Die beiden bayerischen Verteilnetzbetreiber Bayernwerk Netz (Bayernwerk) und LEW Verteilnetz (LVN) wollen den Anschlussprozess für große Erzeugungsanlagen neu ausrichten. Dazu haben die Energieunternehmen das Pilotprojekt der "Einspeisesteckdose" mit Staatsminister Hubert Aiwanger in München vorgestellt. Erstmalig in Deutschland stellen sie damit vorausschauend Netzkapazität zur Einspeisung von Strom aus erneuerbaren Energien bereit, wie die beiden regionalen Stromnetzbetreiber mitteilen.
Der Hintergrund: Ein Anschlussboom in Bayern sorgt für eine rasant steigende Zahl an neuen Solar- und Windkraftanlagen. Allein 2024 gingen mehr als 100.000 Erzeugungsanlagen beim Bayernwerk und LEW Verteilnetz neu ans Netz.
Bislang prüfen die Netzbetreiber allerdings in jedem Einzelfall, ob eine neue Anlage netzverträglich ist und schaffen dann einen individuellen Netzverknüpfungspunkt. Das ist teuer und zeitaufwändig.
In dem Testprojekt wollen die beiden Unternehmen nun proaktiv zusätzliche Trafoleistung im Netz an einem Ort bereitstellen. Projektentwickler können sich mit ihren Anlagen dann auf diese regionalen Kapazitäten bewerben.
"Mit dem Projekt Einspeisesteckdosen schaffen wir Planungssicherheit für Investoren, die Erneuerbare-Energie-Anlagen bauen wollen", wird Hubert Aiwanger, bayerischer Staatsminister für Wirtschaft, Landesentwicklung und Energie, zitiert.
Clustern von Erneuerbaren-Anlagen
Mit der Einspeisesteckdose haben die Netzbetreiber eine schnelle, wirkungsvolle Lösung entwickelt, um proaktiv zusätzliche Kapazitäten bereitzustellen, lässt sich Egon Westphal, Vorstandsvorsitzender von Bayernwerk, in der Mitteilung zitieren. Das sei Energiewende "Plug and Play".
Christian Barr, Vorstand der Lechwerke (LEW), mahnte jedoch, dass auch der rechtliche und regulatorische Rahmen weiterentwickelt werden müsse. Dies gelte sowohl für die Regelungen für das Clustern von Erneuerbaren-Energien-Anlagen als auch für die Kostenverteilung des Netzausbaus. Auch bei der kommunalen Photovoltaik-Freiflächenplanung gebe es Bedarf für Weiterentwicklung.
Bewerbung ab 2025
Zunächst errichten Bayernwerk Netz und LVN als Pilotprojekt jeweils eine Einspeisesteckdose in ihren Netzgebieten. Bayernwerk plant ein neues Umspannwerk in Niederviehbach im Landkreis Dingolfing-Landau. LVN rüstet das bereits bestehende Umspannwerk im bayerisch-schwäbischen Balzhausen mit einem zusätzlichen Transformator aus.
Die beiden Standorte sind nach den bestehenden Kapazitäten im Verteilnetz sowie dem vor Ort zu erwartenden Ausbaupotenzial erneuerbarer Energien ausgewählt. Der Prozess ist mit den Kommunen abgestimmt: Nur auf den hierfür vorgesehenen Flächen können Projektentwickler ihre Anlagen planen. Im Januar 2025 schalten die Stromnetzbetreiber dann ihre jeweiligen Bewerbungsportale für die Einspeisesteckdosen frei. (jk)
Hier geht es zur Projektwebsite von LVN und von Bayernwerk Netz



