Erst ein Knistern, dann ein Knall – und anschließend Dunkelheit: Nach dem Brand einer Stromtrasse am Freitag, den 21. März, ist in München weiträumig und über teils viele Stunden hinweg der Strom ausgefallen. Nach Angaben der Stadtwerke München wurden durch den Brand rund 50 Stromkabel der Mittelspannung vollkommen zerstört.
Etwa 150 Trafostationen fielen in der Folge aus und es kam ab etwa 3:50 Uhr zu Stromausfällen in etwa 20.000 Haushalten. Die ersten von ihnen kamen nach vier Stunden zurück ans Netz, nach acht Stunden konnte erst etwa ein Drittel davon wieder versorgt werden. Für die übrigen hieß es weiter warten. Zudem kam es zu massiven Beeinträchtigungen im Verkehr, sowohl auf den Straßen als auch bei der Tram.
Erste Erkenntnisse der Polizei
Warum es zu dem Stromausfall im Münchner Osten kam, blieb zunächst unklar. «Die Stromleitung, die eigentlich unterirdisch verlegt ist, war offengelegt und mit einem Bauzaun gesichert», schilderte ein Sprecher der Feuerwehr. Ihm zufolge hatten mehrere Passanten erst ein seltsames Knistern und dann einen Knall gehört. Als die Feuerwehr eintraf, loderten bereits Flammen aus der Grube.
Inzwischen ermittelt die Polizei wegen Brandstiftung. «Jetzt haben wir erste Erkenntnisse, die diesen Verdacht einer Brandstiftung nahelegen», sagte ein Sprecher des Polizeipräsidiums München am Freitag.
Nicht der erste Anschlag auf Infrastruktureinrichtungen in München
Das Brandbild in der etwa einen Meter tiefen Grube weise auf Brandstiftung hin, erläuterte ein Polizeisprecher am Freitag. Genaueres wollte er zunächst nicht sagen, die Analysen der Brandfahnder seien noch nicht abgeschlossen. «Wir sind noch am Anfang der Ermittlungen», betonte der Polizeisprecher. «Wir können zum jetzigen Zeitpunkt keine Angaben machen, ob es Zusammenhänge mit anderen Delikten gibt.» Auch eine politische Dimension blieb damit zunächst unklar.
Es wäre aber nicht der erste Brandanschlag auf Infrastruktureinrichtungen in der Landeshauptstadt: Die Ermittler sprachen schon im vergangenen Jahr von einer «Serie». Seit November 2019 hatten Unbekannte in München mehrfach Funkmasten und andere Infrastruktureinrichtungen angezündet. Es entstand ein Gesamtschaden von rund 3,6 Millionen Euro. Die Taten ordneten die Ermittler linksextremen Straftätern zu, entsprechende Hinweise in die Szene führten jedoch zu keinen konkreten Personen. Die Ermittlungen wurden deshalb eingestellt.
Staatsschutz übernimmt Ermittlungen
Nun soll eine Nachbarschaftsbefragung neue Hinweise geliefert haben. Diese müssten allerdings erst überprüft werden, wie ein Sprecher der Polizei München am Sonntag mitteilte. Der Staatsschutz hat wegen des Verdachts einer politischen Straftat die Ermittlungen in dem Fall übernommen. «Bei brennenden Versorgungsleitungen können politische Motive vorliegen», sagte ein Polizeisprecher.
Die Staatsanwaltschaft München I verwies ebenfalls nur darauf, dass der Staatsschutz, das Kriminalfachdezernat 4 des Polizeipräsidiums München, die Ermittlungen übernommen hat, das sich schwerpunktmäßig mit politischen Straftaten befasst.
Update
Am Samstag teilten die Stadtwerke München um 17 Uhr mit, dass die Vollversorgung mit Strom wieder hergestellt sei. Die Arbeiten seien in der Nacht durch heftige Regenfälle erschwert worden. Bis Samstagfrüh waren 80 Prozent der betroffenen Haushalte wieder am Netz, die Grundversorgung der Privathaushalte war um 12.29 Uhr hergestellt. Für Personen, die aus gesundheitlichen Gründen zu Hause zum Beispiel auf Sauerstoffgabe angewiesen sind, habe man zudem eine Notversorgung organisiert. Die letzten Industrie- und Gewerbekunden folgten bis zum Abend.
Die Feuerwehr stellte zudem zentrale Möglichkeiten zum Aufladen von Elektrogeräten wie Handys zur Verfügung. Zugleich informierte die Feuerwehr mittels Lautsprecherwagen die betroffenen Viertel. Die vollständige Reperatur der Leitungen soll nach Angaben der SWM aufgrund der erheblichen Beschädigung noch einige Tage in Anspruch nehmen. Dazu gehören die vorher erwähnten 50 zerstörten Mittelspannungs-Stromkabel, die 150 ausgefallenen Trafostationen hingegen sind nun wieder alle versorgt. (dpa/sg)
