voraussichtlich deshalb nicht zu schaffen.

Abwarten bei Ausschreibungen

Als Trend fällt dabei auf, dass bei den Ausschreibungen der Bundesnetzagentur deutlich weniger Projekte geboten werden als möglich. "Das Problem mit den langen Lieferzeiten bei Transformatoren hält an", erläuterte Branchenexperte Quentin. Deshalb würden viele Projektentwickler abwarten, um nach Ablauf ihrer Zuschläge keine Strafzahlungen leisten zu müssen.

Zudem komme es bei ungefähr 20 Prozent aller genehmigten Anlagen zu Rechtsstreitigkeiten. Für Projektentwickler bedeutet dies, dass der Zuschlag bei langen Verfahrensdauern verlorengeht und eine Strafzahlung fällig wird, obwohl sie in der Sache womöglich Recht behalten.

Turbinen mit über 7 MW Leistung

Beachtenswert ist auch die Leistungsentwicklung bei Windkraftturbinen. So beträgt die Generatorenleistung bei neu genehmigten Turbinen mittlerweile im Schnitt rund 5,66 MW. Das entspricht einer Verdoppelung der Leistung innerhalb der vergangenen zehn Jahre. Mittlerweile werden sogar bereits Turbinen mit 7 MW verbaut, die Entwicklung dürfte also noch einige Jahre so weitergehen.

Dem Repowern ‒ also dem Ersetzen alter Turbinen durch neue, leistungsfähigere Anlagen ‒ kommt daher eine große Bedeutung zu. So machte Referent Quentin von der Fachagentur darauf aufmerksam, dass die Ausbauziele aus dem EEG zu einem großen Teil auch durch großflächiges Repowern erreicht werden könnten. "Die reine Menge der Anlagen müsste nicht deutlich ansteigen. Allein durch neue, leistungsfähigere, aber auch größere Anlagen ließen sich die Leistungsziele aus dem EEG erreichen", resümierte der Branchenkenner. (jk)

Lesen Sie weiter mit Ihrem ZFK-Abonnement

Erhalten Sie uneingeschränkten Zugang zu allen Inhalten der ZFK!

✓ Vollzugriff auf alle ZFK-Artikel und das digitale ePaper
✓ Exklusive Analysen, Hintergründe und Interviews aus der Branche
✓ Tägliche Branchen-Briefings mit den wichtigsten Entwicklungen

Ihr Abonnement auswählen

Haben Sie Fehler entdeckt? Wollen Sie uns Ihre Meinung mitteilen? Dann kontaktieren Sie unsere Redaktion gerne unter redaktion@zfk.de.

Home
E-Paper