Die Energieallianz Bayern will mit ihren Gesellschaftern nachhaltige Energieprojekte umsetzen (Symbolbild).

Die Energieallianz Bayern will mit ihren Gesellschaftern nachhaltige Energieprojekte umsetzen (Symbolbild).

Bild: © Jörg Lantelme/AdobeStock

Solarmodule werden immer leistungsfähiger und günstiger. Gleichzeitig unterliegen sie einer jährlichen Degradation, wodurch die Leistung mit der Zeit sinkt. Hier kommen Revamping und Repowering ins Spiel. Mit Revamping ist der Austausch einzelner Komponenten gemeint, ohne die Leistung der Anlage zu erhöhen. Beim Repowering erhält der Solarpark dagegen bewusst einen Leistungsschub.

Das Potenzial für die beiden Techniken ist groß. Etwa 50 Gigawatt (GW) an Leistung könnten in Deutschland durch Revamping und Repowering auf bestehenden Flächen gehoben werden, schätzt Tomaso Charlemont, Head of PV Revamping/Repowering EMEA; Baywa r.e. Deutschland habe innerhalb Europas das größte Potenzial. Modernisierte Anlagen könnten im Schnitt 20 und 40 Prozent mehr Strom erzeugen.

Änderung im EEG

Revamping müsse sich allerdings immer im Einzelfall rechnen, erklärt Charlemont. "Bei Betreibern ist die Sorge oft groß, durch die Maßnahmen ihre Förderung zu verlieren." Denn in Deutschland ist eine Überschreitung der Anschlussleistung für eine Bestandsanlage – anders als in anderen Ländern – nicht erlaubt. Zusätzliche Strommengen müssen über ein Power Purchase Agreement (PPA) oder direkt über die Strombörse vermarktet werden.

Lange Zeit durfte bei einem Defekt sogar nur das exakt gleiche Modul oder der gleiche Wechselrichter ausgetauscht werden. Erst seit dem 1. Januar 2023 eröffnet das Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) den Betreibern von Freiflächen-Solarparks die Möglichkeit, ältere Komponenten auch durch leistungsstärkere zu ersetzen. Dadurch gehe die Einspeisevergütung für die zuvor betriebene Anlagenleistung und Restlaufzeit der Förderung in diesen Fällen nicht verloren, sagt Carsten Körnig, Hautgeschäftsführer des Bundesverbandes der Solarwirtschaft (BSW Solar).

Außergewöhnliche technische Defekte

Alternde Solarparks können so also wieder auf ihre ursprüngliche Leistung gebracht werden. Die jährliche Degradation von Solarmodulen beträgt im Schnitt zwischen rund 0,5 bis mehr als einem Prozent. So kann die Nennleistung eines Solarparks nach zehn Jahren Betriebsdauer auf weniger als 90 Prozent des Wertes sinken, für den er einmal die Zusage für die EEG-Vergütung bekam.

Zu der allgemeinen Degradation kommen außergewöhnliche technische Defekte hinzu. Ein Beispiel dafür sind kristalline Module mit Polyamid-Rückseitenfolie. Bei diesen dringt oft Feuchtigkeit ein und sorgt so für eine schlechtere Performance. Nach zehn Jahren ist auch der Garantiefall beim Hersteller verfallen. In solchen Fällen könne sich Revamping schon nach zwei bis vier Jahren vollständig amortisieren, meint Charlemont.

Fläche verringert sich

Auch bei alten Wechselrichtern, wo es nur noch wenige Ersatzteile gibt, könne ein Austausch sinnvoll sein. Beim Repowering hingegen würden alte Module oder Wechselrichter durch neue, leistungsstärkere Teile ausgetauscht – etwa, wenn Zentralwechselrichter durch String-Wechselrichter ersetzt werden.

Baywa r.e. selbst hat im vergangenen Jahr eine große PV-Freiflächenanlage in Brandenburg optimiert. Die Anlage hatte bei Errichtung im Jahr 2010 eine Nennleistung von rund 40 Megawatt (MW). Wegen beschädigter Rückseitenfolien der Module und dadurch ausgelöster Kurzschlüsse erbrachte sie 2022 nur noch 60 Prozent der Leistung. Nach dem Austausch der Module war wieder die volle Leistung möglich. Die neu eingesetzten Module waren dabei allerdings deutlich effizienter als die alten. Deswegen verringerte sich die benötigte Fläche bei gleicher Leistung um ein Drittel.

Gesunkene Modulpreise

Revamping ist allerdings technisch anspruchsvoll. "Oft sind bereits Kabel im Boden verlegt und die Halterungen erlauben nur den Einsatz bestimmter Module", sagt Charlemont, Revamping-Experte bei Baywa r.e.: "Revamping unterscheidet sich grundsätzlich von Projekten auf der grünen Wiese." Der Austausch von Modulen erfolgt dabei bei laufendem Betrieb, in einzelnen Arbeitsphasen. "Dafür braucht es eigene Kompetenzen und ein eigenes Team."

Trotz allem rechne sich Revamping meist. Allein, weil die Modulpreise heute nur einen Bruchteil des Wertes von vor zehn Jahren ausmachen. Zudem müssten Anlagenbetreiber ohnehin reagieren, etwa, wenn es aufgrund von technischen Defekten zu Sicherheitsrisiken bei einer Anlage kommt.

Massiver Umsatzanstieg

Bei Post-EEG-Anlagen hat Revamping zudem den Vorteil, dass neue Anlagen ohne neue Baugenehmigung errichtet werden können – damit verbundene umfangreiche gutachterliche Prozesse entfallen dadurch, erklärt Hauptgeschäftsführer Körnig vom BSW Solar.

Auch die MVV-Tochter Juwi ist im Revamping und Repowering tätig. "Insbesondere als die Strompreise sehr hoch waren, waren die Investitionsentscheidungen vor allem bei Investoren aus dem Energiebereich sehr intensiv und schnell getroffen", sagt eine Unternehmenssprecherin der ZfK. In den vergangenen beiden Jahren hat der kommunale Projektentwickler einen "massiven Umsatzanstieg" bei der Modernisierung von PV-Parks zu verzeichnen.

Ende der EEG-Vergütung

Bei institutionellen Investoren nehmen sowohl Baywa r.e. als auch Juwi noch Zurückhaltung wahr. Der Hintergrund: Neue Investitionen während der Förderzeit würden die Rendite senken. Größeres Interesse erwarten die Unternehmen dann, wenn die ersten Solarparks aus dem zwanzigjährigen Förderzeitraum herausfallen.

Darauf weist auch der BSW Solar hin: Während die ersten großen Windparks bereits in den 1990er Jahren errichtet wurden, sind die ersten größeren Solarparks erst seit der zweiten Hälfte der Nullerjahre in größerer Leistungszahl entstanden. Diese Anlagen fallen Ende der 2020er aus der EEG-Vergütung. Dann dürfte auch das Interesse an Revamping und Repowering weiter zunehmen. (jk)

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