Die Großhandels-Strompreise sind 2022 um den Faktor 7 gestiegen, die Endkundenpreise haben sich im Jahresmittel verdoppelt. Auf Dauer lasse sich der Preisunterschied zu anderen Industrienationen durch Subventionen nicht ausgleichen, erklärt das Beratungsunternehmen McKinsey & Company in ihrem Report "Zukunftspfad Stromversorgung".
McKinsey hat darin Wege untersucht, wie die Strompreise in Deutschland bis 2025 mindestens auf das Niveau vergleichbarer Industrienationen sinken könnten. Zugleich soll Deutschland damit Versorgungssicherheit gewährleisten, sowie die für 2030 formulierten CO2-Emissionsziele einhalten. Dabei wurde deutlich, dass der Ausbau der erneuerbaren Energien, den die Bundesregierung im so genannten Osterpaket formuliert hat, erst der Anfang sein kann, heißt es in dem Bericht.
Kohlekraftwerke weiterbetreiben
Um bis 2025 das Ziel einer sicheren, bezahlbaren und nachhaltigen Stromversorgung zu erreichen, müsse Deutschland zum einen der Ausbau der Erneuerbaren massiv beschleunigen. Gleichzeitig müssten Akteure, die Kapazitäten für die Verstromung von Erdgas deutlich erweitern; diese können später auf Biogas und grünen Wasserstoff als Brennstoffe umgestellt werden.
Gas – als stabile und emissionsarme Ergänzung zu Wind, Sonne, Wasserkraft und Biomasse – werde noch für längere Zeit ein wesentlicher Bestandteil des deutschen Energiesystems sein, denn der Energiebedarf steigt und der Ausbau erneuerbarer und konventioneller Erzeugungskapazitäten und Netze läuft nicht schnell genug, heißt es in dem Papier weiter. Parallel sei es für die akute Versorgungssicherheit notwendig, die ursprünglich bis 2025 zur Abschaltung vorgesehenen Kohlekraftwerke von etwa 10 GW weiterzubetreiben – trotz der kurzfristig negativen Auswirkungen auf die Nachhaltigkeit.
Erdgasproduzenten brauchen Abnehmer
Die Analyse zeige demnach auch: Die beschriebenen Maßnahmen zusammen würden 2025 noch immer zu einem Großhandels-Strompreis von 120 EUR/MWh führen – das Dreifache des historischen Mittels. Um langfristig wieder ein wettbewerbsfähiges Preisniveau zu erreichen, sei es darüber hinaus notwendig, die Erdgaspreises signifikant zu reduzieren. Denn durch die Merit Order sei Verstromung von Erdgas in vielen Stunden preissetzend für den Gesamtmarkt.
Erdgasproduzenten brauchten außerdem Abnehmer, die sich langfristig vertraglich binden, um ihre hohen Investitionen sicher finanzieren und den Preis signifikant senken zu können. Deutschland und seine europäischen Partner sollten darum auch den Abschluss entsprechend langfristiger Abnahmeverträge erwägen, heißt es weiter.
Längere AKW-Laufzeiten senken Strompreis
Werde der Gaspreis auf den prognostizierten LNG-Preis von 28 EUR/MWh in 2025 gesenkt, könne nach Berechnungen von McKinsey der Strompreis auf bis zu 75 EUR/MWh fallen. Würden die Kernkraftwerk-Laufzeiten über April 2023 hinaus verlängert, könnte dies in den Szenarien für 2025 den Großhandels-Strompreis zusätzlich um 5 bis 15 EUR/MWh senken.
Parallel dazu sollten erneuerbare und konventionelle Erzeugungskapazitäten und die entsprechenden Netze massiv ausgebaut werden. Den Analysen zufolge seien dafür bis 2025 etwa 180.000 zusätzliche Fachkräfte notwendig. Auch seien die Genehmigungszeiten bei Neubauvorhaben signifikant zu reduzieren.
Europäische Fertigung für PV
Zugleich gelte es, deutsche beziehungsweise europäische Fertigungskapazitäten für Photovoltaik zu schaffen, um einseitige Abhängigkeiten zu vermeiden, sowie Mechanismen zu finden, um diese lokal produzierten Module auch lokal zu verbauen, so das Beratungsinstitut weiter.
Notwendig seien zudem eine beschleunigte Umsetzung der Vorhaben, eine zentrale Koordination von Akteuren auf allen Ebenen, ein regelmäßiges Monitoring und gezielte Anreize. Nur dann könne die Transformation des deutschen Energiesystems in der gebotenen Geschwindigkeit gelingen und eine zuverlässige, wirtschaftliche und ökologisch nachhaltige Stromversorgung sichergestellt werden. (jk)



