Strom

Konstanz: Neues System für kabellose Stromversorgung von Autofähre

Bisher erzeugen Dieselgeneratoren Strom für die Autofähren der Stadtwerke Konstanz. Studenten der Hochschule Konstanz haben jetzt eine Alternative entwickelt.
21.04.2021

Die Illustration von HTWG-Student Tarek Sadek zeigt, wie sich der Landungssteg passgenau auf das Deck des Fährschiffs absenkt. Über hier angebrachte Induktionsplatten wird die kabellose Stromversorgung der Fähre während der Liegezeit im Hafen mit Landstrom möglich.

Noch erzeugt ein Dieselgenerator Strom für die Autofähren, die zwischen Konstanz und Meersburg am Bodensee unterwegs sind. Eine umweltfreundlichere Alternative haben nun acht Studenten der Hochschule Konstanz Technik, Wirtschaft und Gestaltung auf Anregung der Stadtwerke Konstanz entwickelt.

Ihr Konzept sieht vor, dass die Stromversorgung etwa für Beleuchtung, Messinstrumente auf der Brücke und Bordgastronomie lokal emissionsfrei erfolgt — und zwar per Induktion über die Fährbrücke.

"Gut durchdacht und smart"

"Das ist gut durchdacht, smart und hat uns absolut überzeugt", lässt sich Christoph Witte, technischer Leiter der Stadtwerke-Fähren, in einer Pressemitteilung zitieren. Er will das Konzept mit einer ersten Fähre umsetzen. Derzeit würden die Fördergelder hierfür beantragt.

Das Konzept der Studierenden sieht das Anbringen jeweils einer Induktionsplatte auf dem Landungssteg sowie auf dem Deck vor. So wird die kontaktlose Stromversorgung der Fähre direkt über die Landungsbrücke von der Anlandung bis zur Abfahrt möglich.

Induktionsvorrichtung von langer Lebensdauer

Stecker und Buchsen wären bei diesem Vorgang überflüssig. Die Gefahr offener Kontakte, eines Funkenüberschlags oder eines Kurzschlusses wäre so gebannt.

Die Positionierung sei unabhängig vom Pegelstand optimal, da sich die Fährbrücke dem Wasserstand anpasse, heißt es in der Presseaussendung. Zudem sei die Induktionsvorrichtung robust und von langer Lebensdauer, der Wartungsaufwand sowie die Ausfallwahrscheinlichkeit gering.

Nächster Schritt

Als Versuchsträger für den Dauertest soll die Autofähre FS Meersburg dienen. Die Energieversorgung dieser Fähre ist modular aufgebaut. Sie verfügt über zwei getrennte Stromkreisläufe oder Dieselgeneratoren. So könnte der Generator, der nicht mit dem Hauptantrieb verbunden ist, während der Liegezeit abgestellt werden.

Als nächster Schritt steht in Zusammenarbeit mit einem Industriepartner die Entwicklung einer geeigneten Induktionsplatte an. Wird der Stromgenerator während der Liegezeit am Landungssteg mit Landstrom ersetzt, könnten während des Kursbetriebs am Tag bis zu 50 Prozent des für die Stromversorgung nötigen Dieselverbrauchs eingespart werden, heißt es. Das wären beim nun gemessenen Verbrauch und zwei Überfahrten pro Stunde etwa 20 Liter Diesel pro Fähre und Tag.

Batterie an Bord

Das Konzept lasse sich weiter ausbauen, sagt Witte: So könnte über eine Batterie an Bord der Dieselgenerator für die Bordstromversorgung komplett ersetzt werden. Die darauffolgende Ausbaustufe wäre die Ladung eines komplett mit elektrischer Energie angetriebenen Fährschiffs.  (ab)