Während die Kohlekommission dieser Tage weiter an einem Fahrplan für den Ausstieg aus dem braunen Gold arbeitet, zeigt eine Studie im Auftrag der Klima-Allianz und des Bundes für Umwelt und Naturschutz, dass zumindest die Stickoxidbelastung (NOx) durch Braun- und Steinkohlekraftwerke bereits seit Jahren reduziert werden könnte.
Das Beratungsinstitut Ökopol hat den NOx-Ausstoß von insgesamt 40 Braunkohle- und 68 Steinkohlekraftwerken ab 100 MW elektrischer Leistung untersucht – mit einem ziemlich ernüchternden Fazit: Allein 73 Prozent der Braunkohleblöcke werden den künftigen EU-Grenzwert für Stickoxide von 175 Milligramm pro Kubikmeter nicht einhalten. Ähnlich verheerend sieht die Lage in der Steinkohleverstromung aus – 44 von 68 Blöcken (65 Prozent) werden über den künftigen Mindestanforderungen liegen.
Zwischen 85 und 175 mg/cbm ab spätestens 2021
Aktuell darf laut EU-Richtlinie der NOx-Ausstoß im Tagesmittel nicht über 200 mg/cbm liegen. Seit vergangenem Jahr gilt der verschärfte Wert von 175 mg/cbm für Braunkohle-Neuanlagen und 150 mg/cbm für neue Steinkohleanlagen. Bestandsanlagen haben bis Mitte August 2021 Zeit sich an die Obergrenze zu halten. Das fixierte die EU-Kommission in ihren Schlussfolgerungen aus einer Analyse zur besten verfügbaren Technik für Großfeuerungsanlagen aus dem Jahr 2017.
Bislang lässt die Bundesregierung sich bei der Verankerung der EU-Novelle im Bundesimmissionsschutzgesetz (BImSchG) Zeit. Versäumnisse gibt es aber auch auf Seiten der Kraftwerksbetreiber, denn schon vor zehn Jahren gab es erste Vorschläge von der EU-Umweltagentur, wie die NOx-Belastung durch die Energiewirtschaft gesenkt werden kann.
55 Prozent weniger NOx durch Katalysatoren
Prominentester Vorschlag ist der Einbau von Katalysatoren in die Abgasreinigungsanlagen, auch bekannt als SCR-Technik. Braunkohleblöcke, die mindestens noch acht Jahre im Grundlastbetrieb laufen, können dadurch rund 55 Prozent ihrer Emissionen mindern. In Anbetracht eines Stickoxidausstoßes von knapp 158 000 Tonnen im Jahr 2016 wäre das ein ziemlicher Erfolg. Durch eine Umrüstung könnte der unterste Wert von der EU erlaubten Emissionsbandbreite auf 85 mg/cbm eingehalten werden. Gegenüber der Obergrenze von 175 mg/cbm würden auf diese Weise etwa 55 700 Tonnen NOx (55 Prozent) eingespart werden.
Die Kosten für Braunkohlekraftwerke wären verschmerzbar, so die Studienautoren weiter. Die Minderung von besagten 55 Prozent verursacht Kosten in Höhe von 0,075 Cent pro kWh. Bei Steinkohlekraftwerken würde die Einhaltung des unteren Grenzwerts zu einer NOx-Reduzierung von 47 Prozent führen. Für 26 700 Tonnen weniger Emissionen, würden pro kWh 0,036 Cent anfallen.
Vorhandene Technik voll ausnutzen
Bei Steinkohlekraftwerken ist eine Umrüstung gar nicht immer nötig, denn bereits seit den 80er Jahren besteht für sie eine Katalysatorpflicht. Es würde also schon helfen, wenn die Betriebe ihre vorhandene Anlagentechnik voll ausnutzen würden. Zur Kosteneinsparung werden Katalysatoren nicht vollständig auf Touren gebracht, sondern so betrieben, dass sie den aktuellen Grenzwert von 200 mg/cbm einhalten. (ls)



