Die ZFK-Umfrage zeigt, wie weit Angebote, IT und Sektorkopplung sind.

Die ZFK-Umfrage zeigt, wie weit Angebote, IT und Sektorkopplung sind.

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In einer ZFK-Umfrage unter 39 kommunalen Energieversorgern geben 62 Prozent an, Mieterstrom aktiv anzubieten. Weitere 28 Prozent befinden sich in der Planungs- oder Pilotphase. Zehn  Prozent bieten Mieterstrom derzeit nicht an oder erwägen einen Einstieg.

Der Blick auf die Projektzahlen zeigt unterschiedliche Umsetzungsstände. 37  Prozent der Stadtwerke mit Mieterstrom oder Pilotprojekten betreiben ein bis drei Projekte. 29 Prozent nennen vier bis zehn Projekte. Weitere 31 Prozent geben an, mehr als zehn Mieterstromprojekte im Portfolio zu haben. Die Umfrage bildet damit sowohl einzelne Projektansätze als auch bereits umfangreichere Umsetzungen ab.

Projektanfragen als zentraler Treiber

Gefragt nach dem wichtigsten Beweggrund für Mieterstrom nennen 38 Prozent der teilnehmenden Stadtwerke die Erwartungen von Wohnungswirtschaft und Kunden. Wirtschaftliche Motive wie die Erschließung neuer Ertragsquellen folgen mit 16 Prozent. Elf und 14 Prozent nennen Kundenbindung oder einen Beitrag zur Energiewende als vorrangigen Beweggrund.

Weitere Nennungen entfallen auf einzelne sonstige Motive. Die wenigsten (jeweils zwei Prozent) wollen mit Mieterstrom die PV-Anlagendichte oder die Wirtschaftlichkeit der Anlagen steigern. Und lediglich fünf Prozent sehen darin einen Türöffner für weitere Energiedienstleistungen. Mieterstrom entsteht damit häufig aus konkreten Projektanfragen. Er wird seltener als standardisiertes Produkt eingeführt, sondern überwiegend als Antwort auf spezifische Anforderungen von Eigentümern, Wohnungsunternehmen oder Quartiersprojekten umgesetzt.

Umsetzung anspruchsvoller als Nachfrage

Lediglich zehn Prozent der an der Umfrage beteiligten Stadtwerke bieten Mieterstrom derzeit nicht an oder haben ihn nicht geplant. Bei den Gründen verweisen die Unternehmen vor allem auf die zu hohe Komplexität in der Abrechnung und Messung. Als Ausschlusspunkt werden zudem die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen genannt, die noch nicht attraktiv genug seien.

Diese Einschätzung findet sich auch in der Bewertung zentraler Rahmenbedingungen wieder. Unabhängig davon, ob Stadtwerke Mieterstrom anbieten oder nicht, werden insbesondere bürokratische und regulatorische Anforderungen, die Komplexität von Mess- und Abrechnungsprozessen sowie Fragen der Wirtschaftlichkeit als relevante Hürden wahrgenommen. Das Marktpotenzial im eigenen Versorgungsgebiet wird dagegen unterschiedlich beurteilt. Jeweils 25 Prozent der Befragten schätzen es als hoch beziehungsweise als sehr gering ein.

Welche Systeme kommen bei der Abrechnung zum Einsatz?

Die Umfrage gibt auch Aufschluss darüber, wie Stadtwerke ihre Mieterstrom-Abrechnung organisieren: 46 Prozent der befragten Stadtwerke setzen dabei auf spezialisierte Softwarelösungen. 30  Prozent bilden die Prozesse über bestehende ERP- oder Billing-Systeme ab. Elf Prozent arbeiten manuell oder Excel-basiert. Mehrere Rückmeldungen deuten zudem auf Mischformen hin, etwa eine ERP-Abrechnung mit vorgelagerter manueller Verarbeitung oder die Einbindung externer Dienstleister.

Bei den Stadtwerken, die eine spezialisierte Mieterstrom-Software einsetzen oder planen, zeigt sich eine deutliche Konzentration auf einzelne Anbieter. Mit Abstand am häufigsten genannt wird Solarize. Weitere Nennungen entfallen auf Anbieter wie White Energy, Node.Energy, Vor-Ort-Energie sowie auf einzelne Dienstleister- oder Mischlösungen.

Dort, wo Mieterstrom über das bestehende ERP- oder Billing-System abgewickelt wird, dominiert SAP IS-U. Vereinzelt werden weitere Anbieter genannt.

Sektorkopplung wird mitgedacht

Mieterstrom wird bereits im Zusammenhang mit weiteren Energiedienstleistungen gedacht: 37 Prozent der Befragten nennen die Integration von Ladeinfrastruktur für die Elektromobilität. 29 Prozent koppeln Mieterstrom mit der Wärmeversorgung, etwa über Wärmepumpen oder Nahwärmelösungen. 25 Prozent binden Speicher ein. Neun Prozent geben an, derzeit keine Sektorkopplung zu planen oder anzubieten. Mehrfachnennungen waren möglich.

Bei den Betreibermodellen setzen Stadtwerke überwiegend auf klassische Ansätze. 56 Prozent der Befragten nennen Dachpacht- oder Contracting-Modelle. 23  Prozent nutzen Sale-and-Lease-Back-Modelle, 18 Prozent Lieferkettenmodelle. Einzelne Stadtwerke berichten von Sonderkonstruktionen. Mehrfachnennungen waren möglich.

In der Vermarktung ist die Teil- beziehungsweise Überschusseinspeisung nach § 42a EnWG der klare Standard. 84 Prozent der Stadtwerke nutzen dieses Modell. 14  Prozent setzen auf Volleinspeisung, ein Unternehmen gab an, dass die Ausgestaltung noch offen ist.

Mieterstrom zwischen Nachfrage und Hürde

Mieterstrom wird bei Stadtwerken überwiegend projektgetrieben umgesetzt. Erwartungen von Wohnungswirtschaft und Kunden sind der häufigste Auslöser. Zugleich schrecken Stadtwerke aufgrund der hohen Komplexität von Abrechnung und Messung sowie der Wirtschaftlichkeit bisher zurück, sich auf diesem Feld zu betätigen. Dass die große Mehrheit der befragten Stadtwerke Mieterstrom dennoch bereits umsetzt oder plant, unterstreicht die strategische Relevanz des Modells.

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