So soll die im Januar 2019 angekündigte Anbindung des Gewerbestrom-Marktplatzes Eless an die Ausschreibungsplattform Tender365 aussehen.

So soll die im Januar 2019 angekündigte Anbindung des Gewerbestrom-Marktplatzes Eless an die Ausschreibungsplattform Tender365 aussehen.

Grafik: © Eless © Tender365

Zumindest unter den volldigitalisierten für multilaterale Gashandelsplätze abseits der Börse (OTC) scheint ein Zweikampf zwischen dem Start-up Enmacc und der Branchengründung Tender365 übrig zu bleiben. Tender-Co-Geschäftsführer Helmut Kusterer zitierte am Dienstag vor Journalisten eine Plattform-Empfehlung des Gazprom-Vertriebsastes Wingas an seine Geschäftskunden. Darin listet Wingas genau zwei Namen auf: Enmacc und Tender.

Tender365 – die wie ihr Wettbewerber Strom und Gas gleichermaßen abdeckt – gab erstmals Liquiditätskennziffern bekannt: Co-Geschäftsführer Frank Sonne sprach von 27 Handelsteilnehmern, die schätzungsweise je hälftig der Anbieter- (Gas-Vorlieferanten-) und der Nachfragerseite (Stadtwerke und andere Weiterverteiler) zuzuordnen seien.

Über 100 Gesuche im Januar

Sonnes Kollege Helmut Kusterer ergänzte, im Januar hätten "mehr als 100 Gesuche" auf Tender in eine einstellige Zahl von Abschlüssen gemündet, darunter auch Strom – Tendenz steigend. Eine "Hitrate" von fünf bis acht Prozent sei (außerhalb der Börse) "marktüblich". Pro Gesuch habe es drei bis fünf Preisangebote gegeben.

Dem stehen bei Enmacc mehr als 700 aktive Händler und über 180 angeschlossene Energieunternehmen gegenüber, so das Münchner Unternehmen. Anfang des Jahres war erst von mehr als 600 Handelsteilnehmern und über 170 Energielieferanten, Weiterverteilern, Industrieunternehmen und Stadtwerken die Rede gewesen. Keine Frage: Enmacc ist derzeit liquider.

Von vier auf sechs Gesellschafter

Daher hat sich Wettbewerber Tender365 mehr Handelsliquidität, mehr Kunden und mehr Gesellschafter zum Ziel gesetzt. Bis zum Quartalsende stießen, so Geschäftsführer Kusterer, zwei Gesellschafter hinzu, deren Namen man noch nicht nennen könne. In dem Modell hat bewusst kein Gesellschafter eine Mehrheit; bisher teilt sich ein Quartett die Anteile gleich auf:

  • die EnBW-Konzerngesellschaft Gasversorgung Süddeutschland (GVS), bei der Kusterer auch den Vertrieb der Dienstleistungen leitet,
  • die mit ihr im Wettbewerb stehende Kooperation Gas-Union,
  • die Eins Energie in Sachsen sowie
  • die IT-Schmiede Exxeta, bei der Frank Sonne ebenfalls die Geschäfte führt.

Neue Produkte

Helmut Kusterer bezeichnete 40 Handelsteilnehmer als "kritische Masse" für die Liquidität in einem solchen Handelsportal. Diese "könnte zum Quartalsende erreicht" sein.

Tender setzt im Wettbewerb auch auf die Ausweitung der Produktpalette: Es ließen sich schon Gas-Flexibilitätsprodukte ausschreiben, so Helmut Kusterer, bei denen das Ausmaß der täglichen Leistungsflexibilität (zum Beispiel 80 bis 120 Prozent der Band-Leistung), die Zahl der Renominierungs-Möglichkeiten, und die Art des Bilanzkreises frei konfigurierbar sind. Eine einzige Flexi-Lieferung sei auf Tender vollständig abgewickelt worden, so Helmut Kusterer.

Gas-Union: "Für uns ein großer Schritt"

In der Demo-Phase befinden sich zudem am Exxeta-Stand auf der E-World Gaslieferungen mit Temperaturregressions(Tempreg)-Modellen, bei denen die beanspruchbare Liefermenge von den Temperaturen abhängt. Hier sind etwa zwei verschiedene Zusammenhänge wählbar: die klassische Sigmoidkurve und die Weiterentwicklung namens "Siglinde", bei der die Sigmoidkurve bei Extremkälte von einer Linienfunktion abgelöst wird.

Bei dem Journalistentermin waren auch Vertreter aller Tender-Gesellschafter anwesend. Gas-Union-Geschäftsführer Oliver Malerius äußerte auf die ZfK-Frage, was ihn zum Beitritt zu Tender statt einer Eigenentwicklung bewogen habe, man wisse um den erheblichen Aufwand, den bereits das eigene Kunden-Onlineportal gekostet habe. Gemeinsam sei man stark und teile sich den Aufwand für ein Ausschreibungsportal. "Für uns war das ein großer Schritt", fügte Malerius hinzu.

Eins: "Unter Gleichgesinnten"

Kathrin Altenburger, die bei der Eins Energie in Sachsen den Handel leitet, spielte auf Enmacc an: "Mit Tender sehen wir die Möglichkeit, mitzugestalten. Wir fühlen uns im Kreise gleichgesinnter Unternehmen gut aufgehoben, es ist hier kein Finanzinvestor drin".

GVS-Chef Michael Rimmler strich den Sharing-Gedanken der Plattform und den paritätischen Einfluss der Gesellschafter heraus. Branchenunternehmen lernten hier "aus den Fehlern der Vergangenheit, als man alles selber machen wollte". (geo)

Lesen Sie weiter mit Ihrem ZFK-Abonnement

Erhalten Sie uneingeschränkten Zugang zu allen Inhalten der ZFK!

✓ Vollzugriff auf alle ZFK-Artikel und das digitale ePaper
✓ Exklusive Analysen, Hintergründe und Interviews aus der Branche
✓ Tägliche Branchen-Briefings mit den wichtigsten Entwicklungen

Ihr Abonnement auswählen

Haben Sie Fehler entdeckt? Wollen Sie uns Ihre Meinung mitteilen? Dann kontaktieren Sie unsere Redaktion gerne unter redaktion@zfk.de.

Home
E-Paper