Blick auf das Braunkohlekraftwerk Jänschwalde in Brandenburg.

Blick auf das Braunkohlekraftwerk Jänschwalde in Brandenburg.

Bild: © Patrick Pleul/dpa

Der weltweite Kohleverbrauch dürfte dieses Jahr das Rekordniveau von vor zehn Jahren erreichen. Zu dieser Einschätzung kommt die Internationale Energie-Agentur in einem neuen Report.

Demnach setzen viele Länder auch in Europa infolge extrem gestiegener Erdgaspreise wieder verstärkt auf den umweltschädlicheren Brennstoff. Zudem kommt die stark von Kohle abhängige Wirtschaft in Indien wieder in Schwung.

Preisrallye nach Ukraine-Invasion

Nachfragedämpfend wirkten sich bislang das langsamere Wirtschaftswachstum in China sowie Produktionsengpässe aus. Letzteres trug dazu bei, dass die Kohlepreise in den vergangenen Monaten mehrfach neue Allzeithochs aufwiesen.

So kostete eine Tonne Kohle am europäischen Terminmarkt (Frontmonat, API 2) im März bis zu 405 US-Dollar. Nach der erneuten Verknappung russischer Gasmengen über die Ostseepipeline Nord Stream 1 näherte sich der Kurs erneut der 400-Euro-Marke. Insgesamt zeigte sich der Markt sehr schwankend.

Neues Allzeithoch für 2023 erwartet

Nach Prognosen der Internationalen Energie-Agentur dürfte der weltweite Kohlebedarf im Vergleich zum Vorjahr um 0,7 Prozent auf etwa 8 Mrd. Tonnen steigen – vorausgesetzt, die von Corona-Lockdowns geplagte chinesische Wirtschaft wächst wie erwartet. Das entspricht etwa dem Niveau von 2013. Für nächstes Jahr erwartet die Organisation ein neues Allzeithoch.

Der Kohleverbrauch in der Europäischen Union dürfte dabei um sieben Prozent im Vergleich zum Vorjahr nach oben klettern. Bereits 2021 wurde in Europa deutlich mehr Kohle verfeuert als im Vorjahr. Vor allem im Stromsektor ist die Nachfrage groß. Europa ist aber nur für fünf Prozent des weltweiten Kohleverbrauchs verantwortlich.

Steinkohle im Aufschwung

In Deutschland stieg die Steinkohleverstromung im ersten Halbjahr rapide. Knapp 27 TWh Strom wurden so erzeugt – ein Sprung von 42 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum, wie Zahlen der Fraunhofer-Plattform Energy-Charts zeigen.

Auch die Braunkohleverstromung ging nach oben – auf 50,8 TWh – ein Plus von acht Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum.

Deutsche Kohlereserve

Dabei könnte Kohle als Stromquelle in den nächsten Monaten noch wichtiger werden. Nach Steinkohlekraftwerken sollen nach dem Willen der Bundesregierung am 1. Oktober auch bereits stillgelegte Braunkohlekraftwerke wieder als Netzreserve in Betrieb gehen können. Ziel ist es , die Verstromung von Erdgas zu verringern. (aba)

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