Der Handelsflur von RWE Supply & Trading in Essen

Der Handelsflur von RWE Supply & Trading in Essen

Bild: © RWE

In Deutschland erwarten die Analysten Matteo Mazzoni und Philipp Ruf, dass die Preise gegenüber dem aktuellen Spotpreisniveau von 35,00 Euro/MWh (Anfang April 2019) spürbar steigen und 2019 einen Durchschnittspreis von 45,00 Euro/MWh erreichen werden. Dies sei nur teilweise auf die Erhöhung der CO2-Zertifikatepreise, sondern auch auf andere Entwicklungen zurückzuführen. Bis 2025 rechnet das Modell der Experten damit, dass die Börsenstrompreise bei steigenden CO2-Preisen weiter auf dann über 60,00 Euro/MWh klettern. Das wäre dann insgesamt ein Anstieg von 71 Prozent.

Wesentliche Treiber dafür seien in Deutschland – neben dem CO2-Zertifikatepreis – der komplette Atomausstieg sowie die wahrscheinliche Reduzierung der Braunkohle- und Steinkohlekapazitäten durch den deutschen Kohleausstieg. Insgesamt erwartet das Analystenduo des Londoner Preis-Informationsdienstes ICIS zwischen 2019 und 2025 eine Reduktion der Braunkohleverstromung um 34 Prozent und der Steinkohleverstromung um sechs Prozent gegenüber 2019, während die gasbetriebene Stromerzeugung aufgrund der gestiegenen Wettbewerbsfähigkeit durch höhere CO2-Zertifikatepreise um 17 Prozent im gleichen Zeitraum zunehmen würde.

Gleichzeitig werde die Stromerzeugung aus erneuerbaren Energien in dem Zeitraum um über 35 Prozent nach oben schießen, heißt es in der Analyse mit dem Titel "Die Auswirkungen der höheren CO2-Preise auf Stromversorger und Industrie".

Frankreich festigt Position als Nettoexporteur

Der französische Strommarkt mit seinem großen Portfolio an Kernkraftwerken werde "nicht wesentlich" von der Entwicklung der CO2-Zertifikatepreise beeinflusst, heißt es weiter. Aufgrund der engen Anbindung an den deutschen Strommarkt mit einem hohen Anteil an fossiler Stromerzeugung seien die französischen Strompreise jedoch eng an die deutschen Preise gekoppelt. Deshalb könne für den französischen Markt ab 2023 mit Börsenstrompreisen von über 60,00 Euro/MWh kalkuliert werden.

Zudem werde Frankreich seine Position als Nettoexporteur von Strom festigen und ab 2023 netto über 100 TWh Strom exportieren. Auf der Seite der fossilen Erzeugung werde die Gasverstromung dort von 2019 bis 2025 um 20 Prozent abnehmen, während die Stromerzeugung aus erneuerbaren Energien im gleichen Zeitraum um rund 45 Prozent zulege.

Börsenstrompreis in UK erreicht 70,00 Euro/MWh

In der Analyse für den britischen Strommarkt gehen die Experten von einem geordneten Ausstieg Großbritanniens aus dem europäischen Emissionshandelssystem zum Jahr 2021 aus. Zudem wird ab 2021 von einem CO2-Zertifikatepreis in UK ausgegangen, welcher den europäischen CO2-Zertifikatepreis widerspiegelt. Insgesamt werde dies dazu führen, dass die Börsenstrompreise auf der Insel ab 2023 ein Niveau von über 70,00 Euro/MWh erreichen. Die Modellergebnisse zeigten zudem, dass die gasbasierte Stromerzeugung in Großbritannien auch bei hohen CO2-Zertifikatepreisen zwischen 2019 und 2025 um rund 61 Prozent sinken dürfte.

Die ICIS-Analyse beschäftigt sich auch mit der weiteren Entwicklung des Europäischen Emissionshandelssystems (EU-EHS). Die Marktstabilitätsreserve (MSR) als wichtigste Reform des EU-EHS werde das Auktionsvolumen im Zeitraum 2019 bis 2025 um rund 1,7 Mrd. EUA reduzieren. Dadurch werde das System gestrafft und die Unternehmen zur Reduzierung ihrer CO2-Emissionen veranlasst. Trotz zusätzlicher nationalstaatlicher Regulierung würden die CO2-Zertifikatepreise der Hebel für solche neuen Investitionen sein. Ein hoher CO2-Preis könne den Einsatz CO2-ärmerer Technologien und den Wechsel von Kohle zu Gas beschleunigen.

CO2-ärmere Industrieproduktion kommt verzögert

"Wir erwarten eine gewisse Verzögerung bei der Einführung neuer Technologien durch die Industrie, da sie weiterhin einen größeren Teil der CO2-Zertifikate kostenlos erhält, um sie vor dem Risiko der Verlagerung von CO2-Emissionen zu schützen. Aber strengere Benchmarks und höhere Preise sollten der Katalysator für langfristige Investitionen in CO2-ärmere Produktionstechnologien und Energieeffizienz sein", so die gemeinsamen Autoren der ICIS-Marktstudie, Ruf und Mazzoni.

"Das reformierte EU-EHS wird mit dem Auslösen höherer CO2-Preise auch zu höheren Einnahmen aus nationalen EUA-Auktionen führen und damit Regierungen ermöglichen, Investitionen in den verschiedenen Sektoren durch Re-Investition der erzielten Einnahmen zu subventionieren", erklären die Experten weiter. (hil)

Lesen Sie weiter mit Ihrem ZFK-Abonnement

Erhalten Sie uneingeschränkten Zugang zu allen Inhalten der ZFK!

✓ Vollzugriff auf alle ZFK-Artikel und das digitale ePaper
✓ Exklusive Analysen, Hintergründe und Interviews aus der Branche
✓ Tägliche Branchen-Briefings mit den wichtigsten Entwicklungen

Ihr Abonnement auswählen

Haben Sie Fehler entdeckt? Wollen Sie uns Ihre Meinung mitteilen? Dann kontaktieren Sie unsere Redaktion gerne unter redaktion@zfk.de.

Home
E-Paper