Der Umbau des Energiesystems hin zu Klimaneutralität wird bis 2030 rund 600 Mrd. Euro benötigen, bis 2045 sollen es sogar mindestens eine Billion Euro sein. Damit diese unvorstellbaren Summen finanziert werden, braucht es mehr als Eigenkapital und Kreditfinanzierungen. Das geht aus einem neuen Positionspapier von VKU, BDEW, der deutschen Kreditwirtschaft und dem Beratungsunternehmen Deloitte hervor.
Die Stadtwerkelandschaft in Deutschland sei grundsätzlich finanziell sehr solide aufgestellt und weise eine hohe Bonität auf, wie aus dem Positionspapier „Kapital für die Energiewende“ hervorgeht. Allerdings würden die eigenen finanziellen Mittel nicht ausreichen, um eine Vervier- bis Verfünffachung des jährlichen Investitionsvolumens für die nötigen Energiewendeprojekte zu stemmen.
Investoren und privates Kapital mobilisieren
Zudem sei die Schuldentragfähigkeit begrenzt. Deshalb seien Kreditfinanzierungen in der Energiewirtschaft mit sehr langer Laufzeit oft nicht mehr darstellbar. Hier müssen weitere Finanzierungslösungen gefunden werden, die auch lange Amortisationszeiten von Energiewende-Investitionen abbilden können, heißt es in dem Positionspapier weiter.
Hans-Jürgen Walter, Partner Financial Services, Global Leader Sustainable Finance bei Deloitte bringt den Bedarf an alternativen Finanzierungslösungen auf den Punk:„Entscheidend für die Finanzierung der Energiewende wird sein, inwieweit es neben der Kreditfinanzierung gelingt, Investoren und privates Kapital zu mobilisieren. Durch öffentliche und private Mischfinanzierungen sowie Garantiemechanismen können die Risiko-Rendite-Profile von Kapitalmarktinstrumenten verbessert und zusätzliche private Kapitalflüsse aktiviert werden.“
Superabschreibungen und Bürgerbeteiligung
Dementsprechend macht das Positionspapier Vorschläge für neue Finanzierungswege auf Bundes- und EU-Ebene. Eine Möglichkeit wären sogenannte Superabschreibungen für Investitionen in Klimaschutz. Darüber hinaus wären auch Investitionsprämien und Steuergutschriften eine Diskussion wert.
Auch die Beteiligung von Bürger:innen sollte einmal mehr stärker in den Fokus rücken. Das schaffe nicht nur finanzielle Möglichkeiten, sondern reize auch die Akzeptanz für Energiewendeprojekte an, heißt es weiter. Um die Investitionen von Bürger:innen oder Banken anzuregen wären auch Energiewende-Fonds eine Option.
Energiewendefonds und neue Green Asset Ratio
Vergleichbar mit der Verteilung anderer EU-Gelder könnten diese Fonds in Energiewendeprojekte investieren, sofern gleichzeitig ein Vielfaches des Betrag von Bürger:innen oder Banken investiert würde.
Auf EU-Ebene bräuchte es zudem eine Novellierung der Green Asset Ratio (Anteil vergebener Kredite, die nach EU-Taxonomie „grün“ sind. Diese sollte nicht zum Nachteil kleinerer, noch nicht durch die Taxonomie erfasster Unternehmen ausgelegt werden. Hier sollten neue, pragmatische Lösungen mit allen Stakeholdern zeitnah diskutiert und umgesetzt werden, so BDEW und VKU.
Finanzierung muss als erstes stehes
Ingbert Liebing, Hauptgeschäftsführer VKU resümiert:„Neben verlässlichen Rahmenbedingungen für die Unternehmen und attraktiven Renditen für Investoren braucht es flankierende Maßnahmen wie Energiewende-Fonds und weniger Papierkram. Energiewendeprojekte wie der Fernwärmeausbau sind Infrastrukturprojekte: Bevor überhaupt der erste Bagger bestellt ist und gebaggert wird, muss die Finanzierung stehen.“ (lm)



