Auf der E‑World 2026 in Essen stand die Kraft-Wärme-Kopplung (KWK) im Zentrum einer gemeinsamen Pressekonferenz des Bundesverbands KWK (BKWK), des Anlagenherstellers 2G Energy sowie des Landesverbandes Erneuerbare Energie Nordrhein-Westfalen (LEE NRW). Anlass war die aktuelle Kraftwerksstrategie der Bundesregierung, die den Bau von 12.000 Megawatt (MW) fossiler Gaskraftwerke als Reserve vorsieht – eine Strategie, die aus Sicht der Branchenvertreter in der aktuellen Form nicht zukunftsfähig ist.
"Die Bundesregierung hat wirklich nichts aus der fatalen Abhängigkeit vom Putin-Gas gelernt", sagte Christian Vossler, Geschäftsführer des LEE NRW. Das Flüssigerdgas (LNG), mit dem die geplanten Gaskraftwerke befeuert werden sollen, werde weitestgehend aus autokratischen Staaten kommen. "Das ist ein energiepolitischer Treppenwitz."
Zudem habe die Bundesregierung bereits mindestens ein Jahr verloren, weil Wirtschaftsministerin Katherina Reiche (CDU) bei den Verhandlungen mit Brüssel eine überzogene Reservekapazität von mindestens 20.000 MW gefordert habe. "Nicht nur diese Verzögerung ist sehr ärgerlich, sondern auch die Tatsache, dass Reiche nach wie vor nicht die bewährten technologischen Alternativen anerkennt, die wesentlich preiswerter sind und auch schneller in Betrieb sein können", kritisierte Vossler.
KWK als Schlüssel für Versorgungssicherheit
Barbara Minderjahn, Hauptgeschäftsführerin des B.KWK, machte deutlich, dass die Kraft-Wärme-Kopplung bereits heute unverzichtbar für ein flexibles Energiesystem ist: "KWK-Anlagen bringen genau die Flexibilität, die wir brauchen, und sichern Versorgung und Resilienz." Daraus ergeben sich konsequente politische Forderungen. So müsse die KWK in allen drei großen energiepolitischen Gesetzen, die in diesem Jahr verabschiedet werden, fest verankert werden.
"Prinzipiell muss jedes neue Reservekraftwerk, das im Zuge des Kraftwerkssicherungsgesetzes gebaut wird, eine KWK-Anlage sein", forderte Minderjahn. Die KWK spiele nicht nur bei der regionalen Strom- und Fernwärmeversorgung eine wichtige Rolle, sondern auch – als kleinere Anlage – im Rahmen von Nahwärmenetzen und bei der Versorgung von Gebäuden und Objekten. Daher müsse die Technologie auch im Gebäudemodernisierungsgesetz als Erfüllungsoption genannt werden.
Zentral sei auch das auslaufende Kraft-Wärme-Kopplungsgesetz (KWKG). "Wir brauchen dringend eine Verlängerung des Kraft-Wärme-Kopplungsgesetzes noch in diesem Jahr", so Minderjahn weiter. "Denn nur hier ist die Förderung dieser für das Energiesystem existentiellen Technologie geregelt und muss erhalten werden."
Neue KWK-Anlagen vielfach wasserstofffähig
Frank Grewe, Vorstandsmitglied des Anlagenherstellers 2G Energy, hob die Vorteile der KWK-Technologie kombiniert mit Wärmepumpen hervor: "Wir vereinen Versorgungssicherheit, Wirtschaftlichkeit und Nachhaltigkeit miteinander." Die Anlagen seien bereits H₂-ready und könnten Wasserstoff zu einem mittleren zweistelligen Prozentsatz verbrennen.
Grewe betonte die Bedeutung der Dezentralität: "Regional sind die Infrastrukturen sehr unterschiedlich. Wir beschäftigen mehr Ingenieure als Produktentwickler, um die Lösungen vor Ort passend umzusetzen." Durch den dezentralen Einsatz von KWK und Wärmepumpen könnten Stadtwerke flexibel reagieren, Netzausbau reduzieren und Investitionsrisiken minimieren.
Zudem hob Grewe die jüngsten technischen Fortschritte hervor: "Mit unserer neu entwickelten Isobutan-Wärmepumpe machen wir Anwendungen elektrifizierbar, die bisher als besonders anspruchsvoll galten." Vorlauftemperaturen von 100 Grad Celsius würden heute bereits sicher erreicht – und markierten erst den Anfang dessen, was technologisch möglich sei.
KWK als strategische Brücke in die Energiewende
Minderjahn vom B.KWK betonte zudem, dass KWK die Erneuerbaren ergänzt und nicht verdrängt. Die Technologie springe genau dann ein, wenn Sonne und Wind nicht lieferten, und sorge so für Versorgungssicherheit im gesamten Energiesystem. Das zeige auch eine Studie, die der Verband zeitnah veröffentlichen will. "Die KWK ist zentral für die dezentrale Flexibilität, die wir in Deutschland dringend brauchen."
Während die Bundesregierung derzeit vor allem auf fossile Großkraftwerke setzt, plädieren B.KWK und 2G Energy für eine technologieoffene, flexible und klimafreundliche Energieversorgung, die Versorgungssicherheit, Wirtschaftlichkeit und Klimaschutz miteinander verbindet. Ob sich die Bundesregierung bei den anstehenden Gesetzesnovellen von dem Appell beeindrucken lässt, wird sich zeigen.


