Moderator Matthias Vetter (von links), Fraunhofer ISE und BVES Beirat F&E führte durch die Diskussion mit Konrad Stockmeier (FDP Fraktion, Bundestag), Dennis Többen, Product Manager, MAN Energy Solutions, Uwe Fuchs, BASF Stationary Energy Storage, Thorsten Scheller, Siemens Energy Global und René Kühne, Vattenfall Wasserkraft.

Moderator Matthias Vetter (von links), Fraunhofer ISE und BVES Beirat F&E führte durch die Diskussion mit Konrad Stockmeier (FDP Fraktion, Bundestag), Dennis Többen, Product Manager, MAN Energy Solutions, Uwe Fuchs, BASF Stationary Energy Storage, Thorsten Scheller, Siemens Energy Global und René Kühne, Vattenfall Wasserkraft.

Bild: © BVES/William Veder

Die Speicherbranche wartet auf bessere rechtliche und regulatorische Rahmenbedingungen, um den Ausbau von Speicher voranzutreiben. Das war der Tenor einer Diskussion bei der "Statuskonferenz: Großspeicher für das Stromsystem" des Bundesverbandes Energiespeicher Systeme (BVES).

Konrad Stockmeier, Mitglied der FDP-Bundestagsfraktion und Mitglied im Energie-Ausschuss eröffnete die Diskussion mit Grundsatzkritik am eigenen Koalitionspartner im Bund. Die Liberalen teilten das "Mindset der Grünen" nicht, demzufolge Batteriespeicher im künftigen Energiesystem nur einen begrenzten Anwendungsbereich hätten. "Die Hochsubvention von weiteren Erneuerbaren-Energien-Anlagen ist dem Steuerzahler nicht zuzumuten, wenn sie nicht Schritt halten kann mit dem zügigen Ausbau von Netzen und Speichern", sagte der Politiker. "Immer höhere Mittagsspitzen, mit denen ich kein Geld verdiene, braucht kein Mensch."

FDP-Politiker Konrad Stockmeier bei der Speicher-Konferenz des Verbandes BVESBild: © BVES/William Veder

Back-Up-Kraftwerke einsparen

Stockmeier sprach sich auch gegen ständig neue Fördertöpfe aus. Denn diese böten der Branche keine dauerhafte Investitionssicherheit. Auch zur bevorstehenden Kraftwerksstrategie äußerte sich der Fachpolitiker. "In einem Kapazitätsmechanismus werden Speichertechnologien unterschiedlichster Art eine wichtige Rolle spielen. Wir können uns das ein oder andere Back-Up-Gaskraftwerk sparen, wenn wir Speichertechnologie ausbauen." So sei etwa auch das Potenzial bei Pumpspeicherkraft in Deutschland noch bei weitem nicht ausgeschöpft.

Uwe Fuchs, Head of Sales, BASF Stationary Energy Storage, stimmte der Einschätzung Stockmeiers grundsätzlich zu, schränkte aber auch ein. "Man kann mit preiswerten Technologien auch in Mittagsspitzen noch gutes Geld verdienen." BASF setzt zur stationären Energiespeicherung etwa auf sogenannten Natrium-Schwefel-Batterien und hat damit im vergangenen Jahr einen Standort in Schwarzheide erstmals ausgerüstet.

Konkurrenz zu Pumpspeichern

Thorsten Scheller, Business Owner CAES bei Siemens Energy Global stellte die Druckluftspeichertechnologie vor, die der Manager als valide Alternative zu Pumpspeicherkraftwerken betrachtet. "Mit CAES können wir länger Strom einspeichern als mit Batteriespeichern." Scheller nannte eine Reichweite ab sechs bis acht Stunden bis hin zu mehreren Tagen. "Wir gehen damit in Konkurrenz zu Pumpspeicherkraftwerken, werden uns aber geografisch eher ergänzen", sagte Scheller. Als Beispiel nannte er Anlagen an der Küste, um Spitzen bei der Erzeugung von Offshore-Windstrom abzupuffern.

Auf die Vorzüge von Pumpspeichern wies demgegenüber René Kühne, Managing Director bei Vattenfall Wasserkraft, hin. "Mittagsspitzen dauern nicht nur eine Stunde, sondern teilweise mehrere Stunden. Hier können Pumpspeicher eine gute Rolle spielen." Zudem seien die Anlagen laut EU-Taxonomie als nachhaltig klassifiziert. Auf die Kritik an Pumpspeichern, diese würde die Landschaft beeinträchtigen, ging der Unternehmensvertreter ebenfalls ein. "Wir nutzen die Naturflächen anders, wir verbrauchen sie aber nicht. Das ist eher eine Umnutzung von Flächen."

Level-Playing-Field für Speicher

Einig waren sich die Diskussionsteilnehmer darin, dass die aktuellen Rahmenbedingungen noch Verbesserungspotenzial haben. Dies gestand auch FDP-Mann Stockmeier ein. "Wir haben als Gesetzgeber noch keine fairen Rahmenbedingungen für Speicherhersteller erreicht. Speicher sind keine Netzverbraucher. Ich werde versuchen, dies einigen Akteuren nochmal nahezubringen, damit sie es endlich begreifen."

Die Bundesregierung müsse das Level-Playing-Field für Energiespeicher allerdings auch europarechtskonform ausgestalten. "Dass wir im GEG [Gebäudeenergiegesetz] die Technologieoffenheit erreicht haben, hat uns motiviert. Das wollen wir bei Speichern auch schaffen", versprach Stockmeier.

Verlässliche Versorgung belohnen

"Wir brauchen nicht ständig neue Fördertopfe, allein aufgrund der [mangelnden] Finanzierbarkeit", stimmte Scheller von Siemens Energy zu. Vielmehr müsse die verlässliche Energieversorgung von Kunden auch explizit belohnt werden.

"In anderen europäischen Ländern werde bereits massiv in Pumpspeicher investiert", ergänzte Kühne von Vattenfall. "Ich wünsche mir einen stabilen gesetzgeberischen Rahmen, technologieoffen. Ich wünsche mir auch ein Mindset in den Genehmigungsbehörden, dass sie zügig die Verfahren bearbeiten können. Das gilt auch für den Bestand. Wir müssen hier richtig Tempo machen."

Kapazitätsmarkt statt Kraftwerksstrategie

Flexibilität solle technologieoffen gedacht werden, ohne dabei nur an Gaskraftwerke zu nennen, betonte auch Stockmeier. "Speicher müssen einen Wert am Markt bekommen. Ich spreche mich eher für einen Kapazitätsmarkt aus als für eine konventionell ausgestaltete Kraftwerksstrategie."

Der Politiker ließ aber auch durchblicken, dass diese Meinung in der Koalition umstritten sein dürfte. (jk)

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